KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie  
  Willkommen Home |  Über Kurdica |  Gästebuch |  Sponsoren |  Feedback  
Suchen


Menü

Literatur/Sprache: Nordluri (Kleinlurisch)
Geschrieben am Donnerstag, 18. September 2008 von Baran Ruciyar

Linguistik

Die Lurischen Dialekte werden im Iran gesprochen. Man findet Lurisprecher in der Provinz von Hamadan (südlich von Nahavand) in Luristan nach Khuzestan, Mahal, Bakhtiari Jahar, Kuh-Giluya, Boir Ahmad und Fars. In der Sprachklassifikation gehören sie der Südwestiranischen Sprachgruppe an. (Sundermann 1989).

Jedoch treten hier auch verschiedene Thesen auf, so sehen einige Sprachwissenschaftler das Luri als persischen Dialekt an (E.Iranica), andere wiederum, wie zum Beispiel die SIL, gruppiert Luri als eigene Sprache ein, die sehr eng mit dem Persischen verwandt ist.

Innerhalb des Luri wird ebenfalls eine Klassifikation vorgenommen, so wird zwischen Süd- und Südwestlurisch, auch Großlurisch (lore bozorg), und Nordlurisch, auch Kleinlurisch (lore kuçek), unterschieden. Die Grenzziehung hier ist der Dez Fluss.

Zu den kleinlurischen Dialekten gehören Bala Giravi (BGr), Bojnurdi (Bo), Gioni (Gi)/Giani, wird 12 km westlich von Nahavand gesprochen, und Khorramabadi (Kor). In manchen Arbeiten wird auch das Çagani dazu gezählt, was aber im Eigentlichen Laki ist. Anbei sollte noch bemerkt werden, dass im Siedlungsgebiet verschiedene Völker leben, wodurch es nicht nur in der Sprache sondern auch in der Identität zur Assimilation kommt, dabei nimmt natürlich auch die Persische Amtssprache einen großen Teil ein, so dass Lurisch sehr vom Persischen beeinflusst wurde.


Phonologie

Im Luri gibt es fünf Vokale: â / ê / î / ô / û so wie drei offene Vokale a / i / u. Hinzukommen die Umlaute ö und ü. Das Nordluri weist außerdem gerundete vordere Vokale auf, und ein zentralartikuliertes e [ä] und eine starke Diphthongierung, deren Entwicklung zum vorderen gerundeten Vokal ö tendiert, gefolgt von einem runden Gleitlaut []. Die Artikulationsposition hängt wahrscheinlich mit den ebenfalls vorderen gerundeten Phonem é (ähnlich dem ê aber nicht identisch) ab, die ebenfalls im Luri vorhanden sind.

Die Konsonanten im Luri sind dem des Persischen ähnlich. Ein Unterschied weißt der uvulare Plosiv q und der frikative Velar ɣ auf. Beispiele finden wir hier im BGr oder Kor: qapō.(Waage), ɣ urc (wildes Schaf), im Gi werden diese beiden Laute zu einem stimmlosen Velar verbunden: qazā (Essen), qār (Höhle), qarü (fremd). Ein weiterer Laut ist eine aveolarer lateraler Frikativ ł: pił (Geld) łö (Lippe). Eine weiter Änderung im Nordluri ist das initiale k, was hier zum h formatiert, diese Wandlung finden wir auch teilweise Bakhtiari in der südlurischen Gruppe: Kor, Gi: hard-e (essen), hās- e (wollen), han-e (lesen).

Eine weiter Änderung ist der Ausfall des f bei einem Dental: Im Pers.: goft (sagen) oder gereft (nehmen) im Kor, Gi: got, geret.

Das offene ā im Persischen formt sich im Nordlurischen zum a um: mānd (bleiben) rānd (gefahren) kānd (lesen), dagegen im Gi und Kor: man, ran, hane.

Dies sind nur einige Beispiele für die Phonologie des Nordluri, anzumerken bleibt, dass sich die Sprache derzeit in einem Entwicklungsprozess befindet, der einerseits einen Einfluss des Südluri (aber auch umgekehrt) erkennen lässt und natürlich die starke Assimilation der Verkehrssprache Persisch.


Morphologie

Die Morphologie im Luri lehnt sich stark an die Verkehrssprache Persisch an. So sind die Nomen mit Luri fast mit der Nomenbildung im Persischen identisch. Im Nordluri finden wir die Nominalsuffixe –ō(n) für belebte Nomen und - für unbelebte Nomen, was sich laut Lazard an das frühe Neupersisch anlehnt. In allen Luri-Dialekten finden wir einen Ezafe, der sich durch das Nominalsuffix –e ausdrückt und Markierung für das Objekt ist –na und –ne.

Unterschiede zum Südluri finden wir bei den Personalpronomen: für Nordluri lauten sie: me,(Leqok ma für Gi) tö/tü, ū im Singular und für den Plural: īmā (Kor: Īmā) şemā, ūnō, wobei hier die Vokale im BGr variieren: īmū, şemū, ūnō.

Auch die Possessive stehen dem Persischen sehr nah: Kor: hīn -e me – meins; hīn -e tö – deins.


Der Präsens wird im Nordluri mit dem Präsenspräfix gebildet, der für alle Dialekte gleich ist. Die Konjugation der Verben fällt jedoch von Dialekt zu Dialekt unterschiedlich aus:


Deutsch

Kor

Gi

BGr

1.P.Sg.

-em

-em

-em

2.P.Sg.

3.P.Sg.

-a

-a

-a

1.P.Pl.

-Īm (on)

-īm

-Īm

2.P.Pl.

-Īt (on)

-īt

-Īt

3.P.Pl.

-en

-an

-an

 

Ebenso existiert im Luri ein Habitual, der mit dem Morphem ausgedrückt wird: me hā mo-hor-em. Ich bin gerade am Essen. BGr: hā-ya Er kommt gerade.

Das Verb „sein“ entlehnt sich wiederum aus dem Persischen vom Verb hastam / hastī. Im Luri wird dieses Verb allein auf das h+Vokal reduziert: Kor, Bgr: hā; Gi: hĪ

Der Imperfekt wird gebildet, in dem den Verbstamm des Imperfekts das Suffixpronomen angehängt wird, welches wir schon aus dem Präsens kennen.

Das Perfekt baut sich hierauf auf, indem Imperfekt auf und dem Verben „sein“, so dass die Form Imperfekt + sein verwendet wird: Kor: hard-em a (Ich habe gegessen) hard-i a (du hast gegessen).

Das Plusquamperfekt wird wie im Persischen gebildet, mit Verbstamm + Imperfektstamm des Verbes sein und Suffixendung des Pronomens, wobei der bilabiale Laut b im Hilfsverb ausfällt: Kor: hard-ī-m > hardīm (ich hatte gegessen); Gi hard-ü-īm > hadüīm (ich hatte gegessen). In Kor und vor allem BGr kann es vorkommen, dass der Vokal ī als Suffix an das Suffixpronomen angehängt wird: BGr: rat-am-ī >ratamī (Ich war gegangen), allerdings fällt dieser Suffix in der 3. Person Singular aus.



Quelle:
Lazard, G.: La langue des plus anciens monuments de la langue persane.1963. Mac Kinnon, Colin: Lori Dialects. 2004. Werner Sundermann, Westmitteliranische Sprachen, IN; in Rüdiger. Schmitt, C.I.1989, pp. 106-13. Lecoq, Pierre: Dialects of South-Westiran. IN: "Les Dialects du Sud-Ouest de l'Iran By Pierre Lecoq" in Compendium linguarum Iranicarum/ hrsg. von Rüdiger Schmitt. - Wiesbaden: Reichert, 1989. http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=lrc (letzer Besuch 28.02.08)

Nordluri (Kleinlurisch)

Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.



Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren,
alles andere © 2008 - 2018 by KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie
Seitenerstellung in 0.0336 Sekunden, mit 17 Datenbank-Abfragen | Kurdistan Online Magazin