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Allgemeine Geschichte: Nurullah Beg
Geschrieben am Samstag, 25. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Nurullah Beg, der letzte Spross des kurdischen Fürstenhauses der Şembol-Dynastie, der im Jahre 1848 einen Aufstand gegen die Osmanen probte, geschlagen und abgesetzt wurde.

Das einst so einflussreiche und zudem den Osmanen nur formell unterworfene Emirat der Hekarî, nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Lauf ihres Zerfalls auf. Nachdem der Aufstand des Bedirxan Beg von Botan niedergeschlagen wurde, wurde der letzte Mîr in Hekarî durch Yezdanşêr ersetzt, der zuvor seinen Onkel gegen die Osmanen verraten hatte, und als Belohnung den Gouverneurposten in Hekarî bekam. Ein Jahr später übergab Halîme Xanim den Türken auch Başkale, der nördliche Posten der Hekarî-Dynastie. Das war auch das Ende dieser Dynastie.

Als Kurdistan unter osmanische Herrschaft kam, waren blühende Fürstentümer, wie das von Bedlîs oder Botan, Soran etc. keine Seltenheit. Kurdistan wurde von einer Reihe von Fürstenhäuser beherrscht. Doch je stärker die osmanische Staatsgewalt wurde, desto weniger konnten sich die kurdische Fürstenhäuser gegen diese behaupten, bis sich schließlich die letzten kurdischen Fürstentümer im 19. Jh. unter zunehmendem Druck von außen, teilweise auch durch Militärgewalt, auflösten (Aziz, s. 123). Bruinessen und Azizi meinen aber, dass die Abschaffung dieser Fürstentümer, durchaus für die gesellschaftliche Entwicklung Notwendig gewesen ist. Erst nachdem die Feudalherren enthauptet wurden, konnte sich ein einigermaßen effizienter Nationalismus unter den Kurden entwickeln.

In den Zentralisierungsbestrebungen der Osmanen sahen viele von ihnen ihr Ende bevorstehen und wehrten sich dagegen. Der Mîr von Botan Bedirxan schloss einen Bund mit dem Fürsten von Muks, Xan Mehmûd und Nurullah Beg aus dem Hause Şembol. Diesen schlossen sich weitere Sanjaq-Fürsten aus Mûş und Qers an. Bedirxan Beg stellte den Osmanen keine Soldaten mehr zur Verfügung und versuchte, Nurullah und Xan Mehmûd, sowie anderen Sancaq-Füsten Şeref Bey aus Mûş und Kor Hisên aus Qers gegen die Osmanen aufzuhetzen, um so seine gegen die Osmanen gerichtete Revolte mit der Hilfe dieser Fürsten erfolgreich zu beenden. Die Kurden waren von der osmanische Niederlage durch die Ägypter inspiriert und glaubten fest daran, dass die Zeit gekommen sei, ihr Schicksal selbst in die Hand zunehmen. Den zeitgenössischen Quellen zufolge standen die Chancen dafür auch ziemlich gut. 1845 kontrollierte er de facto das Gebiet etwa zwischen der Linie Diyarbekir - Mûsil – persische Grenze. Hinzukommt, dass er unter den Kurden ein respektierter gefürchteter Fürst war.

Die Revolte des Bedirxan Beg, bei der er von Nurullah Beg unterstützt wurde, blieb letztlich erfolglos - wahrscheinlich aus dem Grund, dass sie nur ungenügend organisiert waren. Bedirxan Beg und Nurullah Beg wurden ins Exils geschickt. Nurullah Beg war nach der Niederschlagung der Bedirxan Revolte in den Iran geflüchtet. Nach seiner Auslieferung schickten die Türken ihn ins Exil nach Kreta, wo er auch starb.

Nurullah Beg war durch seine Grausamkeiten bekannt und der Hauptverantwortliche des hässlichen Massakers an den christlichen Nestorianer. In den 40iger Jahren des 19. Jh. waren viele ausländische Missioniere nach Kurdistan gekommen und hielten sich hauptsächlich in den von Christen bewohnten Gebieten Kurdistans auf, sowie auch in Hekarî, das Territorium der Şembol-Dynastie. Die zuvor z. T. den kurdischen Stammesfürsten Untertan gewesenen Nestorianer, versuchten aus ihrer Verbindung zu den Ausländern Macht zu gewinnen. Die Macht ihres religiösen Anführers Mar Shimun wuchs unvermeidlich, und brachte Verstimmung bei den Nestorianer und Verärgerung bei den Kurden. Die Kurden fühlten sich bedroht, doch die Missionare unternahmen wenig, um die Befürchtungen der Kurden zu entkräften. In Tiyarî Distrikt errichteten sie eine festungsähnliche Schule, was zusätzlich Verdacht bei den Kurden erregte. Als die Tiyarî-Nestorianer um Mar Shimun, die Autorität des Mîr von Hekarî in Frage stellten und sich weigerten dem Nurullah Beg, die jährliche Abgabe zu zahlen, bat dieser Bedirxan Beg um Unterstützung zu ihrer Bestrafung. Gegen die Tiyarî wurde 1843 ein großes Heer von Stammeskrieger aus Botan, Hekarî, Şîrwan, Xîzan und Eruh, in Bewegung. Viele Kurden waren offensichtlich nur zu eifrig darauf aus, ihrem Groll über die Nestorianer Luft zu machen. Es kam wie erwartet, die Nestorianer wurden regelrecht massakriert. Die Zahl der getöteten Menschen wird auf Tausende geschätzt. Ein hässliches Massaker, dem einige Jahre später die gleichermaßen blutige Invasionen in einen anderen Bezirk folgten.

Den Archäologen Schulz lies er 1842 ebenfalls töten, da er den Verdacht hatte, dass dieser von der Pforte beauftragt worden sein könnte, die unterirdische Vorkommnisse in Kurdistan herauszufinden. 

 


Quelle: Minorsky, V.: Kurden, In EI 1, 1927 Brill. van Bruinessen, M.: Agha, Scheich und Staat, 2003 Berlin. Aziz, Namo: Kurdistan, Bonn 1992. Özdemir, A. Haydar: Kurdenpolitik der Türkei- ein Hindernis auf dem Weg in die EU? Grin Verlag 2007. Feigl, E.: Die Kurden. Geschichte und Schicksal eines Volkes. Universitas-Verlag, Wien 1995. Hasan Gökçe: Bedir Khan Bey, der Emir von Cezire - einer der letzten autonomen Kurdenfürsten des 19. Jahrhunderts in: Hans-Lukas Kieser (Hrsg.): Kurdistan und Europa - Einblicke in die kurdische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Zürich 1997, S. 77 – 112. Evîn Çîcek: Kürt Bedirxan Bey ve Kürdistan da farklý dini inançlara uygulanan kýrýmlar: http://www.peyamaazadi.org/

Nurullah Beg

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