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Gesellschaft: Der Zusammenhang zwischen den Lek und Shêx Bizinî
Geschrieben am Freitag, 30. Januar 2015 von Baran Ruciyar

Gesellschaft

Während in den Osmanischen Dokumenten die Shêx Bizinî als "Ekrad-i Lek" ("Lek-Kurden") betrachtet werden (Cevdet Türkay, Osmanlı’da Aşiret. Oymak ve Cemaatler) und sich selbst auch zum Teil als Lek verstehen (die Shêx Bizinî in Kerkûk, Hewlêr, und Adana und Osmaniye, welche heute nur noch türkisch sprechen, sollen sich nur als Lek oder die Älteren laut Yasar Kemal "Raubvögel" verstanden haben bzw. verstehen), zählt Prof. Dr. Izady die Shêx Bizinî in seinem Buch; "The Kurds" zu den kurmancîsprechenden Stämmen - und bezeichnet ihrn Dialekt, welchen er zum Kurmancî-Kurdischen zurechnet, als "Judikanî" (Izady; 1992). Wie er zur dieser Ansicht gekommen ist, erklärt er leider nicht - denn die Etymologie der Shêx Bizinî Sprache, zu der mir bisher nur eine einzige Studie von Mehmûd Lewendî (Bîrnebûn 5; Mehmûd Lewendî: Kurdî Shêx Bizinî) bekannt sind, führt uns unmittelbar zu dem an der Grenze von Luristan gesprochener Lekî.

Der Grund, warum er sie zu den Kurmancî-Stämmen zurechnen könnte, liegt in ihrer Religion begründet, da sie Sunniten sind. Nach seiner Hypothese waren/sind alle lekisprechenden Kurden Erben der altkurdischen Religion Yazdanismus (Niederlassung; yarsanismus). Bei den Shêx Bizinî dagegen verhält es sich ganz anders, sie sind ausnahmslos Sunniten (außer ein paar Dörfer in Cankiri, welche Aleviten sind), was eine bemerkenswerte Eigenschaft der kurmancîsprechende Kurden ist.  Die kurmancîsprechenden Kurden sind meist Sunniten, man geht sogar davon aus, dass Kurmancî sich erst durch den sunnitischen Islam in Kurdistan durchgesetzt hat. Schon früh in der Geschichte wanderten auch kurmancîsprechende sunnitische Stämme nach Lekistan und Luristan (siehe; Minorsky: Lak und Oskar Mann: Die Tâjîk-Mundarten der Provinz Fârs, Berlin 1909). Die Bacilan, welche heute in Lekistan, Luristan und Esfahan wohnen, haben ihren Kurmancî-Dialekt mit dem Lekî getauscht.
Die von Oskar Mann durchgeführten Studien über kurdische Dialektologie (-nicht Lekî) in Sholistan (Süd- oder Großluristan) verzeichnen auffällige Gemeinsamkeiten mit der Shêx Bizinî Sprache. (kurdische Dialekte in Sholistan; tikem, shêx bizinî; dikem; kmis; timirdim; sb; dimirdim), Dasselbe Phänomen findet sich auch bei den Sprachen, der in Zentralanatolien benachbarten Stämme des Shêx Bizinî, wie das Kurmancî in Konya:, zb. Kurmancî in Konya; tu chirtikî? ("was machst du?"), Auch sie benutzen das "ti" als  Präfix des Präsensstammes an Stelle von dem "di"- Präfix vom "Hoch"kurmanci, während die Lekîsprecher in Lekistan und Luristan das persische "me" oder "mi" in Gebrauch nehmen. Was man durchaus als Argument anführen kann ist, dass die Shêx Bizinî tatsächlich kurmancîsprachig waren und nach Lekistan auswanderten, wo sie von den Persern vertrieben wurden, weil sie der sunnitischen Glaubensrichtung angehörten. Allerdings ist diese These nicht weitreichend belegbar.

Die Etymologie einiger Şêx Bizinî-Wörter gibt tatsächlich Auskunft über ihre Abstammungsgegend. Manche Wörter haben bis heute ihre Ursprungsform aus Silaxûr und Kirmaşan bewahrt. Einige von ihnen können als Argument bezüglich der Şêx Bizinî Identität angewendet werden:

Das Wort „ban“ >Kurmancî/Kirmanckî: „ser“ (oben/über) ein persisches Wort, das auch im Lekî, was im Süden Kurdistans gesprochen wird, vorhanden ist.

Das Wort „Döt“ (das Mädchen) ist ebenfalls ein lurisches Wort, was auch im Leki (döt) und Kelhori (duet) gebräuchlich ist.

Außerdem kann man noch die Wörter, die nur in Nordkurdischen Dialekten vorkommen , anführen. Im Şêx Bizinî z. B. Lekî heißt sowohl „unten“ als auch „unter“ > „Jir“ im Şêx Bizinî dagegen unterscheidet es sich durch „unter“ > „bin“ und „unten“ > „Jîr“, was natürlich durch den Einfluss des Kurmancî Vernaculars zustande gekommen sein kann.

Weiterhin scheint das Kirmanckî ebenso Einfluss auf den Şêx Bizinkî Dialekt ausgeübt zu haben. z. B: das Wort „Pîya“ (Man) im Lekî ist durch „Merd“ von Kirmanckî ersetzt wurden, oder „Av“ durch „Aw“ aus Kirmanckî.

Auch eine Existenz (-zumindest Kontakt) der Shêx Bizinî in Dêrsim wird durch den Artikeln von Seyfî Cengiz über die Stämmen Dêrsims, bestätigt - denn er schreibt von einem Terminus "Cel" oder "khal", "gel" usw., wovon er annimmt, dass er sich von dem Namen Celalî (dementsprechend Zîlan) ableitet (siehe dazu; das Faktum Mil und Zil), was er für einige Stämme in Dêrsim als Oberbegriff verwendet wird. Die Shêx Bizinî in Erzingan, Bayburt und Erzurum verwenden ebenso den Namen "Cel" für sich, bzw. werden Cel genannt und gelten als Obergeschlecht unter den Shêx Bizinî, wobei sie großes Ansehen unter ihnen genießen.

Neben den angeführten Beispielen, die die Shêx Bizinî mit Lekistan in Verbindung bringen, gibt es noch weitere Indizien:
Unter den Shêx Bizinî sind noch weitere Eigenschaften der Lekîstämme zu finden, wie z.B. der Name einer ihrer Unterstämme; "Xewend" - fast alle Namen der Lekîstämme enden mit dem Suffix "wend" oder " an" z.Bsp. Osmanawend, Biranawend, Kakawend, Peyrewênd, Zend usw., oder, Dilfan (Mann; lekisprecherder Stamm, laut Izady sprechen sie Lurî) Tarhan, Zardalan. Auch der ursprüngliche Name der Shêx Bizinî lautet Shêx "Bozan", was der Name eines Ortes in Kirmashan ist, wovon man auch annimmt, dass die Shêx Bizinî ursprünglich vor dort vertrieben wurden.


Der Zusammenhang zwischen den Lek und Shêx Bizinî

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