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Religion: Der Schlangen-Mythos in der Kurdischen Mythologie
Geschrieben am Donnerstag, 31. Mai 2012 von Baran Ruciyar

Religion Koparo schreibt:

Der Mythos mit der Schlange taucht sehr häufig in der kurdischen Mythologie auf. Einer der meist bekannten Mythen ist der Mythos von Sahmaran. Die Kreatur Sahmaran (Königen der Schlangen), die halb Mensch(Frau) und halb Schlange ist, gehört zum Fundament der kurdischen Mythologie.

Dieses Motiv macht deutlich das die kurdische Gesellschaft im antiken Zeitalter eine Matriarchale1 Gesellschaft war.

In vielen kurdischen Gebieten findet man bei Mädchen, die ihre Mitgift (Heiratsgut) vorbereiten, ein Bild von Sahmaran. Dieses gehört zum wichtigsten Merkmal der Mitgift. Das Bild wird ins Schlafzimmer des Paares gehängt, da es Fruchtbarkeit und Glück bringen soll.
Ein weiterer Mythos ist der Glaube daran, dass die Schlage die Unsterblichkeit in sich trägt, was mit der Häutung der Schlange assoziiert wird. Des Weiteren wird die sexuelle Hegemonie und die Arglistigkeit der Schlang im Mythos von Adam und Eva wieder deutlich.

Dass in der mesopotamischen Mythologie die Göttin Schlangen in ihren Händen tragen und dass ihre Haare sich in Schlangen verwandeln, proklamiert die sexuelle Verführung der Schlangen. Der Dualismus von Gut und Böse des Schlangenmythos’ zeigt uns einen täuschenden Reichtum. Auf der einen Seite wird die Schlange als ein böses Wesen publiziert, aber auf der anderen Seite wiederum als ein Gutes (s.o.).

Ein positives Urteil wird beim Schutzakt der Schlange im Himmelreich Aden(Eden) deutlich, wo die Schlange sich um den Erkenntnisbaum „wickelt“, um ihn zu schützen. Des Weiteren fehlt ein weiterer positiver Punkt, dass die Schlange die Unsterblichkeit in sich trägt(s.o).
In zahlreichen Mythen wird auch erzählt, dass die Schlange die Unsterblichkeit vom Menschen gestohlen hat, dies stellt wiederum die Schlange böse dar.

Der Mythos mit der Fruchtbarkeit existiert noch heute in Kurdistan. Es wird daran geglaubt, wenn man eine Außerdem besteht der Glaube, dass wenn die getötete Schlange ins Wasser geworfen wird und diese man nicht mehr rausholt, würde eine Sintflut wieder ausbrechen, so der Mythos. Deswegen werden heute in manchen Gebieten von Kurdistan die Schlange, gebunden an eine Schnur, ins Wasser geworfen; wenn der benötige Regen erbracht wurde, wird die Schlange wieder herausgeholt und beerdigt2.

Dass auch in den kurdischen Glaubensrichtungen der Schlangenmythos einen festen Platz hat, wird uns bei der Pilgerstadt Lales deutlich. Das Mausoleum von Seyh Addi, dass zur Pilgerzeit besucht wird, weist auf der rechten Hälfte des Mausoleum eine Schlange auf, die beim Eintritt des Mausoleums geküsst werden muss3. Dies macht deutlich, dass die Schlange auch im Yezidentum heilig ist.

Der Forscher Z. Basar schildert, dass wie im Ibrahim(Abrahm)-Mythos auch Schlangenteiche in Kurdistan existieren, die auch täglich besucht werden. Im Gebiet Erzurum/Ovacik in den Dörfern Karahalka und Bagbas, die zu der Tortum Gemeinde gehören, werden Schlangen-Zellen- ,  und in den zu Horasan und Kars gehörenden Dörfern Yilanli und Sosgert, werden Schlangen-Teiche, Quellen und Nischen besucht. Die Schlangen werden gefüttert, aber ein Kontakt mit ihnen wird vermieden. Es wird daran geglaubt, dass das Berühren der Schlangen Unglück bringt4. Jedoch glauben die Menschen daran, dass beim Besuch dieser Teiche und Nischen durch die Schlangen eine Heilung und Genesung gesendet wird.
Das Dualismus von Gut und Böse proklamiert sich wie schon oft geschildert erneut.

In der heutigen Zeit wird die Schlange im Bereich Medizin als Rosetten Symbol angewendet, dies macht deutlich, dass der Schlangenmythos noch heute existiert, wenn auch uns das nicht wirklich bewusst ist.
Außerdem gibt es in der kurdischen Sprache zahlreiche Schlangensprichwörter:

Mar qula xwe nas dike (Die Schlange kennt seine Löcher(Nische))

Mar neyarê mirov ê ( Die Schlange ist ein Feind des Menschen)

Mera lêqistî ji boçika wêris ditirse ( Der von einer Schlange gebissene Mann, hat Angst vom Tau des Schwanzes)

Marê kor(koremar), afsûne nagire ( Die blinde Schlange, hält kein Zauber)

Marê reş sipî nabe ( Die Dunkle Schlange, kann nicht Rein sein)

Mirov têkilî mara nebe, mar têkilî mirov nabin (Wenn der Mensch die Schlangen nicht berührt, wird dies von der Schlange nie getan)

Têjikê(çêlikê)maran, bê jehr nabin ( Die Jungen der Schlangen, können nicht ohne Gift sein)

Zarê şêrin, mar ji qulê derdixe ( Freundliche Worte bringen die Schlange von seinem Löcher heraus)

Ecela mar ku tê, di orta de dikşe(diçe) ( Wenn die Todesstunde der Schlange kommt, geht sie in mitten der Geschehnisse)

Jehra mara derman e (Das Gift der Schlange, ist ein Heilmittel)

Ji qilêra wî\wê mar vedirşe ( Von diesem Schmutz, übergibt sich die Schlange)

Mar bikşe jî, çêlmar wê pêrabin (Wenn die Schlange geht, dann folgen ihr ihre Jungen)

Mare, bê cîh û war e (Die Schlange ist es, die ohne Heim und Ort)

Mar mar e, dema ku mirov avê vedixwe, pê venade ( Eine Schlange bleibt eine Schlange, aber, wenn der Mensch Wasser trinkt, dann beisst sie nicht)5


1 Das Matriarchat (von lat. mater „Mutter“, und griech. arché „Beginn, Ursprung“, auch „Herrschaft“)
2 Burhan Oguz. Age.
Band 2 S. 579
3 L. Joseph Devil: worship, The sacred books and traditons of Yezidie, S. 19, 42, 165ff.
4 Z. Basar: Halk Hekimliginde ve tip tarihinde yilan Ank. S. 3, 26-30
5 Mustafa Borak: Kurdische Sprichwörter

 


Der Schlangen-Mythos in der Kurdischen Mythologie

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