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Gesellschaft: Hatun Aynur Sürücü
Geschrieben am Mittwoch, 06. Februar 2013 von rinret

Diaspora

Hatun Aynur Sürücü, eine Deutsche kurdischer Herkunft, die am 7. Februar 2005 ein Opfer des Ehrenmordes wurde.

Hatun Sürücü wurde am 17. Januar 1982 in Berlin geboren. Ihre Eltern stammen aus der Provinz Erzurum und sind sunnitische Kurden. Neben Hatun existieren noch fünf Brüder und drei Schwestern. Hatun Sürücü besuchte in Kreuzberg die Grundschule und wechselte anschließend auf das  Robert-Koch-Gymnasium. Doch bereits in der achten Klasse meldete ihr Vater sie von der Schule ab, da ihre Ansichten mit denen ihrer Eltern nicht mehr übereinstimmten. Mit 16 entschied dann die Familie, Hatun mit ihrem in der Türkei lebenden Vetter zu verheiraten.

Auch mit der strenggläubigen Familie des Ehemannes kam Hatun nicht zurecht und entschied 1999 nach Deutschland zurückzukehren. In Berlin wurde dann auch ihr Sohn Can geboren. Noch im selben Jahr, Oktober 1999, zog Hatun, die sich unterdessen Aynur nannte, zusammen mit ihrem Sohn aus der elterlichen Wohnung aus und kam in einem Heim für minderjährige Mütter unter. Nun begann für Aynur ein Leben nach ihren Vorstellungen. Sie legte ihr Kopftuch ab und entschied sich nach Beendigung ihres Hauptschulabschlusses eine Lehre als Elektroinstallateurin zu machen. In dieser Zeit bezog sie mit ihrem Sohn eine eigene Wohnung in Berlin-Tempelhof. 2005 beendete Aynur Sürücü ihre Lehre erfolgreich mit Erlangung des Gesellenbriefes.

Noch während ihrer Lehre versuchte sie mit Hilfe psychologischer Betreuung eine erneute Beziehung zu ihrer Familie aufzubauen. Dieser Versuch endete jedoch in einem Desaster.  Die Familie konnte ihr die Trennung vom Ehemann und ihr nun geführtes selbstständiges Leben nicht verzeihen und beschlossen die Ehre der Familie durch einen sogenannten Ehrenmord wieder herzustellen. Am 14. Februar 2005 wurde Aynur Sürücü an der Bushaltestelle der Tempelhofer Oberlandstraße durch 3 Schüsse in den Kopf getötet.

Bereits im Juli desselben Jahres kam es zu der Gerichtsverhandlung. Auf der Anklagebank saßen 3 Brüder von Aynur, denen der Mord aus niedrigen Beweggründen und heimtückischer Vorgehensweise zu Last gelegt wurden. Am 13. April 2006 kam es zur Urteilsverkündung. Der jüngste Bruder Ayhan, der zuvor den Mord gestanden hatte, erhielt 9 Jahre Jugendhaft. Die älteren Brüder Alpaslan und Mutlu wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft legte sofort Revision ein, so dass es am 28. August 2007 in Leipzig zur Aufhebung des Urteils gegen die älteren Brüder kam und das Verfahren an das Berliner Landgericht zurückverwiesen wurde. Da sich beide Brüder in dieser Zeit in der Türkei aufhielten und sich der türkische Staat trotz internationalen Haftbefehls weigerte, die beiden Brüder auszuliefern, wurde 2008 das Verfahren eingestellt.

Die Tat an sich und auch die Gerichtsverhandlung rief in der deutschen Öffentlichkeit ein breites Interesse hervor, das sich bis zu einer gesellschaftlichen Debatte über Zwangsverheiratung und Ehrenmorde hinzog, an deren Diskussion sich auch deutsche Politiker und Migrantenselbsthilfeorganisationen beteiligte. 


 

Quellen: http://www.dieterwunderlich.de/Hatun_Surucu_ehrenmorde.htm (letzter Besuch am 10.07.09) kurdica/archiv: 1, 2, 3

Dokumentation der Ehrenmorde in Deutschland


Hatun Aynur Sürücü

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