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Kultur: Hurmet
Geschrieben am Samstag, 20. November 2010 von Baran Ruciyar

Gesellschaft

Hurmet, vom osmanisch-türkischen hürmet (Respekt), das vom Arabischen hurma (Unversehrtheit) hergeleitet wurde, bedeutet Achtung, Ehrerweisung, Respekt. Im Konkreten -  Ehrerweisung oder Ehrerbietung.

Das ethische Konzept von Hurmet beinhaltet das Gefühl der Hingabe an dasjenige, was man höher schätzt als sich selbst, sei es eine Person, wie eigene Eltern, Geschwister, Verwandte oder eine geistige Macht, wie Haushalt, Vaterland, Wissenschaft, Staat, Religion, Menschheit, Gottheit. Der Begriff ist durch unzählige ethische Prinzipien mit Namûs, Rûmet, Şeref und Hisyet verknöpft.

Hurmet und Harem (Heiligtum, aus dem Arabischen harîm) bilden die Gegenpole des Heiligen im Islam. Diese beide Begriffe figurieren den Körper und das Haus als individuell gestützte Räume, deren Annäherung nur mit Beabsichtigen des Anderen geschehen kann. So gesehen hat jeder Haushalt sein hurmet und harem. Die Familie ist das Harem eines Mannes, welches er zu beschützen hat. Er selbst ist für die Kurden das „rûmet“, eine kaum überhörbare Dissimilation des Hurmet, das im Kurdischen u.a. für Stolz, Würde und Ehre steht, des Hauses. Beide moralische Institutionen müssen daher mit äußerste Sensibilität vor möglichen Schandflecken gehütet werden. „Wer ohne Erlaubnis oder nicht korrekt eintritt, wer den Eigennamen einer Frau so laut ausruft, das Außenstehende ihn hören können, wer schamlos redet und ohne Erlaubnis hineinschaut, verletzt das hurmet des Hauses“ (Göle & Ammann; 90). Doch wenn der Haushalt des einen Geistlichen oder Scheich ist, tritt eine absolute moralische Ehrerweisung auf, die den Respekt zugleich Ehrfurcht vor diese Personen verkünden (hurmet kirin/kerdiş, wörtlich „machen“) soll. Vor einer in der Sozialhierarchie hochrangierten Person zeigt (hurmet rayedan) man ebenfalls Respekt.

Der Kernstück der traditionellen kurdischen Erziehung ist die Hochachtung der Eltern. Dies wird damit begründet, dass das Kind sein Leben den Eltern verdankt und von diesen während der ersten Lebensjahre genährt und gepflegt wird. Es ist eine weitausreichende Verpflichtung, die neben Gehorsamkeit und Respekt auch die Verpflichtung der Pflegung bzw. Unterstützung im Alter umfasst. Für die Jugendlichen sind diese Aspekte ausschlaggebend für die Respektierung seines Selbst oder seines familiäre Umfeldes: „Respekt/Achtung sind Werte, die in der Beziehung von Mensch zu Mensch zu befolgen sind. Respekt erweist man denjenigen Personen, die Anspruch darauf haben. Anspruch auf Respekt haben Autoritätspersonen wie Eltern, Großeltern oder Personen, die eine erzieherische Funktion haben (Lehrerinnen und Lehrer). Durch diese drei Werte (Ehre, soziales Ansehen und Respekt) werden die Handlungen des Einzelnen in der Gemeinschaft reguliert“ (vgl.Heidari).

Hurmet wird in letzter Zeit mit „Silav“ (Gruß) kombiniert und zunehmend in der kurdischen (kurmancî) Schriftsprache verwendet: Silav û Hurmet als Schlussformel in einem Brief, entspricht dem Deutschen „Hochachtungsvoll“ oder Gruß und Ehrerweisung. 


 

Quellen: Nilüfer Göle, Ludwig Ammann: Islam in Sicht: Der Auftritt von Muslimen im öffentlichen Raum, transcript Verlag, 2004. Dr. Mohammad Heidari: Migrationsarbeit und Islam als Sozialisationsfaktor, Referat für Multikulturelles der Bundesstadt Bonn, Bonn 2007. Werner Schiffauer: Die Bauern von Subay, Stuttgart 1987. Feryad Fazil Omar: Kurdisch-Deutsches Wörterbuch. Institut für Kurdische Studien, Berlin 1992/2005. Sevan Nişanyan: Etymologisches Wörterbuch des Türkischen (letzter Besuch: 01.10.08).

Hurmet

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