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Spuren kurdischer Aleviten - Dersimkurden

25.03.08

Zu den noch am meisten unabhängigen und darum am wenigsten gekannten, am seltensten von Augenzeugen besuchten Kurdenstämmen gehören die Dushik im Dêrsim-Gebirge südlich von Erzingan.
Wenn ich in der Lage bin, über die freiheitsliebenden und tapferen Bergvölker einige über das, was Lerch von den Gefangenen in Roslawl erfuhr, hinausgehend Mitteilungen zu machen, so danke ich diese der Freundlichkeit eines ehemals presussischen, jezt türkischen Diensstehenden Artillieroffizier, Herr V. Stecker, welcher einen langen Aufenthalt in Erzingan auf meine Bitte dazu benutze, allerhand Erkundingungen über die Dushik einzuziehen. Ich gebe die folgenden Aufzeichnungen, wie sie von jenem Beobachter an Art und Stelle niedergeschrieben wurden, und tue von eigenem nur ein paar Anmerkungen hinzu.
"Die Duschik-Kurden sind alle Kizilbash, eine Benennung, die, wie kannt, vor allem von den Sunniten den Persern als Anhänger Ali´s gegeben wird und in diesem Sinne unseren "Ketzer" gleichbedeutend ist. Ali nämlich, der Schwiegersohn des Propheten, pflegte im Kriege eine vergoldete Stalbauschwert zu tragen, wodurch er sich vor seiner Umgebung auszeichnete, und erhielt deshalb von seinen Anhänger den Beinamen "Der mit den Goldenen Haupte". Unter den Duschik-Kurden sollen nun einige Stämme den Ali nicht nur als höchsten Prophet und Stellvertretter Gottes, sondern als Gott selbst verehren, diese werden daher par excellence Kizilbash genannt.

Über die religiösen Gebräuche der Duschik-Kurden ist im Einzelnen nur wenig bekannt geworden, da sie dieselben vor jedem Uneingeweihten möglichst geheimhalten und im Notfalle gegenüber den Türken sich gleich mit der Pharse: El-Hamdulillah, Müsülma-im - Gott sei gepreisen! ich bin ein Muslim - durchhelfen. Doch legen sie in ihrem eigenen Unabhängigen Gebiete eine entscheidene Vorliebe für die Perser an den Tag, die sich sowohl dadurch bekundet, dass sie ihre Töchter wohl mit den Persern aber nicht mit den Türken verheiraten, als dadurch, dass sie ihre Plünderungen weniger auf reinsende Perser als auf osmanilis ausdehnen. Ihre Personnamen sind fast durchgängig Türkisch; nur werden die Namen Mehmed, Sadik, Ismail sorgfältig vermeidet. Die Perser ihrerseits sind freilich wenig damit einverstanden, wenn jene sie als Glaubensgenossen und Brüder begrüssen.
Nach der Aussage von vorurteilsfreien Türken und Armenier, die als Handelsleute bis auf gewisse Entfernung in das Gebiet dieser Stämme eindrangen und denen gegenüber dieselbe sich weniger Scheu zeigten, scheint es, als ob die Bewohner dieses Teils von Kurdistan, wie in politischer aber auch in religiöser Beziehung in verschiedenen einander mehr oder minder feindlich gegenüberstehende Parteien zerfallen.

Sie besitzen weder Moschen noch sonstige Tempfeln; sondern verrichten ihre Andacht in Freien, die einen indem sie zu Ali beten, die anderen indem sie sich vor der Sonne verbeugen, noch andere, indem sie vor uralte Bäume Opfer vernichten. Man hat bemerkt, dass sie bei Sonnenaufgang an altem Gemäner die Stelle küssen, wo der erste Sonnenstrahl hinfällt, sowie auch öfters gesehen worden ist, dass sie Stöcke aus Kirschbaumholz inbrünstig und feielich küssen.
Von Zeit zu Zeit halten sie religöse Versamlungen in grossen Zimmern, dass sie Antlitz gegen den Kamin gerichtet, in welchem ein Feuer brennt und vor welchem sich der Priester befindet. Einmal jährlich sollen diese Versammlungen stattfinden. Einige halten zweimal im Jahr Fasten nach alttrükischer Art, nur insofern nch strenger als sie auch Nachts kein Fleisch essen. Die eine Fastenzeit wird während 15 Tagen in der ersten Hälfte des Muharrem gehalten und heißt "hortsch-i-Aschuraschcur"; die andere fällt in den Monat Schewal, dauert zehn Tage und heißt hortsch-Hidirless. auf Fasten folgt jedesmal großes Opferfest (Kurban)


Quelle: Nachrichten über kurdische Stämme IN: ZDMG Band 16. S. 607ff.

Publiziert am: Donnerstag, 27. März 2008 (4757 mal gelesen)
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