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Freiheitskampf: Die Anfal-Operationen
Geschrieben am Sonntag, 12. August 2012 von rinret

Freiheitskampf

Anfal war der Name von verschiedenen Operationen im Irak unter Saddam Hussein, die in den Jahren 1988 und 1989 das Ziel hatten, die kurdische Bevölkerung im Norden und die schiitische Bevölkerung im Süden zu vernichten. Der Name Anfal kommt eigentlich aus einer Sure des Korans und bedeutet „legitime Beute“.

Mit Anfal wollte das Baath-Regime eine völlige Umstrukturierung des Landes bewirken, kurdische Dörfer sollte zerstört, die Landwirtschaft zu abhängigen Lagern umstrukturiert werden. Gründe für dieses Vorgehen waren vor allem die außenpolitischen Probleme des Iraks mit ihrem Nachbarn Iran und das Scheitern gegen die kurdischen Peshmerga auf irakisch-kurdischem Gebiet. Die kurdische Bevölkerung, die sich weiterhin weigerten dem Arabisierungsprozess des Baath-Regimes zu folgen, wurden nun als Staatsfeinde angesehen.

 

1987 führte der Irak eine Volkszählung durch, die zur Grundlage des Anfal-Operationsmusters werden sollte.

Nachdem totale Überwachung, Bespitzelung und Abhören der Telefonate kein Ergebnis brachten, griff das Baath-Regime zu anderen Maßnahmen – der Vernichtung der kurdischen Bevölkerung. Das Ergebnis war erschütternd: Beobachter der UNESCO schätzen die Opfer der Anfal-Operationen auf 180.000 während das irakische Regime die Opferzahl auf höchstens 100.000 festsetzte. Middle East Watch schätze die Opferzahl zwischen 50.000 bis 100.000; anzumerken bleibt, dass allein aus dem Stamm der Barzanis zwischen 5.000 bis 8.000 Mitglieder deportiert und ermordet wurden.

 

Während der Operationen wurden über 4.000 kurdische Dörfer zerstört und die Menschen durch Giftgas ermordet. Der Leiter der Operation, Ali Hasan al-Madjid, erteilte während der Kampagne den Befehl, alle Männer zwischen 15 und 70 Jahren hinzurichten, worüber exakt Buch geführt wurde.

 

Dabei sollte man auch wissen, dass der Irak erst durch zahlreiche ausländische Lieferanten, darunter auch Deutschland, erst diesen Giftgasvorrat aufbauen konnte. Eines der traurigsten Kapitel der Anfal-Operationen war das Massaker in Halabja, wo Tausende, vor allem Frauen und Kinder, umkamen.

 

 Offiziell beendet wurden die Anfal-Operationen am 6. September 1988, die eine Amnestieerklärung (sie richtete sich an alle Kurden innerhalb und außerhalb des Landes, dabei war J. Talabani ausgeschlossen) des Nationalen Kommandorates beinhaltete und im Radio verlesen wurde. Inoffiziell gingen jedoch die Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung weiter, die 1989 in der Errichtung einer sogenannen „Schutzzone“, 30km breit und 1200km lang, entlang der Grenzen zur Türkei und dem Iran endete. Daraufhin verloren Tausende ihre Existenzgrundlage und waren gezwungen in die angrenzenden Nachbarländer zu flüchten.

 

Am 23. Juni 2007 wurden die Verantwortlichen: Ali Hasan Al-Majid (ehm. Verteidigungsminister und Militärkommadeur), Sultan Hashim Ahmed al Jaburi (ehem. Verteidigungsminister), Hussein Rashid Muhammed (ehem. stellv. Einsatzleiter der Streitkräfte), Farhan Mutlak al Jaburi (ehem. Leiter des Nachrichtendienstes des Militärs im Ostirak) und Sabir Abd al Aziz al Duri (Direktor des Nachrichtendienstes des Militärs) zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.


Quelle:Karin Mlodoch, Dipl. Psych. (Der Beitrag entstand in Anlehnung eines Vortrages der Autorin gehalten am 08.06.03 auf der Jahrestagung der Deutschen Sektion von amnesty international.), http://www.hrw.org/reports/1993/iraqanfal/#Table%20of (letzter Besuch 21.03.2008)

 


Die Anfal-Operationen

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