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Freiheitskampf: Der Kocgiri-Aufstand
Geschrieben am Samstag, 07. Februar 2015 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf Firat S. schreibt:

Der in Istanbul gegründete „Kürt Teali Cemiyeti“ (teali = Aufschwung, Erhebung; cemiyet Gesellschaft, Partei) nahm sich 1918 die Befreiung Kurdistans als Ziel. Kurdistan sollte sofort von allen fremden Wehmächten befreit werden. Doch damals befanden sich die Türken in einem Krieg gegen die Russen, weswegen, einige Mitlieder forderten, darunter auch das Oberhaupt der Organisation Seyid Abdülkadir, dass man mit diesen Forderungen noch warten müsste und stattdessen die Türken in diesem Krieg gegen die Russen unterstützen solle.

Daraufhin kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Dêrsim-Kurden und dieser Organisation, die einen eigenen Staat oder zumindest die Autonomie anstrebten. Letztendlich wurde im Jahre 1920 unter der Führung alevitischer Kurden im Gebiet Dêrsim und Sivas ein Aufstand von dieser Organisation geplant. Der Aufstand wurde später mit dem Namen des Koçgiri-Stammes verknüpft, einer der bedeutendsten Stammes-Konföderation unter den alevitischen Kurden, die über Teile von Sivas, Tokat, Gümüşhan, Erzingan und Tunceli, einen Gebiet das von Kurden „Qoçgirî“ oder „Berbej“ genannt wird, verbreitet sind.

Anfang 1920 berief N. Dêrsimî in Kangal-Koçgiri eine Versammlung kurdischer Stämme ein, um in erster Linie ihre Ziele zu formulieren. Hierbei wurde geschworen, für ein unabhängiges Kurdistan bis zum Ende zu kämpfen. Jedoch herrschten Meinungsverschiedenheiten unter ihnen, einige wollten einen eigenen Staat, andere wiederum eine Autonomie und andere wiederum wollten sich mit der türkischen Regierung in Ankara einigen. Ankara nahm die Forderungen der Kurden nicht ernst und spielte auf Zeit. Kurdische Abgeordnete aus Ankara sollten die aufständischen Stämme dazu bewegen, den Aufstand zu beenden. An der Spitze der Aufständischen waren, unter anderem der legendäre kurdisch – alevitische Dichter Elîşêr Efendî, Elîşan Efendî, Heyder Beg und der noch damals junge Dr. Nurî Dêrsimî, der auch eine zentrale Rolle in diesem Aufstand spielte, ein Tierarzt und Sohn eines Stammesführers, der Şêx Hesenan in Zentraldêrsim. Er wurde kurz vor dem Aufstand verhaftet, daraufhin drohten die Kurden mit einem Marsch nach Sivas. Ankara gab nach und ließ Nurî Dêrsimî frei. Der Versuch der Türken Nurî Dêrsim und einige andere Stammesführer zu kaufen schlug fehl. Danach vereinten sich die Stammesführer in Dêrsim unter dem Ziel die "Autonomie" zu erhalten.

Der Aufstand begann im Juli 1920 und wurde nach bekannt werden des Friedensvertrages von Sevres, der den Kurden und Armeniern eigene Nationalstaaten zu, oder zumindest Autonomie, zusicherte, intensiver, was erst von den Türken verweigert, mit der Lausanner-Vertrag später endgültig hinfällig gemacht wurde.

Zunächst besorgten sie sich durch Überfälle auf Wachthäuser Munition. Im westlichen Dersim soll sich eine Einheit von 45.000 Männern befunden haben. Die Rebellion wurde angekündigt. Im ersten Ultimatum, das die Regierung in Ankara von den Stammesführern am 15. November 1920 erhielt, wurde die "Autonomie" und die Entlassung der kurdischen Gefangenen gefordert, die sich in Elaziz, Malatya, Sivas und Erzingan befanden, und unter anderem sollten die kurdischen Gebiete von kurdischen Beamten regiert und kurdisch als offizielle Sprache eingeführt werden. Die Kurden bildeten eine provisorische Regierung, und ab da weiteten sich die Kämpfe aus. Desweiteren sollten türkische Regierungsbeamte und Beauftragte aus Kurdistan entfernt und die Militärkräfte aus dem Gebiet Koçgiri zurückgezogen werden. Das zweite Ultimatum vom 25.November 1920, von den Stammesführern aus dem Dersim-Gebiet unterzeichnet, beinhaltete radikalere Forderungen. Sollte die Unabhängigkeit nicht gebilligt werden, müsste sie mittels Krieges erlangt werden.

Mangelnde Organisation und daraus resultierende Kommunikationsschwierigkeiten führten zum Misserfolg des Koçgiri-Aufstandes. Von vielen sunnitischen Kurden war der Aufstand als eine alevitische Rebellion verstanden und nicht mitgetragen worden. Viele andere Stammesführer hielten gegenüber Atatürk die Loyalität, um ihre eigene Autorität zu sichern. In seinen Briefen und Telegrammen an kurdische Stammes- und religiöse Autoritäten betonte Mustafa Kemal immer wieder die Brüderlichkeit zwischen Kurden und Türken.

Während und nach diesem Aufstand wurden die Kurden in der Region durch das türkische Militär und zivile Milizen regelrecht massakriert, es kam wieder wie immer zu Deportationen und Vertreibungen, wie auch bei den kurdischen Aufständen vor und nach diesem Aufstand.


Der Kocgiri-Aufstand

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