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Diaspora: Kurden in Kirgisien
Geschrieben am Donnerstag, 17. April 2014 von Baran Ruciyar

Diaspora

Die Geschichte der Kurden im südlichsten Kaukasus lässt sich mindesten bis ins 11. Jahrhunderte zurückverfolgen.

Im Laufe der Geschichte brachten sie es auf zwei Starke Dynastien Namens Şeddadî und Revvaditen. Der im Jahre 951 vom Muhammet Ibn Şeddad von dem Stamm der Revvadidden, welchen auch der berühmte kurdischstämmige Islam-Feldheer Salladin der Große angehörte, gegründete die Dynastie der Schaddadiden. Diese kurdische Dynastie existierte und funktionierte mehr als ein Jahrhundert und konnte eine eigene Währung und eine weit entwickelte Sozialstruktur vorweisen.

Die Schaddadiden herrschten zwischen 951 und 1072 im südlichsten Teil Kaukasiens. Zu ihren wichtigsten Städten gehörten Anî (Türkei), Duvin (Armenien), jene Stadt, in der auch der Vater von Salladin geboren wurde, der später in den heutigen Irak auswanderte und dort die Eyubbieden Dynastie ins Leben ausrufen sollte. Für eine Zeitlang gehörte die im heutigen Aserbaidschan liegende Stadt Gence ebenfalls zum Şeddadî Territorium.


Herrschgebiete der Schaddadiden

Die Schaddadiden Dynastie brach im Jahre 1072 in zwei Teile auseinander, und verlor somit auch an Macht und Einfluss im Kaukasischen Hochland, was letztendlich zu einem Untergang der kurdischen Schaddadiden Dynastie in Kaukasien führte.  


Währung der Şeddadî´s

Mit dem Erscheinen der türkische Seldchucken verschwand auch die Schaddadiden Dynastie im Jahre 1130 endgültig von der Geschichtsbühne. Um gegen die griechisch-römischen Eroberer zu bestehen vereinigten sich die Şeddadî´s mit den türkisch/mongolische Muslimen unter denen sie eine zeitlang als Dynastie existierten. Dies sollte ein historischer Fehltritt für das gesamte kurdische Volk bedeuten, und führte das ganze Volk in eine jahrhundertelange Sklaverei sowohl im Kaukasien als auch in Kurdistan, in dem die Kurden unter den türkisch/mongolischen Herrscherhäusern standen . Paar Jahre später war auch die Scheindynastie der Şeddadî´s von den Türk/Mongolen aufgelöst worden.

In der Neuzeit hat es mehrere Bevölkerungsbewegungen gegeben: Im 19. Jahrhundert gelang es den Kurden durch die Expansion des Zarenreiches im Kaukasus eine Autonomieregierung zu gründen. Der von 1923 bis 1929 im Westen von Aserbaidschan an der Grenze zu Armenien entstandene „Kurdische Bezirk“ ("Rotes Kurdistan /„Kurdistana Sor“), dessen Hauptstadt Lachîn war, genoss weitgehende Autonomierechte. 1929 wurde der „Kurdischer Bezirk“ aus finanzieller Not aufgelöst. Somit wurde auch den Kurden im Kaukasien endgültig die Chance genommen, als eine Nation im Roten Kurdistan zu existieren. Fortan stand für die Kurden in Kaukasien eine schwierige Zeit bevor. Mit der Hoffnung doch noch eine Autonomieregierung gründen zu dürfen, gab es viele vergebliche Versuche von Kurden - jedoch ohne den erwünschten Erfolg.

Die Verfolgung der yezidischen Kurden in dem Gebiet Serhed führte zu einer Massenwanderung der Yeziden nach Kaukasien. Die yezidischen Kurden erfuhren im christlichen Armenien und Georgien größere Toleranz. Das erhöhte die Bevölkerungszahl der Kurden in Kaukasien so ernorm, dass einige Nationen, besonders die Aserbaidschaner, die Entstehung eines kurdischen Nationalismus in Kaukasien befürchteten.

Mitte der 30iger Jahre setzte die Sowjetunion eine Deportation der Minderheiten in Bewegung, wovon die Kurden nicht ausgenommen waren. Zu Tausenden wurden sie nach Kasachstan, Sibirien und Kirgisien umgesiedelt, weil sie angebliche Grenzkonflikte provoziert haben sollen. Obendrein wurden auch die Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich von dieser Aktion nicht ausgeschlossen, denn auch sie mussten zu Tausenden ihre Dörfer – Lager Richtung Sibirien und Turkistan verlassen. So lebt heute eine kurdische Gemeinschaft in Kasachstan, die hauptsächlich aus Yeziden besteht, aus denjenigen, die auch von den Osmanen nach Armenien verfolgt wurden. Ihre Zahl schätzt man auf 300 000 Menschen.

In Kirgisien lebt eine bescheidene Gemeinschaft von ungefähr 30 000 Kurden, die auch während jener Zeit dorthin deportiert wurden. Sie wurden in unzugänglichsten Gebieten wie Cellabad und Os an der Grenze zu Usbekistan und in der Nähe von Bîşkek umgesiedelt. 1937 und 1944 wurden sie von jeglichen Sozialgeschehnissen ausgeschlossen, bis 1944 durften die kurdischen Kinder nicht mal Schulen besuchen.

Nach dem Tod Stalins begangen auch die Kurden in Kirgisien, wie ihre Volksleute in Kasachstan, mehr Wert auf Bildung zu legen. Die Bildungsrate bei den Kurden in Kasachstan und Kirgisien ist höher, als bei den Kurden in Kurdistan. Sie haben viele Professoren und Gelehrte hervorgebracht, die sogar an den sowjetischen Hochschulen und Akademien eine große Rolle übernahmen. Fast jeder Kurde in Kirgisien ist vom Beruf Offizier oder hat eine höhere Schullaufbahn absolviert. Der wohl beliebteste Beruf ist der Beruf als Polizist. So gab es eine zeitlang eine „kurdische Einheit“ an Polizisten, die speziell in kurdischen Siedlungsgebieten eingesetzt wurden.

Der in Bîşkek in den 90iger Jahren gegründeter kurdische Kultur-Verein unter der Führung von Şêx Ramazan, Prof. R.B. Absattarov und Adil Cemal trägt dazu bei, die kurdische Kultur und Sprache in Kirgisien am Leben zu erhalten. Dieser Verein sympathisiert auch offen seit Jahren mit der PKK.
 
Bereits in den 60iger Jahren entstand, genau wie auch in anderen Gebieten der Sowjetunion, ebenfalls in Kirgisien eine neue nationalistische Ideologie, die die Kurden als Fremde ansahen und sie mehrmals angriffen. Mitte der 80iger brach ein gegenseitiger Kampf innerhalb der Sowjetnationen aus, wo die Kurden in Kirgisien mehrmals von kirgisischen Ultra-Nationalisten angegriffen wurden. Daraufhin mussten 350 Familien in Bîşkek ihre Wohnungen verlassen, um Richtung Kasachstan fortzuziehen. Auch während der »Revolution« im Jahre 2005 erhielten die Kurden in Kirgisien, laut Adil Cemal, immer wieder Drohbriefe. Sie wurden ganz offen aufgefordert das Land zu verlassen, ansonsten würde man ihnen das Leben zu Höhle machen’.

Seit Jahren werden Gastarbeiter aus der Türkei nach Kirgisien geschickt, welche mehrheitlich kurdischer Herkunft sind, auch viele von ihnen sind mittlerweile dort ansässig geworden und leben bereits mehr als zehn Jahren dort.


Quellen: Martin Strohmeier, Lale Yalçin-Heckmann: Die Kurden. Geschichte, Politik, Kultur. Beck Verlag, München 2003. Diaspora Kürtleri Sovyet Kürtleri hakkında tarihi ve güncel inceleme, Hejare Şamil; Editör: Ahmet Önal, Peri Yayınları; İstanbul, 2005. www.kars-online.de (letzter Besuch: 01/03/08)


Kurden in Kirgisien

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