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Allgemeine Geschichte: Die Fürsten der Gûran
Geschrieben am Samstag, 04. August 2012 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Sheref Khanê Bedlîse unterteilt die Kurden, in seinem Sherefname in vier Gruppen, die sich sprachlich und kulturell „geringfügig“ voneinander unterscheiden; die Kurmanc, die Kelhur, die Luren und die Goran.

Wobei der Name Goran sich im laufe der Geschichte in Gûran1 umgewandelt hat. Zusammen mit den Stämmen Çemîşgezek2 Lek, Pazukî, Zend, Zengene usw. bildeten sie die Gruppe der Gûran-Kurden in Safavidisch-Kurdistan.
Weiterhin erwähnt Sheref Khan drei kurdische Fürstentümer die aus dieser Gruppe  hervorgingen3:

Die Mîr´s des Sîyah Mansur-Stammes

Sheref erwähnt bloß die letzten zwei Mîr´s dieses Stammes. Der erste ist Xelîl Beg, welcher von Shah Tamasp zur Würde eines Clans befördert und zum Oberbefehlshaber sämtlicher iranischer Kurden mit der Lehnsherrschaft über die Gebiete Bahor, Zendschen, Zerrinkemer, Sultani und einige zwischen Aserbaidschan und Irak gelegene Distrikte ernannt wurde. Nach einpaar Jahren wurde Xelîl zum Khan erklärt, da er die wilden und unbändigen Scharen der Kurden nicht gehörig im Zaum zu halten wusste. Jedoch wurde Xelîl Khan von den Persern entmachtet und nach Khorasan vertrieben, wo er sich bis zum Tod seinem Stamm den Sîyah Mansurî bot.

Der andere war der Sohn des Fürsten Dewletyar, welcher nach dessen Tod von Shah Sultan Muhamed zum Khan erklärt, und als Grenzfeldherr gegen die osmanischen Befehlshaber in Aserbaidschan mit der Lehnsherrschaft über die Gebiete Keresb, Zendschen, Zerrinkemer u.a. ernannt wurde. Durch Hochmut und Ungehorsam und darauf zur offenen Empörung gegen den Shah getrieben, wusste er sich eine Zeit lang durch Waffenglück im Kampf gegen die persischen Truppen zu behaupten, wurde aber am Ende von Shah Abbas II. bezwungen und hingerichtet  (vgl. Barb, Heinrich A.: Geschichtliche Skizze der in der Chronik von Scheref behandelten 33 verschiedenen kurdischen Fürstengeschlechter, In: Sitz.Berichte der philosoph.-histor. Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, gesamter Jahresband 22, Wien 1856.)


Die Mîr´s der Çegenî

Von diesen nennt uns der Verfasser der Kurden-Chronik bloß seinen Zeitgenossen Budak Beg, welcher anfänglich am Hofe des Shahs Tamasp in der königlichen Leibgarde diente, und dann an die Spitze des durch längere Zeit ohne eigenen Mîr gebliebenen Stammes der Çegenî-Kurden in Khorasan gestellt wurde, wo er im Jahre 1592 von dem usbekischen Fürsten Abd-Olmumyn, welcher mit 30.000 Mann zur Eroberung der Festung Kutschan gekommen war, diesen tapferen Widerstand leistete, bis Shah Abbas II. mit einem Heere zur Hilfe herbeigeeilt war. Im Jahre 1597 hatte er noch den Titel „Emîr al-Omera“ (Oberbefehlshaber) und seine fünf Söhne waren mit den Titel eines Fürsten bekleidet (Avcı, Z.: Şerefxanê Bedlîsî, Şerefname, İstanbul, 2007).


Die Mîr´s des Zengene-Stammes

Über die Mîr´s des Zengene Stammes erfahren wir aus dem Sherefname, dass sie sich unter Shah Ismail I. zu hoher Macht emporgeschwungen hatten. In Folge blieben aber die Zengene ohne Anführer, da ein Teil von ihnen im Dienst anderer persischer Befehlshaber in Khorasan und Irak getreten war, während ein anderer Teil in die königliche Leibgarde aufgenommen wurde.



 


1 Über den Namen Gûran gibt es verschiedene Theorien, Minorsky brachte einige Argumente an, den Namen Gûran von Gavbarakan „Stierreiter“ oder "die mit Ochsen ziehen" ableiten zu können. Aber auch dass die Gûran-Konföderation religiös heterodox ist, hat einige Forscher dazu gebracht, ihren Namen von gebr, „Zaroastrier“ (Gebr-an} gewran} Gôran) abzuleiten. (vgl. M. Bruinessen: Agha Scheich und Staat, Berlin 2003).

2 zu erwähnen bleibt; dass die Çemîşgezek damals in nördlichem Kurdistan beheimatet waren, wahrscheinlich hat er sie (und auch Pazukî, Arapkirlu) zu der Gûran zugerechnet, weil diese damals zum Teil während der Schlacht von Caldiran nach Persien ausgewandert waren und teilweise auch dort lebten. 

3 Eigentlich vier. Siehe Fußnote2

 


Die Fürsten der Gûran

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