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Organe: Ferhat Tepe
Geschrieben am Sonntag, 02. Januar 2011 von Baran Ruciyar

Organe

Ferhat Tepe war ein junger Mitarbeiter der pro-kurdischen Zeitung Özgür Gündem. Er wurde 1993, im Alter von 18 Jahren zum Opfer „unbekannter Täter“.



Ferhat Tepe wurde 1974 in Bidlîs, das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz in Nordkurdistan, geboren. Seine Familie kam ursprünglich aus Motikan, einem Landkreis der genannten Provinz1. Sein Vater Ishak Tepe war lange Zeit als Müfti in Bidlîs tätig, bevor er in die Politik ging, und später das Amt des Provinzvorsitzenden der DEP bekleiden sollte. Nach seinem Lycée-Besuch arbeitete F. Tepe mit 18 Jahren als Korrespondent in Bidlîs für die pro-kurdische Tageszeitung Özgür Gündem. Aufgrund seiner Arbeit bei Ö. Gündem bekam er ständige Drohanrufe von einer angeblichen >Osmanisch-Türkischen Racheeinheit<. Am 28. Juli 1993, gegen 19 Uhr wurde er in Bidlîs von vier bewaffneten Männern, von denen einer ein Walkie-Talkie benutzte, gekidnappt2. Offenbar gibt es Augenzeugen, die gesehen haben, wie Ferhat Tepe in ein Auto gezerrt wurde3. Trotz mehrerer Beweise, die auf die Kontraguerilla4 als Entführer hindeuteten, versuchten die Behörden dies lange zu verhüllen5. Zudem hatten die Kidnapper einen Tag nach der Entführung den Vater von F. Tepe angerufen, und im Namen der >Osmanisch-Türkischen Racheeinheit< einige Forderungen gestellt: „Wir werden euch zeigen, was der Verlust eines Kindes bedeutet. Die PKK ermordet türkische Kinder. Beschwert euch nicht beim Staat. Wir verlangen, dass ihr das Parteibüro der DEP in Bidlîs schließt, und eine Milliarde Türkische Lira Lösegeld zahlt!“ schilderte der Anrufer am Telefon6. Auch wenn man mit Protestaktionen wie z.B. Hungerstreik und vielen Gesprächen versuchte, F. Tepe aus den Händen der Kidnapper zu befreien, wurde der Vater am 3.8. 1993 per Anruf aufgefordert, das Lösegeld an einen bestimmten Ort zu bringen. Der Vater fuhr zwar dorthin, aber nichts passierte. Ein Zeuge, der anfänglich noch zu leugnen versuchte, F. Tepe in den Folterzentren der Gendarmerie-Sicherheitsdienst (JITEM) gesehen zu haben, bestätigte erst nach 13 Jahren, dass er F. Tepe in einem üblen Zustand in den Folterzentren bei Hazro gesehen hatte7. Am 6. August 1993 ging ein Anruf bei der Zeitung Özgür Gündem ein8, der die >Hinrichtung< des Korrespondenten Ferhat Tepe mitteilte9.“ Nach zwei Tagen wurde der Vater von Ferhat Tepe, Ishak Tepe, zum dritten Mal angerufen: „Die Leiche deines Sohnes liegt im Leichenhaus von Elazig, er ist im Hazar-See ertrunken.“ Als der Vater seinen Sohn identifizierte, stellte er Schlagspuren am ganzen Körper und am Hals fest10. Nach seinem Sohn Ferhat Tepe und seinem Neffen Sayfettin Tepe (Journalist - auch ermordet) war nun auch der Vater Ishak Tepe in Gefahr, von der Kontraguerilla gefoltert und ermordet zu werden11 und flüchtete mit seiner Familie nach Istanbul.  


 

 

1Interview mit dem Vater Ishak Tepe (Türkisch), in: Serbestî Dergisi, 21, Yaz-2005.

 

2Rudolf Bürgel, Eric Reginald Lubbock Avebury: Die deutsche Türkeipolitik und ihre Auswirkungen auf Kurdistan, GNN-Verlag, 1997, s. 208.

 

3Nadir.Org: Die Verschwundenen, abgerufen am 13.12.08

 

4Zu den Machenschaften der Kontraguerilla, siehe die grobe Analyse von der TAYAD: <TERRORBERICHT 1980 – 2000>, abgerufen am 12.12.08

 

5Das Corpus delicti der Entführer war das Kfz-Kennzeichen: 65 AD 095 jenes Autos mit dem F. Tepe gekidnappt wurden war. Vgl. Consejo de Europa Comisión Europea de Derechos Humanos: Decisions and Reports, 1996, s. 91 ff.

 

6Vgl. Fn3.

 

7Özgürhaber.com: Ferhat su borusuna..., abgerufen am 12.12.08

 

8Wörtlich soll der Anrufer gesagt habeb: „Heute wurde Ferhat Tepe in der Nähe von Genc in Bingöl hingerichtet.“ vgl. Fn4 und 3.

 

9>Wir wissen, wer die Mörder sind<, in: junge Welt von 17.06.1998

 

10Vgl. Fn 3.

 

11Frankfurter Rundschau von 26.02. 1996


Ferhat Tepe

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