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Politik: Idris-i Bitlisi
Geschrieben am Montag, 29. September 2008 von Baran Ruciyar

Politik in Kurdistan Baran Ruciyar / Rinret schreibt:

Idris-i Bitlisi geboren 1452 in Diyarbakir; gestorben 1520. mit vollem Namen Mevlana Hakimuddin Idris-i Bitlisi war ein wichtiger osmanisch-kurdischer Schriftsteller, Diplomat und Politiker.

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Sein Vater Sheikh Hüsameddin war ein Schreiber am Hofe von Uzun Hasan, dem Aqqoyunluherrscher. Als Uzun Hasan 1469 seine Hauptstadt von Diyarbakir nach Täbriz verlegt, geht Hüsameddin mit seiner Familie mit. Von klein auf lernt Idris das Leben am Hof kennen und wird selber nach dem Tod Uzun Hasans 1478 der persönliche Schreiber des neuen Herrschers Sultan Yakup. Er begleitet Sultan Yakup bis zu dessen Tod im Jahre 1491. In dieser Zeit schrieb Idris das Risale-i Hüzzaniye, worin über Sultan Yakups Feldzüge nach Iran und Aserbaidschan berichtet wird. Idris hatte bis 1501 unter den Herrschern Sultan Rüstem und Alvand Bey hohe Ämter am Hofe inne.

Nachdem aber die Safawiden das Reich der Aqqoyunlu beseitigen, verlässt Idris Täbriz und gelangt via Mekka und Medine nach Istanbul. Dort trat er in den Dienst des osmanischen Sultans Beyazit II.. 1502 wird Idris vom Sultan damit beauftragt, die Geschichte des osmanischen Reiches niederzuschreiben. Idris schrieb daraufhin innerhalb von 13 Monaten sein wichtigstes Werk die Heşt Bihişt (Die acht Paradiese). Dieses Persischsprachige Werk beschrieb in acht Bänden und 8000 Versen über alle acht osmanischen Herrscher bis Sultan Beyazid II.. Ein ähnliches Werk über die osmanischen Sultane Selim und Süleyman dem Prächtigen war das osmanischsprachige Selimname, das Idris kurz vor seinem Tod 1520 vollendete. Diese Werke stellen noch heute wichtige Quellen für die Forscher an der osmanischen Historien dar.

Bitlisi verkörpert in den Augen vieler national denkender Kurden eine tragische und gleichzeitig verräterische Person innerhalb der kurdischen Historie. Mit Bitlisi´s sogenannten Verrat sind die Kurden erstmals mit ihrer tragischen Geschichte aus Verrat, Tod und Vertreibung konfrontiert worden.

 

Als es zum Krieg der Osmanen gegen die Safaviden in Caldiran kam, wurde Bitlisi beauftragt, die kurdischen Fürsten, die zuvor immer auf persischer Seite standen, für die Seite der Osmanen zu gewinnen. Um dies zu verwirklichen stellt der Sultan, Bitlisi reichlich Gold zu Verfügung, so dass er die kurdischen Fürsten mit dem Gold, was er vom Sultan bekommen hatte, kaufen konnte. Bitlisi’s Mission stand von vornherein auf günstigem Boden, da zum einen die kurdischen Fürsten, die er gewinnen wollte, die auch die Mehrheit in Kurdistan stellten, alle Sunniten waren, während Shah Ismail in Persien bei seinem Machtantritt die Zwölfer Shia als Staatsreligion ausrief. Außerdem ließ Shah Ismail bereits vorher einige kurdischen Fürsten entmachten und setzte seine eigenen Treuen an deren Stelle ein, was die übrigen kurdischen Fürsten mit großem Argwohn beobachteten.

 

Durch all diese Tatsachen war am Ende Idris-i Bitlisi bei seiner osmanischen Mission erfolgreich, und die kurdischen Fürsten zogen gemeinsam mit dem osmanischen Heer in die Schlacht. Die Schlacht begann jedoch bereits in Sivas, wo der Sultan bei Sivas an die 40.000 Aleviten niedermetzelte, welche türkische und kurdische Gruppen umfassen, um eventuelle Zusammenarbeit mit den Safaviden zu unterbinden. Die Hetze gegen die alevitischen Stämme setzte Idiris-i Bitlisi auch nach der Schlacht fort und säte immer wieder Argwohn unter den sunnitisch kurdischen Stämmen gegen die Aleviten.

Mit Bitlisi’s Mission standen die Kurden nun nicht nur während einer Schlacht unter osmanischer Herrschaft sondern mit der Besetzung Täbriz’ durch Sultan Selim erkannten die Fürsten auch die Oberherrschaft der Osmanen an, die sie 500 Jahre lang unter den Kurden behielten. Mit dem angenommenen Gold hatten die kurdischen Fürsten auch ihre indirekte Autonomie aufgegeben und zahlten von nun an eine  „unbenannte Steuer“ („adi konulmuyan vergi“) an die Osmanen, die durch Bitlisi eingenommen worden. Im Gegenzug wurden die kurdischen Fürsten zu erbliche Distriktstatthalter ernannt, was vorher eine militärische Position gewesen war und nicht erblich bedingt.


Quellen: C. Kartal: Der Rechtsstatus der Kurden im Osmanischen Reich und in der modernen Türkei. Hamburg, 2002. E.I.: Idiris-i Bitlisi. Bd. II, Brill 1913-36; S. Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches. München, 2000.


Idris-i Bitlisi

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