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Allgemeine Geschichte: Die Geschichte des Khanats (Fürstentum) von Bedlîs (Bitlis)
Geschrieben am Dienstag, 19. Juni 2012 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Bedlîs wird heute auch im türkischen Verwaltungswesen Bitlis genannt und war einst die Hauptstadt der kurdischen Dynastie von Bedlîs. Dieses von den Khan´s autonom verwaltete Fürstentum umfasste die Gebiete zwischen Xinûs, Xelat und Bedlîs und existierte bis 1849.

Die Fürsten erkannten laut Bruinessen keinerlei Übermacht des Sultans oder Şahs, wenn sie ihr Lehngut durchreisten, und sahen sich als alleinige Herrscher übers Fürstentum. Sie unterhielten auch Beziehungen zu anderen Fürstentümern sowie Sultanaten oder zu den Şah’s vom Iran.


Die Rojkî (Rûzagî)

Die Rojkî sollen ihren Namen von dem Ereignis erhalten haben, dass 24 Clans sich eines Tages (Rojekî) in dem Dorf Tab im Bezirk Xoyt (heute der Landkreis Modkî) versammelten und einem Bund schlossen, der sich später in zwei Teile spaltete; Bilbasî und Qewalisî. Şeref Khan (I, 316) zählt die 24 Clans der Rojkî/Rojkan auf:


Bilbasî:
Keleçêran
Xirbelan
Balkan
Xiyartan
Goran
Birêşan
Sekran
Karsî
Bêdoran (Bîdoran)
Belakurdan

Qewalîsî:
Zerduzan
Endakîyan
Pirtavan
Qewalîsî
Kurdikan
Suhreverdîyan
Kaşaxiyan
Xaldan
Istukan
Azîzan

Dann führt Şeref 5 weitere Stämme der Region Bedlîs als die ältesten Stämme der Region an:
Modkan
Qeysan
Zoqeysî
Zeydî

Xîzanî

Die Rojkî nahmen Bedlîs und Sasun dem georgischen König Tavit weg; sie riefen zwei Brüder aus Xelat herbei, der ein wurde zum Fürst von Bedlîs der andere von Hazû (Sasûn). Şeref beschreibt es folgend:


Die Fürsten von Bedlîs

Şeref erklärt es als eine ausgemachte Tatsache, die auch in mehreren historischen Werken angegeben sei, dass seine Dynastie aus dem Sassaniden-Hause abstamme. Unter dem Volk, sagt er, gelten die Fürsten von Bedlîs (Bitlis) als Nachkommen Anurschiwan´s; allein der wahre Sachverhalt sei der, dass Behwar, ein Sohn Dschmasb der Sohn des Firuz´, des 5. Sassaniden-Königs, ihr Stammvater sei. Behwar, welcher in Xelat (Ahlat) herrschte, hatte zwei Söhne, Zîyadîn und Îzzeddîn, welche beide von der Rojkî-Konföderation, und zwar der erste in Hazu und der andere in Bedlîs zu ihrem Oberhaupt erwählt wurden. Während eines Besuch bei Îzzeddîn bemächtigte sich Zîyaddîn der Festung seines Bruders durch einen listigen Anschlag, wobei ihm auch die Bevölkerung von Bedlîs half. Damit zwang er Îzzeddîn zum gegenseitigen Austausch der Gebiete. So wurde Zîyaddîn, der Gründer der Dynastie in Bedlîs, welche nach ihm auch den Namen der Zîyaddînan führt, während Îzzeddîn Gründer jener in Hazu wurde. Nach einer von Şeref berufenen sicheren Angabe waren es im Jahre 1597 bereits 760 Jahre, dass sich das Gebiet im Hause von Bedlîs befand, und 110 Jahre betrug die Machtunterbrechung, welche die Regierung seiner Ahnen zu erleiden hatten, 18 von diesen erklärt er, seien in den Geschichtsbüchern verzeichnet. Den Namen jenes Fürsten, welchem der Seldschucken-Atabeg Emaddîn ben Ak-Senkher die Herrschaft von Bedlîs entriss, konnte er in den Quellen, die ihm bei der Abfassung seiner Chronik vorlagen, nicht ermitteln.

Dies war der erste Angriff, welchem das Fürstentum Bedlîs ausgesetzt war. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts brach Imadeddîn nach Kurdistan und Dîyarbekir auf und eroberte Bedlîs, welches dann mehr als 40 Jahre unter der Seldschucken-Herrschaft blieb. 40 Jahre später wussten die Rojkî, die von Salehadîn ben Nureddîn im Kämpfe gegen die Ägypter erlittene Niederlage zu nützen, um den Atabeg aus ihrem Land zu vertreiben. Ein Rest der Seldschucken-Bevölkerung hätte sich noch in dem zur Zeit des Verfassers in Bedlîs wohnenden Stämmen der Seraçiyan erhalten, welcher Name nichts als der verdorbene Ausdruck für Seldschucken sei.
Eine zweite Erschütterung erlitt die Herrschaft der Fürsten von Bedlîs unter Ibrahim II. Durch den Turkmenen-Herrscher vom Aqqoyunlu (Weißen Hammel), Hasan Beg. Ibrahim II. wurde gefangengenommen und später noch Qom abgeführt, wo er zuletzt auf Befehl Yakub Beg´s, des Nachfolgers Hasan Beg´s, ermordet wurde. 29 Jahre herrschten die Turkmenen von Aqqoyunlu in Bedlîs, bis es endlich den rastlosen und anfangs von dem größten Missgeschicken begleiteten Bemühungen eines der edelsten und einflussreichsten Männer der Rojkî-Stammes, Mihamed Axa Kelhukî, gelang, einen von Ibrahim II. in Qom geborenen Sohn, Namens Şah Mihamed, im Jahre 1400 auf den Fürstenthron von Bedlîs wieder einzusetzen.
Eine dritte Unterbrechung, welche nur wenige Jahre andauerte, ergab sich unter Mîr Şeref, dem Großvater von Şeref Khan, welcher von Şah Ismail an seinem Hof entmachtet und mit mehreren anderen Kurdenfüsten gefangengenommen wurde, während Çapan Sultan Ustacelu den Auftrag erhielt, Bedlîs zu erobern, welches er auch im Jahre 1411 erfüllte. Mîr Şeref wurde zwar bald von den erwähnten Mihamed Axa durch eine List befreit, aber sein darauf unternommener Anschlag, sich des von den Qizilbaş besetzten Gebiets wieder zu bemächtigen, misslang. Erst sein Anschluss zusammen mit den anderen 20 kurdischen Fürsten an Sultan Selim II., welcher von Idirisê Bidlîsî und Mihamed Axa angeregt wurde, verhalf ihm in der Folge nach der Schlacht von Koçhîsar zur Wiedererlangung seiner Herrschaft.
Die vierte Unterbrechung erlebten die Fürsten während der S. Selîm II. Ära; Sultan Selîm II. wollte das Erblehen von Mîr Şemseddîn gegen das von Meledî (Malatya) austauschen. Şemseddîn musste Bedlîs verlassen, aber da er sich vor neuen Intrigen fürchtete, begab er sich zu Şah Tamasp, der ihn großmütig behandelte. Şemseddîn starb im Jahre 1557 in Persien.

Sein Sohn Şeref, der 1533 im Exil geboren war, wurde sorgfältig am Hofe erzogen; der Şah forderte ihn sogar auf, Malerei zu erlernen. Er er Verwaltete nacheinander mehrere persische Provinzen und wurde zum Häuptling aller Kurden in Persisch-Kurdistan ernannt. Nach der Thronbesteigung Ismails II. setzte sich Şeref Verdächtigungen aus und wurde nach Nachtschivan verwiesen. Von dort erreichte er Wan und wurde von Murad III. Mit Bitlis belehnt, zu dem im Jahre 1583 auch Mûş und Xinûs hinzukamen. Für den Zeitabschnitt von 1655 an hat Evlîya Çelebî eine ausführliche Beschreibung Bedlîs´s gegeben. Der letzte Fürst von Bedlîs, die inzwischen nicht mehr den Titel „Khan“ führten sondern „Beg“, da Khan nur dem Sultan vorbehalten war – Şeref Beg von Bedlîs war der letzte Fürst dieser Familie und wurde 1849 von den Türken abgesetzt (Lynch, Armenien II, 149). 


 


 

Quellen: Şerefname; Die türkische Übersetzung von M. E. Bozarslan. Enzyklopädie des Islam; KURDEN von Minorsky, Band II, S, 1224 – 1225. Heinrich Barb 1860: Geschichte der kurdischen Fürstenherrschaft in Bidlis. IN Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademien der Wissenschaft. Philosophische-historische Classe. Wien, 32. Bd., S. 145-247. Martin van Bruinessen:Agha, Scheich und Staat - Politik und Gesellschaft Kurdistans. Berlin 2003.

Die Geschichte des Khanats (Fürstentum) von Bedlîs (Bitlis)

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