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Hilferuf junger Kurden

10000 bis 40000 Euro Brautgeld: Hilferuf junger Kurden

Die Praxis, Brautgeld zu bezahlen, wird in der kurdischen Gemeine heftig diskutiert. Unter den Auswüchsen leiden vor allem die jungen Paare. Zahlungen von 10000 bis 40000 Euro sind keine Seltenheit. Jetzt haben sich junge Kurden mit einem Hilferuf an die Plattform ezidischer Celler gewandt.

CELLE. Schon seit Jahren kämpft die Plattform ezidischer Celler (PEC) gegen den altertümlichen, unzeitgemäßen Brauch innerhalb der kurdischen Gemeinde, Brautgeld zu zahlen. Jetzt kommt möglicherweise neue Bewegung in die langwierigen und schwierigen Verhandlungen und Gesprächen, in denen es darum geht, die Familienoberhäupter und andere einflussreiche Kurden davon zu überzeugen, die alte Tradition über Bord zu werfen. Eine Gruppe von Jugendlichen hat öffentlich Kritik am Brautgeld geübt und erhofft sich unter anderem von der PEC Unterstützung.

„Das Brautgeld ist keine spezifisch ezidische Tradition. Sie wurde unter arabisch-islamischem Einfluss übernommen. In der Heimat hatte sie noch einen gewissen Sinn beim Aufbau eines gemeinsamen Haushalts. Aber hier in Deutschland ist dieser Brauch vollkommen aus dem Ruder gelaufen“, erklärte Halil Savucu, Vorsitzender der PEC. Wurden in der Türkei etwa in den 70er Jahren von der Familie des Bräutigams 5000 türkische Lira gezahlt, so wurde diese Summe in Deutschland quasi eins zu eins in D-Mark übertragen. Die Beträge stiegen kontinuierlich und ohne Maß an, hinzu kam die Euro-Umstellung. Heutzutage sind Summen von 10000 bis 40000 Euro keine Seltenheit – für die Familien, insbesondere jene, die mehr Söhne als Töchter haben, ist die Praxis des Brautgeldes ruinös.

Nachdem Savucu zunächst ein anonymes Schreiben erreichte, hat sich mittlerweile auch die Plattform der ezidischen Jugend mit Sitz im Saarland mit einem Hilferuf an die PEC und auch andere Organisationen gewandt. „Als gläubige junge Eziden bitten wir Sie, sich dafür stark zu machen, das Brautgeld, das uns erschwert, eine Ehe innerhalb der ezidischen Religion einzugehen, endgültig abzuschaffen oder zumindest zu regulieren“, heißt es in dem Brief an die PEC. Weiter heißt es: „Es ist unmenschlich und frauenfeindlich, die eigene Tochter wie eine Ware zu behandeln, die einen bestimmten Wert hat. Das Brautgeld darf und soll kein Maß für die Würde einer Frau sein.“

Savucu nimmt die Zuschriften als Bestätigung auch für die jahrelange Arbeit vor Ort. „Wir haben uns schon früh selbst gegen die Zahlung von Brautgeld gewandt. Damit haben wir uns innerhalb der kurdischen Gemeinde nicht gerade viele Freunde gemacht“, meinte Savucu. Jetzt hofft er, dass sich junge Kurden engagieren, um sich für ihre Interessen einzusetzen. „Der Prozess der Veränderung kann in diesem Fall nur von den einzelnen Menschen ausgehen. Eine Versammlung einzuberufen, würde nur Sinn machen, wenn auch junge kurdische Männer und Frauen dabei sind. Ansonsten kommen meistens eh nur die, die nichts ändern wollen.“ Gunther Meinrenken

Autor: Gunther Meinrenken, geschrieben am: 23.03.2011

Publiziert am: Sonntag, 27. März 2011 (1476 mal gelesen)
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