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Religion: Jam / Cem
Geschrieben am Dienstag, 20. Dezember 2011 von rinret

Religion Cem (auch Jam) – eigentlich Cem Ayni wird das religiöse Ritual der kurdischen und türkischen Aleviten in der heutigen Türkei sowie auch der Ahl-i Haqq bezeichnet.

Die Etymologie des Wortes geht auf das Persische bzw. Arabische zurück, wo es „Versammlung der Gläubigen“ (arab.) und Kelch (pers.) bedeutet. Außerdem sei hier noch angemerkt, dass sich in der persischen-zoroastrischen Mythologie ein König namens Jamishid (kurz Jam) findet.

Cem Ayni wiederum bedeutet das Ritual des Jamshid. Verbunden wird es außerdem mit Ayîna-ye Jam, der Spiegel des Jam, wodurch die Einheit mit dem Göttlichen durch das Symbol des Spiegels hervorheben soll.

Der Ort, wo die religiöse Zeremonie durchgeführt wird, wird als Jam-Kana  bezeichnet.  Begleitet wird die religiöse Handlung von Musik gespielt mit dem Tanbur sowie Gesängen und Tänzen.

Bei den Ahl-i Haqq gelten 3,5 oder 7 Männer als ideale Zahl bei einem durchgeführten Jam. Frauen und Kinder dürfen daran teilnehmen, stehen jedoch außerhalb des Kreises und dürfen diesen auch nicht betreten. Selbst bei der Initiation einer weiblichen Person wird diese durch eine männliche Person im Kreis vertreten. Die Kinder nehmen nur aus Gründen der Erziehung am Jam teil und sind nicht in die Handlungen mit eingeschlossen. Hamzeh’ee merkt jedoch an, dass diese Entscheidung über die Nichtteilnahme der Frauen am Ritus wohl eine neuere Regelung bei den Yaresan sei, um Gerüchten über Orgien im allgemein strikt shiitischem Iran entgegenzuwirken. Im Gegensatz dazu stehen die Aleviten, wo Frauen an die zeremoniellen Handlungen integriert sind.

Das Motiv der Jam betont die absolute Gleichheit unter den Teilnehmern, unbeachtet seines Standes oder Herkunft.

Der Eintritt in den Jam beginnt mit einem rituellen Kuss der Türschwelle, wobei der Satz: „Der Beginn und das Ende ist der Jar“ – Jar (Freund), ist eines der rituellen Namen für Gott unter den Ahl-i Haqq. Danach wird die rechte Hand des religiösen Leiters (Sayyed) des Jam geküsst hernach die Hände der bereits anwesenden. Alle Beteiligten knien auf dem Boden, wobei der Sayyed gegenüber des Eingangs seine Position einnimmt. Links vom Sayyid nimmt sein Vertreter, der Kalifa, Platz und rechts vom Sayyid befindet sich der Rezitator des Kalam (Lied). An der Tür, gegenüber vom Sayyid steht der Kadam, ein religiöser Diener des Jam, der auch den Beginn des Jam bestimmt, in dem der Satz „Der Beginn und das Ende ist der Jar“ durch den Kadam ausgesprochen wird.

Oftmals bestimmen verschieden verschiedene Initiationsriten ausgeführt, wie zum Beispiel die Darbringung eines Opfers. Die Teilung des Opfers (gekochtes Opferfleisch) und die Löslösung des Fleisches von den Knochen, ohne diese zu brechen, darf nur vom Sayyed durchgeführt werden. Die Verteilung der Teilnehmer innerhalb des Jam (auch an die Frauen und Kinder außerhalb des Kreises) wird schließlich vom Kalifa durchgeführt. Zu diesem Opferfleisch können Brot oder Reis serviert werden. Danach reicht der Kadam eine Schale mit Wasser, aus der alle Teilnehmer einen Schluck trinken.

Außer des Verzehrs des Opferfleisches sollte jedoch während der Zeremonie nichts gegessen und auch kein privates Wort gewechselt werden.

Bei den Aleviten wird der religiöse Leiter Pir genannt. In den religiösen Liedern der Aleviten, die während der Zeremonie gesungen werden und durch die Saz begleitet werden, wird vor allem Ali, der Schwiegersohn Mohammeds besungen.


 Quellen: Hamzeh’ee, Reza M.: The Yaresan: A Sociological, Historical and Religio-Historical Study of a Kurdish Community. 1990; Enzyclopaedia Iranica Vol. 14, 2008, Sökefeld, Martin: Aleviten in Deutschland: Identitätsprozesse einer Religionsgemeinschaft in der Diaspora. Kultur und soziale Praxis. Bielefeld, 2008; Sen, Faruk und H. Aydin: Islam in Deutschland. München, 2002; Bruinessen, M.: The ethnic identity of the Kurdish Alevis. IN:  Syncretistic religious communities in the Near East: collected papers of the International Symposium "Alevism in Turkey and comparable sycretistic religious communities in the Near East in the past and present" Berlin, 14-17 April 1995Band 76 von Studies in the history of religions, Band 76 von Numen Book Series, S.1-24

 

 


Jam / Cem

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