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Freiheitskampf: Pêçar Säuberungsaktion
Geschrieben am Sonntag, 29. Januar 2012 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf

Pêçar Säuberungsaktion (trk. Bicar Tenkil Harekâtı (tenkil kann auch „gebührend bestrafen, Deportation, Erstickung, Verbannung oder Verschreckung“ bedeuten) war eine militärische Säuberungsaktion in Nordkurdistan (Türkei) im Jahr 1927.



Ungefähr 2000 Kämpfer des Scheich-Said-Aufstands hatten überlebt und leisteten seither der türkischen Armee einen hartnäckigen Widerstand. Unter ihnen waren auch angesehene Persönlichkeiten der Kird(Zaza)-Stämmen, wie Șêx Fexrî, Emerê Faro, Yado, Mecîdê Zaza, Salihê Xerzî etc.. Diese setzten in kleinen Verbänden den Kampf als Guerilla fort. Das Gebiet, in dem es zu Kämpfen kam, umfasst die heutigen Landkreise Farqîn, Lîce, Pîran, Palo, Erxanî, Maden, Hezro, Bongilan und Darahenî, also das Kernland der sunnitischen Kird(Zaza)-Kurden.

Im Frühjahr 1927 wurde Oberst Mustafa Muğlalı vom General Nazmi Solok aus Xarpet in die Region gesandt. Er sollte einen Monat lang die geographischen Beschaffenheiten der Region erkunden und die Loyalität einiger Stämmen sichern, die sich an dem Scheich-Said-Aufstand nicht beteiligt hatten.

Am 20. September 1927 rückte die Armee mit einem Großaufgebot, unterstützt durch Milizionäre und kollaborierten Kurdenstämme, vor. Offiziell sollte die Region von “Banditen“, welche die Idee eines freien Kurdistan hegten und mit kurdischen Nationalisten in Verbindungen standen, “bereinigt“ werden. Oberst Muğlalı, der heute als die Personifikation der staatlichen Brutalität in Kurdistan gilt, ging schonungslos und brutal vor: nicht nur Aufständische, sonder auch die Bevölkerung wurde zum Zielscheibe. Mehr als 280 Dörfer, v.a. der Hevêdan (Zirkî) und Botiyan (Tawis) Stämmen in Darahenî, Pîran und Lîce (Pêçar), ließ er verbrennen. Diese beiden Stämme hatten offenbar die Kämpfer unterstützt und wurden dafür bestraft. Über die zivilen Opfer dieser Militäraktion schweigen die Quellen. Man kann nur erahnen, dass die Dörfer nicht unbedingt evakuiert wurden, bevor man sie verbrennen ließ.

Nach eineinhalb Monate war der erbitterte Widerstand der Kämpfer zerschlagen. Die meisten von ihnen wurden getötet oder verhaftet. Die Verhafteten ließ man später exekutieren. Die Familienangehörigen der Aufständischen wurden nach Anatolien deportiert und dürften erst in den 1940ern zurückkehren.

Mit dieser brutalen Aktion versuchte die türkischen Regierung einerseits die kurdischen Kämpfer, die den Scheich-Said-Aufstand überlebt hatten, zu eliminieren, andererseits sollte die endgültige, brutale Niederschlagung der Aufständischen ein Exempel für die zivile Bevölkerung, der man vorwarf die Kämpfer zu unterstützen, statuieren. 


 


Quellen: Genelkurmay Belgelerinde Kürt Isyanlari I, Kaynak yayinlari 1992. Mîrzengî, Xurşîd:Xurşîd Mîrzengî: Ji Qehremanên Me Yên Neteweyî, Şêx Fexriyê Mala Bokarik(zuletzt besucht, am 13.01.2012). Hür, Ayşe:Devletin demir yumruğu: Muğlalı Paşa (zuletzt besucht, am 24.01.2012). Kurij, Seyîdxan: Yado'nun Kızı ile Röportaj (zuletzt besucht, am 13.01.2012). 

 


Pêçar Säuberungsaktion

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