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Geographie/Demographie: Iranisch-Kurdistan im 20. Jh.
Geschrieben am Freitag, 21. November 2008 von Baran Ruciyar

Geographie Chronologische Darstellung kurdischer Freiheitsbewegung im Iran – Hauptartikel: Ost- und Südkurdistan.

Die Kurden im Persisch(Ost)-Kurdistan und in den anderen Region Persiens sind, seit dem Beginn des 19. Jh. ständigen Repressionen, Deportationen und Strafexpansionen ausgesetzt worden.
Die Kadjaren- und Pahlawi-Dynastie verfolgten eine besonders harte Unterdrückungspolitik gegen die kurdischen Bevölkerung, die teilweise auf starken Widerstand gestoßen ist. In den 30iger Jahren gab es immer wieder Aufstände. Die Folgen des Untergangs der Republik Mahabad sowie auch die der nicht eingehaltenen Autonomieversprechungen der Mullahs riefen Misstrauen und politische Verfolgungen einiger kurdischer Persönlichkeiten hervor. Dies führte zu einer Radikalisierung der Lage und rief viele Widersetzungen der Zentralgewalt in Teheran und Rebellionen hervor.
1907: Abkommen zwischen Russland und England über die Aufteilung der Interessenssphären in Persien: Nordpersien kommt unter russische, Südpersien unter englische Kontrolle. Die Mitte Persiens wird als gemeinsame Interessenszone definiert.
1910: Unruhen bei Lek-Stämmen in Luristan.
1914-1918: Während des Ersten Weltkrieges revoltieren die Bewohner der kurdischen Provinzen Gîlan und Urmiyê und erklären sich zu unabhängigen Teilstaaten.
1920: Beginn des Aufstandes von Simko, einem kurdischen Führer aus Ost-Kurdistan (Iran). Als sich aufgrund eines Abkommens die sowjetischen Truppen 1922 aus dem Gebiet zurückziehen, marschiert die persische Armee ein und zerschlägt den Aufstand. Die Truppen Simkos fliehen zu anderen Stämmen der Region.
Simko führt sechs Jahre später erneuert einen Aufstand an. 1930 wird Simko jedoch bei Verhandlungen mit Vertretern Teherans ermordet.
1921: Ende der Qadscharen Herrschaft in Iran. Reza Chan, der späteren Reza Schah Pahlawi (ab 1925), ergreift die Macht.
1921: Vertrag mit der Russischen Sowjetrepublik beinhaltet das Versprechen des Iran, Neutralität zu wahren. Die Russ. Sowjetrepublik verzichtet dafür auf alle Sonderrechte und Konzessionen auf iranischem Gebiet.
1925: Der Aufstand des Sheikh von Nehrî erreicht auch Ostkurdistan.
1925: Reza Schah Pahlewi, erblicher Schah von Persien, errichtet neu die Dynastie der Pahlewi. Er führt einige Reformen durch. Sein Versuch, einen Ausgleich zwischen Volk und Oberschicht zu erreichen, misslingt. Traditionelle Stammesstrukturen und kurdische Kleidung werden verboten.
1925: Hinrichtung des letzten Kurdenfürst in Khorasan.
1926: Erneuter Aufstand unter Simko.
1930: Simko wird bei Verhandlungen mit Vertretern Teherans ermordet.
1933: Ein Vertragsabschluß mit der britisch-persischen Ölgesellschaft über Nutzungsrechte schränkt die Fördergebiete ein und erhöht die Abgaben an die persische Zentralregierung.
1937: Vertrag von Saadabad. Friedensvertrag zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitischen Staaten Türkei, Irak, Afghanistan. Beinhaltet auch ein koordiniertes Vorgehen gegen die kurdischen Freiheitsbestrebungen
1939: Gründung der Partei „Freiheitsliebendes Kurdistan" (Azadî chuwazî Kurdistan). In ihrem Programm fordert die Partei das Selbstbestimmungsrecht für die Kurden.
1941: Einmarsch russischer und britischer Truppen. Die Partei „Freiheitsliebendes Kurdistan" veröffentlicht zur Begrüßung ein Flugblatt. Schah Reza dankt ab. Sein Sohn Mohammed wird sein Nachfolger auf dem Thron.
1944: Aufstand von Hama Reshid.
1942: erfolgt die Auflösung dieser Partei. Am 16.09.1942 gründet sich die "Auferstehungspartei Kurdistans", kurz JEKAF. Ihr politisches Programm lautet: "Was man den KurdInnen durch Gewalt weggenommen hat, können die KurdInnen nur durch Gewalt zurückbekommen". Umbenennung der JEKAF in die Demokratische Partei Kurdistans-Iran, I-KDP.
1945: Umbenennung der JEKAF in die Demokratische Partei Kurdistans - Iran, KDP- I.
22.01.1946: Gründung der bisher einzigen kurdischen Republik Mahabad in Ost-Kurdistan. Es wird ein Kabinett aufgestellt und alle Geschäfte einer regulären Regierung aufgenommen. Präsident wird Qazi Mohammed. Mustafa Mullah Barzani ist Verteidigungsminister.
Als im November 1946 jedoch die sowjetische Armee, Schutzpatron der Republik Mahabad, ihre Stellungen in Ost-Kurdistan verläßt, dringt am 16.12.1946 die Armee des Schahs von Persien in Mahabad ein. Qazi Mohammed und weitere Mitglieder der kaum ein Jahr existierenden kurdischen Republik werden von iranischen Militärs am 31. Mai 1947 erhängt. Barzani flieht mit mehreren hunderten Kämpfern an der iranisch-türkischen Grenzen in die Sowjetunion, wo er viele Jahre im Exil verbringt.
1955: (23. Februar) Im Abkommen von Bagdad beschließen die Türkei, Iran, Irak und Pakistan, jeden Aufstand, der auf dem Gebiet eines der Staaten ausbrechen sollte, gemeinsam niederzuschlagen. Anfang April tritt England dem Abkommen bei. Die USA nehmen bei den Treffen einen festen Beobachterstatus ein. Die Vereinbarung wird von der iranischen und irakischen Armee sofort bei der Niederschlagung des Aufstandes von Djuwanroj umgesetzt. Qasimlo wird Generalsekretär der KDP-Iran.
1956: Der in einer unzugänglichen Gebirgsregion nördlich von Kermanshah, nahe der irakischen Grenze lebende Stamm Djuwanroj widersetzt sich den Anordnungen der Zentralregierung in Teheran. Mit massiven Militärkräften inklusive Luftwaffe werden die Djuwanrojs in die Berge vertrieben, ihre Festung wird bombardiert und völlig zerstört.
1959: Ein kurdischsprachiger Sender von Radio Teheran versucht, Kollaborateure unter den Kurden anzuwerben. Nach außen hin vermittelt der Sender eine Freiheit für Kurden, die es im Land tatsächlich nicht gibt. Im gleichen Jahr beginnt ein militanter Flügel der KDP-Iran in der Gegend um Mahabad, Banah und Zerdesht mit dem Guerillakampf gegen den „Pfauenthron". Mustafa Barzani von der kurdischen Schwesterpartei stellt sich an die Seite des Schah und bekämpft die ehemaligen Weggenossen der KDP-Iran.
1962: Erstmals wieder Aktivitäten der weitgehend im Untergrund arbeitenden KDP-Iran durch Sammeln von Spenden (Geld, Nahrung, Kleidung) für die Peshmerga der KDP-Irak von Barzanî.
1967 / 68: Spaltung innerhalb der PDK-Iran: Eine von den Ideen der weltweiten nationalen Befreiungsbewegungen, besonders von Che Guevara beeinflusste Gruppe kritisiert die passive Haltung der Partei und deren enge Anbindung an die PDK-Irak, die massive Unterstützung vom persischen Schah erhält.
Die Gruppe kehrt in den Iran zurück und bildet bewaffnete Guerillaeinheiten. In Frühjahr 1968 werden ihre führenden Kader, darunter der Priester Mala Avara, der Student Abdullah Moini und der Elektroingenieur Sharif Zadeh getötet. Die Peschmarga der PDK-Irak von Barzani beteiligt sich zusammen mit der persischen Armee aktiv an der Verfolgung der revolutionären Gruppe.
1973: Beim 3. Parteikongress der KDP-Iran gibt es heftige Auseinandersetzungen über die Haltung gegenüber der KDP-Irak und Mustafa Barzanî. Nicht wenige Parteimitglieder gehen auf Distanz zur KDP-Irak.
1975: 40 000 Peşmerge werden vom SAVAK in den Irak zwangsrepatriiert, die iranische Flüchtlingslager werden liquidiert.
1975: (5. März) Eine Vereinbarung zwischen dem Schah von Persien und dem damaligen Vize-Premierminister Saddam Hussein führt zur Einstellung der iranischen Waffenhilfe an die irakischen Kurden (Vertrag von Algier). Der bis dahin starke kurdische Widerstand im Irak bricht zusammen, die Führung und zehntausende kurdische Peshmerga- Familien fliehen in den Iran.
1977: Erste Protestaktionen von Bauern gegen Grundbesitzer, u.a. auch Landbesetzungen.
1978 Unruhen bei den Kurden in Täbris. Rückkehr der KDP-I-Kader aus dem Exil.
11.Jan. 1979. Riza Schah Pehlewi verlässt Persien.
1. Feb. 1979 Khomeini kehrt in den Iran zurück. Die Kurden kündigen Widerstand an.
Feb. 1979 Kurden übernehmen Administrationen in iranischen Kurdenprovinzen.
20. Feb. 1979 Kämpfe zwischen Kurden und Regierungseinheiten in Hawraman.
18. Aug. 1979 Kämpfe in Sanandaj, Generalmobimachung gege die Kurden.
19. Aug. 1979 Angriff iranischer Luftwaffe auf die kurdische Bevölkerung im Distrik Hewraman.
20. Aug. 1979 Schiitenführer im Widerstand gegen Khomeini
3. Sep. 1979 Mahabad von Kurden geräumt, Kurden kündigen die Aufstellung einer 30000 Mann-Partisanen-Armee an.
18. Nov. 1979 heftige Kämpfe zwischen Truppen des iranischen Regimes und Kurden in Khorasan.
1980: Beginn des achtjährigen 1. Golfkrieges zwischen dem Iran und dem Irak.
1981/82: Kämpfe zwischen iranischen Soldaten und Einheiten der Ostkurdischen Guerilla. Eine besonders brutale Rolle spielen dabei die Revolutionswächter. Shêx Ezzedin Housseinî, ein geistlicher Führer der Kurden im Iran, bittet den Papst Johannes Paul den Zweiten um Unterstützung für die Kurden.
1983: Gründung der KP-Iran / Komala
1984: Kämpfe zwischen der KDP-Iran und der KDP-Irak in den Bergen des Dreiländerecks Irak - Türkei - Iran.
1985-1988: In diesen Jahren kommt es zu Vermittlungsgesprächen in Teheran zwischen der KDP-Irak und der PUK, an denen sich sowohl die iranische Regierung als auch kurdische Führer des Iran beteiligen.
1988: (März) Spaltung der KDP-Iran. Es gibt unterschiedliche Ansichten zum Verhalten gegenüber der iranischen Zentralregierung: Während die einen für Verhandlungen eintreten, lehnen die anderen solche Gespräche - zu dem Zeitpunkt - rigoros ab. Es gründet sich neben der KDP-Iran die KDP-Iran, Revolutionäre Führung.
(Mai) Es kommt zu einem Waffenstillstand zwischen Teheran und den iranischen Kurden der KDP-Iran. (18.7.) Teheran akzeptiert die UN-Resolution 598 ohne Bedingungen. Der achtjährige Krieg zwischen Iran und Irak ist beendet.
1989: (14.7.) Tödliches Attentat auf den Generalsekretär der KDP-Iran, Abdulrahman Qasimlo, in Wien.
Zusammen mit zwei weiteren kurdischen Vertretern hatte er sich mit einem inoffiziellen Vertreter der Teheraner Regierung getroffen.
1991: Auf der Flucht vor irakischen Truppen kommen mehr als 300.000 Kurden in den Iran.
1992: (17.9.) Treffen der Sozialistischen Internationale in Berlin. Beim sogenannten Mykonos-Attentat kommen der Generalsekretär der KDP-Iran, Sadagh Sherefkandî, sowie drei Begleiter ums Leben. Das Attentat wurde vermutlich im Auftrag der iranischen Regierung ausgeführt.
2005: Im Juli brach nach der Tötung des Kurden Schuaneh Ghaderi in der Stadt Mahabad ein Aufstand gegen die iranische Regierung aus. Der Aufstand breitete sich auf etwa zehn kurdische Städte aus. Bislang kamen dabei etwa 20 Menschen ums Leben. Die iranische Regierung bezeichnete die Aufständischen als Hooligans und verlegte 100.000 Soldaten in die kurdischen Gebiete.


Quellen


 

  • Tanyel B. Taysi / Kerim Yildiz: The Kurds in Iran: The Past, Present and Future. Ann Arbor 2007


  • Sönmez, A.: Geschichte der Kurden; Selbstverlag Düsseldorf, März 1984


  • Lokman Turgut: Chronologie der kurdischen, Verband der StudentInnen aus Kurdistan 2002.


  • Strohmeyer, M. und Yalcin-Heckmann, L.: Die Kurden – Geschichte-Politik-Kultur; Verlag C.H. Beck; München 2000


  • Zhudi Al-Dahoodi: Die Kurden: Geschichte, Kultur und Überlebenskampf; Umschau Verlag Frankfurt am Main 1987.


  • Namo Aziz: Kurdistan. Menschen, Geschichte, Kultur. Nürnberg 1992


  • Fadel Khalil: Kurden Heute. Wien 1985


  • Susan Meiselas: Kurdistan In the Shadow of History. Chicago 2008

Iranisch-Kurdistan im 20. Jh.

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