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Allgemeine Geschichte: Beskan (Beziki, Paziki, Pazukan)
Geschrieben am Samstag, 15. März 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Die Beskan sind ein kurdischer Stamm, die in den heutigen Provinzen Urfa (Riha), Erzurum (Erzirum), Kars (Qêrs), Adiyaman (Semsûr), Tunceli (Dêrsim) und dem Iran beheimatet sind. Die Beskan sind hauptsächlich kurmancîsprachig und bekennen sich neben dem sunnitischen und schiitischen Islam auch zum Alevitentum.



Bei Izady (92; 85), der sie auch auf seiner Karte mit einbezogen hat, wird der Name als Beskan, aber auf der Karte als Pazukan, wiedergegeben, Mihemed Emîn Zekî Beg (Kurtdîroka Kurd û Kurdistan, Überstz. M. Cuma S 417), nennt diesen Stamm Bazokan. M. Kurdistanî (1972, Band II. S. 70 - 117) nennt sie Bezekan, während die modernen Namen dieses Stammes im Norden Beskan und in Süden (Urfa und Adiyaman) Bezikan, und im Iran nach wie vor Pazukan sind.

 

Ihrer Oralliteratur nach stammen die Beskan aus Rewan. Diese Annahme der kurdischen Stämme in Serhed ihren Ursprung in Rewan zu sehen, ist wohl ein Irrtum, denn die ältesten Quellen, wie zum Beispiel der deutsche Orientalist Blau (ZDMG 12:585ff) bestätigen, dass einige kurdische Stämme lediglich ihre Sommerquartiere in Rewan hatten. Doch ungeklärt ist auch, was man mit Rewan genau meint; denn es ist bekannt, dass die Kurden das ehemalige Gebiet "Kurdistan a Sor" als Rewanshîr betrachten. Hier entsteht die Frage, ob man mit Rewan vielleicht auch Rewanshîr meinen könnte.

 

Ein wesentlicher Teil der Beskan ist auch zu Beginn des 19. Jh. nach Urfa und Semsûr ausgewandert. Die Siedlungsgebiete der Beskan in Urfa und Semsûr liegen in der Ebene zwischen Halfeti und Bozova, welche den lokalen Namen Deşta Bezikan ("die Beskan-Ebene") trägt, sowie in Hilvan und dem Landkreis Besnî in Semsûr, welcher ebenfalls nach diesem Stamm benannt worden ist. Die Beskan bilden dort sogar eine kleine Konföderation, die aus den Stämmen Kejan, Reşi, Türkmen, Şabiki, Xartavi, Açari und Kavi besteht.

 

In Dêrsim dagegen ist der Name Beskan ebenso in den oben erwähnten Alternativformen gänzlich verschwunden. Seyfi Cengiz, ein kurdischer Forscher aus Dêrsim, bestätigt ebenfalls, dass die Beskan bis vor kurzem in Dêrsim existent waren. Wahrscheinlich gilt dies auch für die heutige Zeit, jedoch wurden sie wohl von anderen Stämmen aufgesogen. Zeugnis hierfür ist lediglich ein Dorf, welches den Namen Pazokî trägt. Auch in Mittelanatolien begegnet man Stammesangehörigen dieser einst wohl mächtigsten Konföderation der Kurden im Gebiet von Serhed.

 

Wie bereits erwähnt, ist ein Teil der Beskan von den Safaviden in den Iran verpflanzt worden. Bevor die Beskan wahrscheinlich im 16.-17. Jh. in den dorthin auswandern mussten, gehörte dieser Stamm mit seinen Unterzweigen "Xalidbeylu" und "Şekerbeylu", zu den einflussreichsten Stämmen der Region zwischen dem Wan-See, Kixî und Erzirum. Die Abwanderung der Beskan in den Iran fand während der Nadir Shah Ära statt. Heute bewohnen sie einen Vorort von Teheran, welcher Varamin heißt. Es gibt aber auch Beskan Enklaven in den Elbruz-Bergen. Sie scheinen immer noch eine emotionale Bindung zu ihrer ursprünglichen Heimat zu haben. So besagt eines ihrer Lieder:

 

Çîyayên ser me Erzirumê

 We cengel û gul û tove

 De salin ez we pê çûme...

 

 Die Berge von Erzurum sind über uns

 Sind voll mit Saat und Blumen

 zehn Jahren war ich nicht mehr dort

 

 

 Geschichte

 

 Das Sherefname beschreibt die Geschichte der Beskan während der osmanisch-safavidischen Rivalität ziemlich detailliert; Der Stamm Beskan (Pazokî) soll aus dem Stamm Siwêdî hevorgegangen sein. So will es Sheref (Scherefname: 328ff.) wissen. Nach der Schlacht von Tschaldiran, nahmen die Siwêdî, den Beskan viele ihrer Lehngüter weg und vertrieben sie aus Tschebechur (Bingöl). Daraufhin wurden die Beskan von den Qezelbash´ s in Eleschkurd (Elesgir) angesiedelt, Kilitsch Beg wurde zum Anführer der Beskan ernannt, und erhielt die Burg Zagam (bei Tiflis), wo die Pazukî zu einem großen Stamm heranwuchsen. Sheref merkt an, dass die Beskan keiner bestimmten Religion angehörten, doch zählt er sie zu den Kurden zweiten Grades (so Minorsky, der diese Ansicht vertritt, dass Sheref die Goran-Gruppe der Kurden als Kurden zweiten Grades betrachtet hat), weil sie damals sich mehr den Persern verbunden fühlten, denn immer wieder suchten die Beskan Schutz bei den safavidischen Shah’ s.

 

Als treu Verbündete der Safaviden übernahmen die Beskan/Pazuki, bei der Verbreitung des Schiitismus und Alevismus unter den Kurden eine wichtige Rolle. In der frühen Entstehungsphase des Schiitismus, bereits in der ersten Hälfte des 15. Jh. sind Pazukî oder die Çemîşgezekî (Melkîşî)eine der ersten Stämme, die während Uzun Hasans raschem Aufstieg zur neuen Glaubensrichtungen übergetreten waren und gaben somit den Ausschlag für zwei neue Religionen innerhalb des kurdischen Volkes. Sie wurden schnell in den neuen Religionen integriert, wobei sie wahrscheinlich schon vorher Beziehungen zu turkmenischen Stämmen hatten. Vermutlich zogen die erwähnten turkmenischen Dynastien die kurdischen Stämmen immer wieder in ihre politischen und religiösen Kämpfe mit ein, was auch Minorsky bestätig: „Die Dynastien Qaraqoyunlu und Aqqoyunlu [...] zogen die kurdischen Stämme in die politischen und religiösen Kämpfe" (Minorsky; KURDEN IN E.I).

 

Dies wird wiederum von Sheref Khan mit äußerster Härte kritisiert. Er wirft diesen Stämmen vor, dass sie das ohnehin innerlich zerrissene kurdischen Volk mit der neuen Religion zutiefst gespalten haben. Auch wenn diese Stämme teilweise von ihm wegen ihrer Religion mit „Gottlose" beschimpft werden, so wird Hüseyin von Akhlat vom Pazukî Stamm, der von ihm als ein geheimer Wissenschaftler seiner Generation angesehen wurde, mit großem Respekt erwähnt.


Beskan (Beziki, Paziki, Pazukan)

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