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Literatur/Sprache: Goran
Geschrieben am Sonntag, 28. September 2008 von Baran Ruciyar

Literatur

Goran, mit richtigem Namen Abdullah Suleyman Beg, ein kurdischer Dichter. Ohnehin der wichtigste Sorani-Dichter des 20. Jahrhunderts, der sich den Künstlernamen Goran1 gab.



 

Geboren wurde Goran 1905 in Ḥalebçe, in Irakisch-Kurdistan. Die Grundschulausbildung absolvierte er an den lokalen Schulen und ging anschließend nach Kerkûk, wo er die pädagogische Fakultät besuchte. Danach studierte er in seiner Heimatstadt eingehend die neue türkische und westliche Literatur2. Bereits in jungen Jahren seiner Karriere widmete er sich insbesondere der Bildung einer einzelnen kurdischen Literatursprache durch ein Mischen der zwei Hauptdialekte-Soranî, im südlichen irakischen und iranischen Kurdistan, das er selbst benutzte und Kurmancî, das in Türkisch- und in Irakisch-Kurdistan gesprochen wird. Er war auch ein erfahrener Übersetzer von Prosa und Poesie aus dem Englischen, Französischen, Persischen und Türkischen ins Kurdische, jedoch wurden seine eigenen Arbeit übersetzt nur selten übersetzt. In den frühen 50igern gab er mit einigen weiteren kurdischen Intellektuellen die wöchentliche Zeitschrift „Jîn“ (das Leben) in Silêmanî heraus, die sich später zur Stimme der sozial benachteiligten kurdischen Bevölkerung entwickelte3. Ende der 1930iger Jahre begann Goran neue freie Formen in die kurdische Dichtung einzuführen. Er leistete fundamentale Beiträge zur kurdischen Literatur im Soranî-Dialekt, indem er die Traditionen der klassischen Volksverse mit dem Geist und den Techniken der zeitgenössischen Lyrik kombinierte, stattete er die kurdische Poesie mit neuen Formen und einem variierten Thema aus. Die dominierenden Themen in Goran's-Poesie sind sein Ideal der Freiheit, seine Liebe für Kurdistan, Frauen und Natur. Die soziale Kompetenz von Goran spiegelt sich jedes Mal in seinen Gedichten wider. Als erster Kurde überhaupt dokumentierte er seine Reise nach Hewraman, Geşt le Hewraman Reise in Hewraman. Darin beschreibt er die einzigartige Landschaft Hewramans in einem romantischen Still. Seine Weise Schilderung der Natur ist innerhalb der kurdischen Literatur einzigartig4. Auch durch andere Aspekte deckt Goran eine Vertrautheit mit den führenden europäischen modernen Dichtern auf. Goran lief drei verschiedene Epochen in seiner literarischen Karriere durch. Dieses ist im Inhalt und in der Form seiner Poesie offensichtlich. Zuerst lief er einen klassischen Epoche durch, die den Schritten seiner Vorgänger folgt. Dann wandte er in einem romantischen Stil zu, in dem Frauen und Natur die dominierenden Themen waren. Er begann, traditionelle Muster von Poesie umzuwandeln. Charakteristisch sieht Goran häufig die Frau in der Natur und die Natur in der Frau wie in dem Gedicht Schönheit der Frau, wo er über die Schönheit der Natur spricht und zur Liebe einer Frau übergeht.

 Bilên be yar, bilên be yar, yarî nazdar,

Sed hezar car xozgem be par, minî bejar!


Sagt meiner Freundin, sagt meiner Freundin, meiner geliebte Freundin,

Hunderttausende Male bedauere ich das vergangene Jahr ich Armer!


Xozgem be par!

Xozgem be salî raburdû,

Umrî kurtî dildarim bû,

le pir hat û le nakaw chû.


Ich bedauere das letzte Jahr,

Das kurze Leben meiner Liebe,

schnell gekommen und plötzlich verschwunden.

Mit 40 nahm sich Goran den freien Versen als Mittel des Ausdrucks seiner politischen Verpflichtung zu seinem Volk im Kampf für die Freiheit an. Während der letzten Jahre seines Lebens jedoch beobachtet man, wie eine nach und nach stärkere politische Tendenz am Ende die ästhetischen Aspekte von Goran überschattet und schwächt5.

Goran starb am 18. November 1962 in Silêmanî, Zentralkurdistan. Er hinterließ einige Werke, u.a. ein Diwan der Nachwelt6.

 

 


1
Das Wort Goran hat mehrere Bedeutungen, einerseits ist es eine Bezeichnung für einen Bauer bzw. einen Kurden aus der Unterschicht, anderseits erinnert es auch an das Wort „Goranî“ („Lied“). Vgl. Tanja Duncker,: Einblicke in die Kurdische Literatur IN: Kurdistan und Europa – Einblicke in die kurdische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Hg. Hans-Lukas Kieser Zürich: Chronos, 1997 S. 35 ff.

2Dies soll er in einem Selbststudium durchgeführt haben. Vgl. Keith Hitchins: Gorān, in: EncIr.

3Hassanpour, Amir, The Reproduction of Patriarchy in the Kurdish Language, University of Toronto

4Shakely, Farhad: Goran, in: International Journal of Kurdish Studies, Jan. 2005.

5Shakely, Farhad: Classic and Modern Kurdish Poetry, (Initiative for Human Rights in Kurdistan. Documentation of the International Conference on Human Rights in Kurdistan: 14-16 April 1989 . Bremen, Germany, 1989, s. 49-59.) reprinted in Kerkûk Kurdistan e, 17:31, 2002.

6Behest u yādgār, 1950; Tanne-mēsk u hunar, 1950; tr. B. Amin, F. Shakely und L. Bäckström als Tarar och konst, Stockholm, 1986. Sirušt u derun, 1968. Helbižārda, Baghdad, 1953 (tr. von den englischen und französischen Kurzgeschichten). ʿA. Gorān, Liegesofa-e Gorān, Ed. M.M. Karim, Baghdad, 1980.


Goran

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