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Freiheitskampf: Das Pogrom von Maras
Geschrieben am Sonntag, 09. Februar 2014 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf

Alles begann am 19. Dezember 1978 als in einem Maras'er Kino, in dem gerade der Film " Wann ist Sonnenaufgang ? " gezeigt wurde, der pro-nationalistisches Gedankengut in sich trug. Auf das Kino wurde ein Bombenanschlag ausgeübt, der sofort den "Aleviten " in die Schuhe geschoben wurde, ohne dass es auch nur einen Anhalt hierfür gab. Noch bevor entsprechende polizeiliche Untersuchungen beginnen konnten, nahmen die traurigen Ereignisse ihren verheerenden Verlauf. Später trat der wahre Bombenattentäter zutage, der ein rechtsradikaler Parteifunktionär war. Seine " Bombe " hatte so eine geringe Sprengkraft, dass niemand zu Schaden gekommen war.

Die aufgepeitschte Stimmung in Maras erreichte seinen ersten Höhepunkt, als am 22.Dezember 1978 zwei als "Demokraten" bekannten Lehrern das letzte Geleit gegeben werden sollte. Der Leichnam wurde nicht in das Gotteshaus hineingelassen und die Freunde der Toten wurden von Rechtsradikalen angegriffen. Die bis in die Nacht andauernden Auseinandersetzungen hatten 2 Todesopfer und 50 Verletzte zur Folge. Als noch in dieser Nacht einige Mullahs die Aleviten als "Ursprung dieser heidnischen Gewaltaktionen " ausfindig machten, riefen sie zum " Heiligen Krieg " gegen die Aleviten auf. Darauf wurden die alevitschen Stadtviertel Haus für Haus durchsucht, die alevitischen Bewohner wurden aus den Häusern herausgezerrt und förmlich mit Äxten, Messern, Schusswaffen, ohne Rücksicht auf Frauen, Kinder und ältere Personen massakriert.....Die Tatsache, dass die Häuser Tage zuvor penibel markiert worden sind, verwirft eindeutig den Eindruck eines "unkontrollierten Volkswahns ".

Die 3 Tage und Nächte dauernden Aktionen wurden bewiesener Maßen von langer Hand systematisch vorbereitet.

Das Fazit dieses Pogroms nach "offiziellen Angaben" zwischen dem 22. und 25. Dezember 1978 war, dass es 111 Tote auf alevitscher Seite gab. Augenzeugen zufolge lag diese Zahl deutlich höher (etwa 1000).

Inwieweit das " zögerliche Verhalten " einiger Teile der lokalen Ordnungskräfte zur Eskalation beigetragen hatte, konnte nie geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass ohne die Aleviten unter den Polizeikräften und der Armee, die Zahl der Toten noch höher gewesen wäre. Aus den Fehlern haben sie gelernt. Denn die Anzahl der Aleviten in den Sicherheitskräften ist stark zurückgegangen... Weiterhin erwiesen sich die Gerichtsverhandlungen gegen die Rädelsführer als Fiasko. Einer der Hauptangeklagten sitzt heute noch als Abgeordneter einer rechtsradikalen Partei im türkischen Parlament. Während diese Personen sich vom Staatsapparat das Essen auf Silbertabletts liefern lassen, bleiben uns die zahlreichen Opfer und deren Hinterbliebenen.


Das Pogrom von Maras

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