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Situation der Turkmenen in Südkurdistan

Im Folgenden habe ich euch ein Interview mit dem türkmenischen Minister Vedat Arslan übersetzt, welches von Mehmet Metiner geführt wurde und in der türkischen Zeitung Bugün erschien.

Es stellt die Situation der Turkmenen in Südkurdistan gut dar. Alle sollten sich daraus ihre Schlüsse ziehen, sehr empfehlenswert!

 

Sehr geehrter Herr Präsident, gestatten Sie mir zu Anfang diese Frage: Man sagt, die Kurdische Regionalregierung verfolge gegenüber den Turkmenen eine restriktive und unterdrückende Politik. Was sagen Sie dazu?


ARSLAN: Ich weiß nicht woher diese Behauptungen stammen. Aber um ehrlich zu sein kann davon nicht die Rede sein. Die Turkmenen genießen die selben Rechte wie die Kurden. Die Kurdische Regionalregierung unterstützt uns in jeder Weise.



Können Sie in ihren Schulen auf Türkisch unterrichten oder wird Ihnen Kurdisch als Amtssprache aufgedrängt? Wie sieht die Praxis aus?


ARSLAN: Nein, Kurdisch wird uns nicht als Amtssprache aufgedrängt. In unseren Schulen lehren wir auf unserer Muttersprache, also Türkisch. Wir haben türkische Radiosender, Fernsehkanäle und Zeitungen. In unserern Schulen wird neben Türkisch auch Kurdisch und Englisch gelehrt. Was die Lehrsprache in unseren Schulen angeht, haben wir keinerlei Schwierigkeiten mit der Regionalregierung. Vielmehr kann man sogar sagen, dass die Regionalregierung, sich dafür eingesetzt hat, dass auf unsere Muttersprache gelehrt wird.



In der Türkei behauptet man aber komplett anderes...


ARSLAN: Ich kenne jene Behauptungen. Ich rede von der Realität. Schauen Sie, als wir 1993 und '94 unsere Grundschulen eröffneten, haben wir von der damaligen Kurdischen Regionalregierung weder Türkisch noch Arabisch als Lehrsprache gefordert. Wir wollten dies so. Aber unsere kurdischen Brüder haben "Nein" gesagt. "Die Lehrsprache in euren Schule soll Türkisch sein!" haben sie gesagt. Ein Fach auf Kurdisch würde langen, sagten sie. Vergessen sie die Unterdrückungsthese, es findet eine klare Unterstützuing statt...



Wieviele türkmenische Schulen gibt es und welche Sprachen werden dort unterrichtet?


ARSLAN: Zurzeit haben wir 2 Gesamtschulen, 9 Grundschulen und 4 Gymnasien. Neben der offiziellen Lehrsprache Türkisch wird auch auf Kurdisch, Arabisch und Englisch gelehrt.



Wie ist die Situation des Türkischen auf den Universitäten?


ARSLAN: Die Kurdische Regionalregierung ist auch diesbezüglich sehr offen und hilfsbereit. In den Universitäten Silemanis und Koysancaks gibt es auch türkische Abteilungen. Wir haben vorgeschlagen auf der Salahadin Universität eine türkische Abteilung einzurichten. Ich habe mit dem Bildungsministerium gesprochen und man hat dem Wunsch entsprochen. "Sehr gerne, mit der Bedingung, dass sie türkische Lehrer zur Verfügung stellen können" sagte man mir. Bald werden wir die Türkische Abteilung eröffnen können. Diesbezüglich wäre Hilfe aus der Türkei auch sehr willkommen.



Stimmt es, dass sich Herr Barzani und Herr Talabani damals dafür einsetzten, dass die Turkmenen in der Irakische Verfassung gesondert als Minderheit aufgeführt werden?


ARSLAN: Ich war nicht auf jener Versammlung, doch habe ich einige Freunde die daran teilgenommen haben. Es entspricht der Wahrheit. Herr Barzani, sowie Herr Talabani waren diesbezüglich sehr engagiert. Ich habe es von meinen Freunden, die damals anwesend waren, erfahren. Barzani war diesbezüglich besonders engagiert.



Kommen wir zur Kerkuk-Frage. Glauben Sie, dass Kerkuk an die Kurdische Regionalregierung angeschlossen werden sollte?


ARSLAN: Selbstverständlich werden die Kerkuker über die Zukunft Kerkuks entscheiden. Ich weiß nicht wie sich dir dortigen Turkmenen entscheiden werden. Aber wir sind der Meinung, dass es besser für uns Turkmenen wäre, wenn die Stadt an die KRG angeschlossen werden würde. Warum? Wenn Kerkuk an die KRG angeschlossen werden würde, würden wir hier die zweitgrößte Ethnie darstellen. Demzufolge würde auch unsere politische Macht erstarken. Wenn Kerkuk an Bagdad verbunden werden würde, würden wir 1,2 Prozent darstellen. Weil die Turkmenen sich in schiitisch und sunnitisch aufteilen. 65 Prozent der Turkmenen sind schiitisch. In diesem Falle würde sich unsere Repräsenz schwächen. Doch wenn Kerkuk an die KRG angeschlossen werden würde, würden wir ca. 20-25 Prozent repräsentieren. Es würde für uns in allerlei Hinsicht besser sein. Deshalb hoffen wir, dass Kerkuk an die KRG angeschlossen wird. Die Türkei braucht sich davor nicht zu fürchten. Im Gegenteil! Sie sollte dies unterstützen. Wie gesagt, die Turkmenen würden davon profitieren.



Der kurdische Parlamentspräsident Adnan Mufti sagte damals in einem von mir geführten Interview, dass im Falle einer Angliederung Kerkuks an die KRG, den dortigen Turkmenen verfassungsrechtliche Sonderrechte gewährt werden würden. Was denken Sie darüber?


ARSLAN: Was Herr Mufti gesagt hat, unterstützen auch wir. Dies waren die Wünsche, die unsererseits an ihn weitergeleitet wurden. Das ist auch vollkommen korrekt. Dies betont auch Herr Präsident Barzani immer. Herr Barzani hat uns immer folgendes gesagt: "Wir Kurden haben unter der Saddam-Regierung sehr gelitten. Demzufolge würden wir uns im Falle eines derartigen Machtmißbrauchs doch nicht von Saddam unterscheiden, oder? Jegliche Rechte, die wir genießen sollen auch unsere turkmenischen Brüder genießen." Dies wurde in die Praxis umgesetzt und glauben auch, dass dies immer so bleiben wird.



Übersetzung von http://www.bugun.com.tr/haberler/020108/p83210.asp

Publiziert am: Donnerstag, 20. März 2008 (4995 mal gelesen)
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