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Allgemeine Geschichte: Êl, Esîr, Mal
Geschrieben am Donnerstag, 12. Januar 2012 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Die kurdische Gesellschaft ist in kategorische Familien- und Verwandtschaftsgruppen tribaler Natur aufgeteilt.



Die kleinste Gruppe, die die Kin, die Kinred aber auch die Lineage bezeichnet, wird Mal oder Çe (Kirmanckî) genannt. Das bedeutet, hierzu gehören alle Mitglieder einer Familie, die Kenntnisse über ihre gemeinsamen Ahnen haben und sich auf einen gemeinsamen Vorfahren berufen. Die nächste Kategorie im tribalen Verwandtschaftssystem ist (je nach Region und Dialekt) Kom, BerQebîleTîra, Bavik oder Taifa, der Clan. Verschiedene Tîras bilden schließlich eine Eşîr(et), einen Stamm, über den sich die Kurden jahrhunderte lang fast ausschließlich definierten. Einige Stämme gingen vor allem aus machtpolitischen Gründen einen Bund ein und bildeten zusammen eine Konföderation, die Êl. Bei Bruinessen und Shalmani als "îl" übersetzt, und der letztere zitiert W. Rudolph: "Für dasjenige, was man als `Stamm` bezeichnen kann, benutzen die iranischen Kurden entweder das aus dem Türkischen stammende Wort `îl` oder das aus dem Arabischen stammende Wort `Aschiret´" (s. 80). In bestimmten Fällen können Êl und Eşîr tatsächlich Quasi-Synonyme sein, wenn es sich dabei um eine besonders große Eşîr handelt, die geographisch zerstreut ist, in einem nicht ethnisch-tribalen homogenen Gebiet lebt. Ein Beispiel hierfür wären die Sînemillî in Gurgum (Maras); die Sînemillî haben alle Charakteristika einer Êl, gelten aber aus dem obigen Gründen als Eşîr. 

Aber nicht nur die im Iranisch-Kurdistan lebenden Kurden benutzen das Wort êl, sondern auch die Kurden im nordöstlichen Kurdistan benutzen Êl im Sinne von einer Stammeskonföderation. Êl ist daher für die Kurden (z. Bsp. in Armenien, Westaserbaidschan oder im Kars, Erzurum etc.) nicht ein Stamm sondern eher eine aus vielen Stämmen bestehende Konföderation.

Das kurdische Wort Hoz/Xoz für einen Stamm wird lediglich in Soran und Lekistan in Gebrauch genommen. Und zwar heißt Xoz bei den Lek das Dorf, während Hoz in Germiyan, Baban und Soran für einen Stamm verwendet wird.

 

 


Quellen: siehe auch Aşîr(et), Tîre, Taifa, Großfamilie etc.. Martin van Bruinessen: Agha, Scheich und Staat . Berlin 2003. Habibi Shalmani, Taghi. Betrachtung über die ethnische Identität der iranischen Kurden. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, German, Hundt, Ethnography, Germany, Köln, 1985.


Êl, Esîr, Mal

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