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Faili-Kurden im Irak erinnern an 30. Jahrestag ihrer Vertreibung: „Wiedergutmachung bis heute nicht erfüllt"

Sonntag, den 11.04.2010

Bagdad, 11. April (AKnews) – Die vom Regime des gestürzten Diktators Saddam Hussein aus ihren angestammten Wohnorten vertriebenen Faili-Kurden des Irak zelebrierten am Samstag in der irakischen Faili Kurds - poor childrenHauptstadt Bagdad ihre Erinnnerungs-Veranstaltung an den 30. Jahrestag ihrer Tragödie. 1980 begann der groß angelegte Einsatz des Diktators gegen die vom ihm als „unirakisch“ bezeichnete, mehrheitlich dem schiitischen Islam zugehörigen Bevölkerungsgruppe, die im Zentrum des Irak lebte und einst ein großes kurdisches Nomadenvolk war.




   Das Regime Saddam Husseins und seiner Baath-Partei deportierte im April 1980 Hunderttausende mehrheitlich schiitische Faili-Kurden, weil diese, so behauptete er, mit dem Iran konspirierten. Sie wurden hinter die irakisch-iranischen Grenzlinien vertrieben, später wurde ihnen die irakische Nationalität gänzlich aberkannt.

„Die Veranstaltung sollte an den 30. Jahrestag der Vertreibung einer halbe Millionen Faili-Kurden im April 1980 erinnern“, erklärte Jawad Kazim Ali, der Direktor des Schafak-Radios, das sich von Bagdad aus für die Rechte der kurdischen Minderheit einsetzt, gegenüber AKnews. Das Motto der Feierlichkeit hieß: „Alle Herzen mit uns – wir sind immer noch unterdrückt.“ Die Schafak-Organisation hatte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Kurdischen Haus in Bagdad organisiert. Eine große Zahl kultureller Persönlichkeiten, die sich über die Zukunft der Faili im Irak Gedanken machen, waren zu der Veranstaltung gekommen.

Mentaler Chauvinismus hält sich bis heute

Die Feier startete mit einer Schweigemeinute zu Ehren der Seelen der Opfer im gesamten Irak und der Faili-Kurden. Anschließend referierte die irakische Parlamentsabgeordnete Samia Aziz über die Probleme und Desaster, an denen die Faili bis heute litten. Sie betonte, es gebe immer noch „mentalen Chauvinismus innerhalb einiger Kreise und Behörden der irakischen Regierung.“ Von ihr forderte sie, die immer noch bestehenden Hindernisse zu beseitigen, was die Nationalitätsfrage der Faili-Kurden angehe, die Kompensationsleistungen für entstandene Verluste durch die Vertreibung und die Wiedergabe des Eigentums und der Grundstücke, die von Saddam Hussein 1980 konfisziert worden seien. Noch immer lagerten die Gerichtsakten unberührt in den Justizbehörden des Irak.

Tod in den Minenfeldern des Niemandslandes

Abdel-Sattar Nowruz, stellvertretender Generaldirektor der Behörde für Menschenrechte im irakischen Ministerium für Vertreibung und Migration, erklärte, dass es in der irakischen Geschichte viele Parallelen Saddam Hussein and troops 1980zur Vertreibung der Faili-Kurden gebe – etwa die Vertreibung der Juden in den 1940er-Jahren. Dennoch hätten die Faili ein viel härteres Los gehabt, denn den Juden sei Zeit gegeben worden, ihre Eigentümer zu verkaufen und sich auf die erzwungene Ausreise vorzubereiten. Die Faili aber hätten nach den Razzien der irakischen Sicherheitstruppen ihre Häuser sofort und für immer verlassen müssen. Im iranisch-irakischen Niemandsland, in das sie vertreiben worden seien, seien sie in Minenfelder geraten, wodurch viele Kinder und Frauen ums Leben gekommen seien.

Irakische Medien und kurdische Behörden schweigen

Parteien und Organisationen der Faili-Kurden haben in diesen Tagen ein gemeinsames Statement veröffentlicht, in dem sie ihre Besorgnis über das Schweigen der irakischen Medien und der nordirakischen Region Kurdistan zu diesen Ereignissen ausdrückten – denn noch immer seien zum Beispiel 17.000 junge Faili-Männer spurlos verschwunden, wie Faili-Institutionen recherchiert hätten.

Der Journalist Riad Jassim Al-Faili sprach über die rechtlichen Probleme der Faili-Kurden im heutigen Irak. Er forderte die Regierung auf, endlich die Resolution Nr. 666 des „Revolutionären Kommandorates“ Saddam Husseins aufzulösen, die den Faili die irakische Landeszugehörigkeit absprach und sie als Feinde des Landes diffamierte. Die rechtlichen Probleme, wie Staatszugehörigkeit, Kompensationen, konfisziertes Eigentum und Vermögen müssten von der Regierung endlich angegangen werden.

Die Schafak-Organsiation wurde im Frühjahr 2004 gegründet. Seitdem kümmert sie sich um die Belange der vertriebenen Faili-Kurden im Irak. Sie hat viele Publikationen zu den Problemen der Faili veröffentlicht und sendet von Bagdad aus Nachrichten in Arabisch und Kurdisch über einen eigenen Radiosender und eine Webseite.

ms AKnews

Publiziert am: Montag, 12. April 2010 (1562 mal gelesen)
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