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Allgemeine Geschichte: Die Schabak (Şebek)
Geschrieben am Freitag, 09. September 2016 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Schabak (kurd. Şebek), ein kurdischer Stamm im zentralen Kurdistan, in der Provinz Nênewa (Ninawa).



Der Name Schabak kommt vom arabischen Schabbaka was „sich verflechten" bedeutet. Schabaks sind eine von zwei schiitischen heterodoxen Gruppen in Irakisch-Kurdistan, sie tauchten vermutlich im 15.-16. Jahrhundert, nach dem Osmanisch-Safawidischen Rivalitäten als eindeutige ethnische Gruppierung in der Region Bahdinan auf. Sie teilen sich in drei große Stämme - Hariri, Mawsil, Gergeri - auf. Ihre wichtigsten Dörfer westlich von Mosul sind: Eski Kalak, Ali Rasch, Yangija, Khazna, Qahrawa und Talara, entlang des großen Zap-Flusses. Einen kleinen Teil findet man auch in der Stadt Mosul. Ihre Nachbarn sind kurdische Yeziden, deren Sheikhs sie einen hohen Respekt entgegenbringen, und sie besuchen auch die meisten ihrer Pilgerorte. Weiterhin wird die kleine Region, die Schabak genannt wird, ebenfalls von den Sarli, Bajalan, Arabern und auch wenigen muslimischen Kurden und Turkmenen bewohnt.

schabbak.jpg

Blau: Siedlunsgebiete der Schabak, Schwarz die der Sarli.

Bis vor kurzem haben sie eine vielbedeutende Position unter der Verschiedenartigkeit der Region gehabt, die aufgrund der Assimilationspolitik der irakischen Regierung in den 70iger Jahren auf die Schabbak nicht mehr vorhanden ist. Ihr Dialekt zeigt viele Gemeinsamkeiten mit dem Hawrami. Ihre Zahl wird auf 20.000 bis 100.000 Menschen geschätzt.

 

Religion

 

Über die Herkunft heterodoxer Gruppen in Kurdistan, wie die Aleviten (ku: Qizilbasch), Schabaks, Kakai, Sarli oder die Ehli-Haqq’s (Yarsan, Yaresan) ist nicht viel bekannt. Fachleute bezeichnen diese Gruppierungen als Suffis oder Tariqat, deren Riten und Formen aus islamischen und vorislamische Elementen bestehen. Es wurde bisher wiederholt versucht den Ursprung dieser heterodoxen Gruppierungen zu ergründen, so wird von vielen Wissenschaftlern behauptet, dass ihr Ursprung in der vorislamischer Zeit läge und deren Periode in der Zeit vor der osmanisch-safawidischer Dichtung zu suchen sei.

Ob die Shabaks ein Teil des Safawiden-Reiches waren, ist wie viele andere Fragen offen. Ihre Riten und Traditionen deuten auf einen gleichen Ursprung dieser heterodoxen Gruppen hin. Einige Schabbak behaupten, Nachfahren von Haci Bektasch zu sein, der eine besondere Rolle bei den Aleviten inne hat, und selbst ein Turkmene aus Turkistan war. Offen bleibt nach derzeitigem Forschungsstand ebenso, ob die Schabbak tatsächlich mit den Aleviten in Kontakt kamen. Ihre religiöses Buch Buyruq (Befehl) ist auf turkmenisch geschrieben und besitzt auch bei den Aleviten Geltung.

Van Bruinessen zum Beispiel bezeichnet die Schabaks direkt als Qizilbash (Aleviten?). Seine These begründet er auf der Grundlage, dass sie ein gemeinsames Buch mit den Aleviten haben. Wie bereits erwähnt, behaupten die Schabaks Nachkommen von Haci Bektas zu sein, doch interessant ist wiederum auch ihre Nähe zur yarsanischen Lehre. Sultan Sahak und andere Heilige der Yarsan werden ebenfalls von ihnen verehrt. So kann man bei den Schabbaks Elemente aller heterodoxen Gemeinden, die unter den Kurden existieren, wiederfinden. Ein weiteres interessantes Detail wäre, dass der Stamm der Zengene in Kerkuk, die in der religösen Hinsicht den Schabbaks zugerechnet werden, sich Qizilbash nennen.

Folgendes sei noch hervorzuheben: in religiöser Hinsicht, können die Shabak mit den Persern und Christen aber auch Yezidi in Verbindung gebracht werden. So lassen ihre Vorliebe zu den shiitischen Imamen, ihre Riten, die eine Art der Kommunion kennen und ihre synkretischen Tendenzen die Shabbak zu einem Bindeglied zwischen Yeziden und den extremen Schiiten werden. Außerdem sei erwähnt. dass bereits eine Urkunde, die aus den Kreisen der Ahl-e Haqq stammte, und von M. W. Ivanow in Khorasan gefunden wurde, den Malak-i Taus den großen Heiligen der Yezidi ansehen. Auch die Shabbak stehen den Ahl-e Haqq (Yarsan) sehr nah und sehen Sultan Sahak als den höchsten Heiligen an.

 

 

Geschichte

 

Es ist unklar, wann die Schabaks als eine ethno-religiöse Gruppe auftauchten, und was ihr ethnischer Hintergrund ist. Ebenso auch die Relation zwischen den Schabbak und den Bajalan, die in der Xoşar-Senke im Norden von Mosul leben, ist bisher ungeklärt geblieben. Der Engländer (Sykes: 1908: 456) verzeichnet 800 Bajalanî Familien in der Region Bahdînan im Jahre 1925, die eine „Mischsprache" ausm Arabischen und Kurdischen sprechen, so wie 500 sesshafte Schabbak Familien, die von ihre Nachbarn als „Halbtürken" betrachtet wurden (Sykes; 1908: 456). MacKenzie (1961) verwendet die zwei Namen praktisch synonym, oder Schabbak als Eigenbezeichnung und Bajalan als Bezeichnung fremder Völker für sie. Ohne Zweifel stehen sich die beiden Gruppen sprachlich ziemlich nah, aber es gibt einige ethnographische Gründe sie getrennt zu halten: Der Dialekt der Bajalani ist linguistisch durchaus nah an Schabbaki, aber nicht identisch. Die Bajalani sind im Stamm organisierte, heterodoxe Sunniten, während die religiöse Zuordnung der Schabbak umstritten ist. Zumindest sind sie keine Sunniten.  

Der größte Teil von dem Stamm Bajalanî lebt in Südkurdistan, in der Region Gûran, auch dort werden sie Bajalanî genannt. Der Name Schabbak dagegen findet in diversen Quellen verschiedene Auslegungen. Für die meisten Schabbaks selbst ist dieser der Name einer Gegend. Sie bezeichnen ihre Siedlungsgebiet als "Schabbak". Die Dialekte dieser Gruppen werden von den meisten als „echte Gorani" klassifiziert, die ihren Ursprung in jenem Gebiet haben könnte, in dem die Bajalanî heute zum größten Teil sesshaft sind. Ein weiterer Punkt ist, dass die Bajalanî in der Xoşar-Senke von der einheimischen Bevölkerung aufgrund ihrer geringen Zahl und Ähnlichkeit ihres Dialektes mit das Schabbakî, als ein Unterstamm der Schabbak betrachtet werden und somit als Schabbaks angesehen werden. Die Bajalanî im Norden von Mosul scheinen bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren Stammesmitglieder in Südens Kurdistans in Kontakt gewesen zu sein.

In den 70iger Jahren wurde von der irakischen Regierung eine Liste der Stämme gefertigt, worin auch die ethnische und religiöse Identität der Stämme gekennzeichnet ist. Ca. 20 Shabak-Dörfer wurden, weil sie sich als Kurden statt Araber bezeichneten, geleert und vertrieben. Bewohner folgender Dörfer wurden nach Kerkuk, und Arbil deportiert: Baderna, Bajarbo, Barzikta, Baskhra, Bazwiya, Gogceri , Kani Kerwan, Karkashan, Keberlin, Minara, Muftiye, Qahrawa, Shaikh Emir, Shaikh Sheley, Shawkuli, Muftiyeh, Tercileh, Teyrawa, Toba Ziyaret, Tobzawa, Xezne, Xrawa und Zara Khatun. Ein Shabaki schilderte folgendes zu diesem Fall: „die Regierung sagte, dass wir Araber sind, nicht Kurden sind. aber, wenn wir Araber sind, warum haben sie uns von unseren Häusern verbannt"

Die Türkei versuchen seit langem den Schabaks eine turkmenische Identität aufzuerlegen, wobei die dabei angewandten Methoden für den türkischen Staat sehr typisch ausfallen. So versorgten sie jene während der Embargozeit gegen den Irak in der Ära Saddam’s mit Lebensmitteln und wurden von ihnen auch in finanzieller Hinsicht unterstützt. Im Gegenzug erwarteten sie aber von den Schabaks sich als Turkmenen auszugeben, damit die Zahl der Turkmenen international in den Statistiken steigt. Ein Hauptgrund hierfür war, dass dann die Türkei ein Anrecht auf die Städte Mosul und Kirkuk aufgrund des hohen turkmenischen Bevölkerungsanteils in diesen Regionen hätte äußern können.

 

Natürlich war die Unterstützung nicht offiziell unternommen worden, sondern man bediente sich den im Irak ansässigen turkmenischen Organisationen, die der Türkei nahe stehen. Seit kurzem existiert eine Organisation „Schabbak national Community", die im Jahre 2005 in Mosul eine kleine Demonstration organisierte. An dieser Kundgebung nahmen 50 Leute teil und riefen: „We are not Kurds, not Arabs, we are The Shabbak Nation (Wir sind kein Araber oder Kurden, wir sind die Schabaknation)"

shabak-demo.jpg

Kurdische Peshmerges feuerten auf die Gruppe und verletzen 5 Leute. Die turkmenische Front sprach von 5 Turkmenen, die in Mosul verletzt worden sind. Selbst der türkische TV-Sender TGRT berichtete live aus Mosul über diesen Vorfall und bezeichnete die Shabak als Turkmenen.  Nicht nur Turkmenen auch die christlichen Gruppierungen im Nordirak versuchen die Schabbak gegen die Kurden auszuspielen, um sie von den Kurden ethnisch zu spalten. Die Schabak sind heute im Irak und im kurdischen Autonomiegebiet als ethnische Minderheit anerkannt. 

 

Zeittafel

  • 17. Jahrhundert: Wahrscheinliche immigrierten die Shabaks von Ostkurdistan über Kerkuk und Tel´afer in die Nineveh Ebene von Mesopotamien
  • 19. Jahrhundert: Etwas 2 000 Shabak-Familien werden von den Osmanen in der Provinz Mosul registriert
  • 1952: Die Shabaks werden als eindeutige ethnische Gruppe erkannt
  • 80er Jahren: Ungefähr 22 Dörfer, 3000 Familien werden von der irakischen Regierung nach Arbil und Kerkuk vertrieben, weil sie sich als „Kurden" bezeichnen
  • 2003: Kurdische Truppen greifen Wohngebiete von Shabbaks an und bezeichnen sie als „Shabak-Kurden" daraufhin kommt es zu bewaffnete Zusammenstöße
  • 2005: Shabbaks demonstrieren in Mosul, wollen als eigenständiges Volk bzw. Minderheit anerkannt werden
  • 2006: Shabaks werden im Irak als ethnische und religiöse Minderheit anerkannt
  • Januar 2007: Hunderte von Shabaks demonstrieren mit der Forderung sofortiger Anschließung ihrer Siedlungsgebiete an das Kurdische Autonomie Gebiet, vor dem Parlament der kurdischen Regionalregierung

 

Sprache

Die Sprache der Schabaks wird dem Bajalani-Dialekt des Hewrami zugerechnet. Doch der turkmenische Einfluss auf die Sprache der Bajalani ist ziemlich geringfügig, im Gegensatz zu dem der Schabaks. Fakt ist, dass auch wenn die wissenschaftlichen Thesen diesen beiden Gruppen unterschiedliche Herkunft zusprechen, sie doch die gleiche Sprache, abgesehen weniger Akzente, sprechen Viele neigen dazu ihren Ursprung bei den Gûran  zu sehen bzw. mit sie mit der  Gûran-Konföderation in Verbindung zu bringen. Der Dialekt der Shabaki, welcher auch dem Kirmancki bekannt als Zazaki ähnelt, wurde von Prof. Dr. Izady zum Kirmancki zugerechnet, während alle andere Wissenschaftler die sich bisher mit Schabbaki beschäftigten, ihren Dialekt dem Hawrami zurechneten. Um es genauer anzugehen folgen nun einige Vergleiche zwischen Schabaki, kurdischen Vernaculars und kurdisch nahestehenden Sprachen, das auch die Verhältnisse von Shabaki zu Hawrami klar darstellt 

 

Shabak

Hawrami

Sorani

Kirmancki

Kurmanci

Deutsch

îkye

yuê

yek

ju, yew

yek

eins

duye

du

di

du

zwei

se

yere/se

se

hire

se

drei

çwar

çwar

çwar

çar

çar

vier

penc

penc

penc

ponc

penc

fünf

shesh

shesh

shesh

shesh

shesh

sechs

haft

heft

heft

hewt

haft

sieben

de

de

de

des

de

zehn

çerme

çerme

spî

spî

spî

weis

saûs

saws

kesk

kesk

kesk

grün

qermez

sûr

sur

sur

sor

rot

xîn

winî

xwîn

gon, wîn

xwîn

Blut

emin

amen, min

min

ez

ez

ich

tû/etu

to

to

ti, tu

ti, tu

du

ew/îne

ew

ew

o

ew

er

ême

ema, eme

eme

ma

em

wir

shima

shima/shema

êwe

shima, sima

hûn

ihr

zilamê

piya

piya

merd

mer, zilam,pêya

Mann

he

vet/ve

xo

xo, ho

xwe

selbst

 

 


Quellen: Martin Van Bruinessen; Aga, Seyh ve Devlet, Çeviren: Sabiha Banu Yalkut, Istanbul 2003. MM Leezenberg 1993 Gorani Influence on Central Kurdish: Substratum or Prestige Borrowing'.? ILLC Prepublication Series, X-93-03. D.N. MacKenzie 1961 Kurdish Dialect Studies L London: Oxford University Press D.N. MacKenzie 1966 The Dialect of Awroman (Hawraman-i Luhon). Kopenhagen. J. Blau 1989 Gurani et Zaza. In R. Schmitt (ed.) 1989 Compendium Linguarum Iranicarum. Martin van Bruinessen, Islam des Kurdes (Les Annales de l'Autre Islam, No.5). Paris: INALCO, 1998, pp. 13-35. Abd al-Hamid al-Sarraf, Al-Shabak min firaq al-ghulât fî'l-`Irâq (Baghdad: Matba`at al-Ma`arif, 1954); cf. van Bruinessen, "The Shabak, a Kizilbash community in Iraqi Kurdistan", Les Annales de l'Autre Islam 5 (1998), 185-196, Übersetzung ins Kirmanckî durch M.Cem, IN: Vate 10.  Dr. Michiel Leezenberg, The Shabak and the Kakais: Dynamics of Ethnicity in Iraqi Kurdistan, ILLC - Department of Humanities, University of Amsterdam. Minorsky, Shabak IN: E.I.1. Shabak, in: Encyclopeadia of the Orient, URL: http://www.lexicorient.com/ Demonstration der Shabak, URL: http://www.aina.org/  (letzter Besuch: 21/2/07). Shabak Kurden demonstrieren in Hewlêr, URL:  http://www.firatnews.com/ (letzter Besuch: 02.01.2008).

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Schabak (Şebek)

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