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Frauen in der kurdischen Geschichte

Im folgenden geben wir einige kurze Schilderungen charaktervoller und mutiger kurdischer Frauen der Vergangenheit wieder Wir fanden sie vergnüglich und Neugier erweckend und hoffen, dass es unseren Lesern ähnlich ergeht .

Hypsicrateia

Plutarch erzählt uns, dass Mithridates der Große, der zelanidisch- kurdische König des Pontus, ihm sehr bald nach Beginn der Schlacht die Römer mit 800 Mann Kavallerie im Gefolge den Weg abschnitten und ihn in die Flucht schlugen. Seine Eskorte war bald in alle Winde zerstreut und er blieb mit drei Gefährten zurück. Unter ihnen war seine Konkubine Hypsicrateia ein Mädchen, das immer den Geist eines Mannes gezeigt hatte und stets bereit war, alle militärischen Risiken auf sich zu nehmen. Aus diesem Grunde gab der König ihr den männlichen Namen Hypsicrates." (Plutarch, AD 45)

Khanzade Sultan

Zu Zeiten Sultan Murads IV. (1623-40) lebte eine ehrwürdige Dame namens Khanzade Sultan. Sie befehligte eine Armee, die 12.000 Mann bewaffnete Infanterie und 10.000 Mann berittene Schützen umfasste, ihr Gesicht war durch einen Schleier bedeckt und ihren Körner umhüllte ein schwarzer Umhang. Sie ritt ihren arabischen Vollblütler und vollbrachte mutige Heldentaten der Schwertkunst. An der Spitze eines 40-50.000 Mann starken Heeres fiel sie mehrmals in Persien ein, plünderte Hamadan, Dargazin, Chamchamal und andere größere Städte und kehrte siegreich nach Soran zurück, beladen mit Beute."
(Evliya Celebi, 17. Jhdt.)

Haissa Khatoon

Haissa Khatoon (Die Fürstin Eva) starb im vergangenen Jahr (1813), nachdem sie 20 Jahre mit großer Umsicht die gesamte kurdische Nation, die in den umliegenden Bergen lebte, regiert hatte. Sie war jung und sehr hübsch, als sie Witwe wurde, und sie behielt die Herrschaft ihres verstorbenen Gatten bis zu ihrem Tod bei. Er sah das Grab eines ihrer Diener, der das Opfer seiner Kühnheit wurde, als er ihr einen verliebten Antrag machte. Sie, wie alle Kurden, ritt ständig bewaffnet mit Säbel und einem Paar Pistolen an ihrem Gürtel. Der unglückliche Mann versuchte ihr eines Tages seine Liebe zu erklären, indem er ihre Hand festhielt, als er ihr behilflich war, ihr Pferd zu besteigen, und umgehend schoss sie ihm in den Kopf für sein anmaßendes Begehren." (E.B. Barker, 1976)

Kara Fatima

Im letzten Monat erhielten die Truppen des Sultans in Konstantinopel einen Zuwachs, der großes Interesse hervorrief. Die neue Verbündete ist Kara Fatima Hanoun, eine kleine dunkle Frau um die sechzig Jahre, in deren Erscheinung nichts einer Amazone ähnelt, obwohl sie Männerkleidung trägt und sie ihr Ross wie die Krieger ihres Gefolge reitet. Einem Bericht zufolge hat die eheliche Liebe die Heldin zu ihrem gefährlichen Abenteuer getrieben. Ihr Gatte verbüßt wegen verschiedener Vergehen seine Strafe im Gefängnis, und Fatima, die befürchtet, dass ihre Bittgesuche, ohne ihre Loyalität zu beweisen, nur wenig Einfluss auf den Sultan haben werden, brachte 300 ihrer besten Krieger, um gegen die Muskowiter zu kämpfen. Wir wissen, dass Fatima aus Maras, einer Stadt in Kurdistan, kommt, ihre Erscheinung, gefolgt von ihrem kurdischen Reitertrupp, ruft in den Straßen große Aufmerksamkeit, insbesondere bei den Frauen, hervor. (lllustrated London News, 1854)

Ein Mädchen des Bilbas-Stammes

Sie war die beste Reiterin, die mutigste Soldatin und die beste Dienerin, die man sich vorstellen kann, ihr Verhalten war untadelig, und reichte ihrem Geschlecht zur Ehre, wie ihr Mut dem anderen Geschlecht zur Ehre gereichen würde. Ein Türke hatte einmal ihre Ehre versucht, sie schlug ihn nieder und sagte, dass sie selbst ihrem Herrn gegenüber genauso handeln würde. Sie rühmte sich damit, schon öfters die Mündung einer bewaffneten Kanone benutzt zu haben und nicht ihre Lanze zu senken, bis sie die Artillerie erreiche. Sie war gekleidet wie ein kurdischer Mann, einen seidenen Schal um den Kopf gewunden und einen Dolch an ihren Gurt. Sie war hübsch, zwischen 25 und 30 Jahre alt, mit einem markanten kurdischen Gesichtsausdruck und sonnengebräunt. (Frederick Milligan, 1870)

Die Frau von Omer Agha

Die Frau von Omer Agha, Chef der Milan, war die Ratgeberin, die Sekretärin und Schatzmeisterin ihres Gatten. Mit der Kühnheit eines Mannes führte und dirigierte sie die Angelegenheiten des Stammes. Obwohl sie erst 22 Jahre alt war, als ihr Mann starb, besaß sie die Achtung der Stammesältesten und übte einen großen Einfluss auf sie aus. (Frederick Milligan, 1870)

Adela Khanum,die Herrin von Halabja

Echte Zuneigung zwischen Mann und Frau ist nicht unbekannt bei den Kurden, zum Beispiel die Herrin Adela, die Witwe von Ghulan Shah, Khan von Sina: zum Beispiel die Frauen der alten Familien von Hakkari, deren Macht gleich, nein sogar größer als die der Männer ihrer Familien war, und viele andere in Zentral- und Südkurdistan. Dies kann nur das Ergebnis eines Verständnisses zwischen den Geschlechtern sein, das mehr unseren englischen Vorstellungen, denn den Vorstellungen anderer orientalischer Völker entspricht. Offiziell kam die Macht in die Hände der Herrin Khanum als Uthman Pascha wegen einiger Vorkommnisse fortgerufen wurde und im Auftrag der Regierung einige Reisen nach Suleymaniya, Kirkuk und Mossul unternahm. So regierte die Herrin Adela in seiner Abwesenheit, baute ein neues Gefängnis, setzte ein Gericht ein, dessen Präsident sie selber war und konsolidierte so ihre Macht, dass der Pascha, wenn er in Halabja war, seine Zeit mit dem Rauchen der Wasserpfeife, dem Bau neuer Bäder und lokaler Verschönerungen verbrachte, während seine Frau regierte. (E.B. Soane, 1926)

Fatima Khan

Nahe Ruwandiz lebte eine andere Herrin namens Fatima Khan, die nach dem Tode ihres Gatten eine Gruppe von acht Dörfern verwaltete. Sie regelte alle Angelegenheiten mit der Regierung selber und wurde ordentlich von den Dorfbewohnern ausgewählt, in ihrem Auftrag bei den Parlamentswahlen zu wählen, obwohl laut Gesetz ausdrücklich nur Männer das Recht hatten, sowohl das aktive wie auch das passive Wahlrecht auszuüben." (C.J. Edmonds, 1957)

Fatim Khanum besaß einige fortschrittliche Ansichten über die Rechte der Frauen; sie selber startete ihre Karriere, indem sie mit ihrem Geliebten floh und ihn heiratete, und im vergangenen Herbst verlobte sie ihre Tochter mit Scheich Mazo von Surchi gegen den Widerstand ihres Bruders Tazi ud Dinn Beg, der die Ansicht vertrat, dass nur er als Mann das Recht habe, über die Hand des Mädchen zu verfügen. (W.R.Hay, 1921)

Faqe Marif

Es gab eine andere bemerkenswerte Persönlichkeit, bekannt unter den Männernamen Faqe Marif, eine wirklich junge Frau von ungefähr 25 Jahren, die schon als Kind immer Männerkleidung getragen hatte. Sie kam oft nach Darban, um mich zu sehen und dagegen zu protestieren, dass sie mein Mann wäre. Ich sah sie das erste Mal, als ich Babakir Agha in Qala Diza besuchte. Ich registrierte einen Jungen, der mir mit ungewöhnlicher Grazie meinen Tee servierte, während Babakir mir mit seinem einzigen Auge quer durch den Raum spöttisch zugrinste dies ist nicht, was es scheint zu sein, es ist eine Frau, ja eine Frau, und bisher ist ihr niemals etwas passiert. (C.J. Edmonds, 957)

Agha Zin

Eine einzigartige und interessante Besucherin war eine sehr gebieterische Dame namens Agha Zin, Madam Agha, die Frau eines gewissen Surk Agha, der zwei oder drei Dörfer in Shawur besaß. Sie war bedeutend jünger als ihr Mann, der schüchtern und ziemlich dumm war. Sie kam selber in allen Geschäften, die zusammenhingen mit der politischen Balance in dem beschiedenen Tal. Manchmal brachte sie Surk mit sich, aber sie setzte sich stets vor ihm und ließ ihn nur selten zu Wort kommen aus Furcht, er könnte die Angelegenheit verderben. (C. J. Edmonds, 1957)


 


Kurdistan heute Nr. 19/20, Dez-1996/Jan-1997

Publiziert am: Donnerstag, 09. Oktober 2008 (5463 mal gelesen)
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