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Religion: Qewl
Geschrieben am Dienstag, 27. Dezember 2011 von Baran Ruciyar

Religion

Qewl(heilige Hymnen der Eziden, von arab. qawl beudetet auf Kurmancî Verabredung, plur. nur in der Izafe-Konst. qewlên) ist neben qesîde und beyt ein weiteres Genre sakraler Texte der Eziden.



Die Darbietung sakraler Texte, so auch der qewl erfolgt durch die qewal, die speziell dafür ausgebildet werden und in Begleitung von heiligen Instrumenten (def und shebab) die qewl vortragen, von denen es hunderte gibt und jeder einzelner eine spezielle Melodie (kubrî) besitzt.

Obgleich die Übergänge zwischen den einzelnen Genres fließend sind, hält Dulz fest, dass die meisten heilige Texte in Form von qewl sind. Die qewl unterscheiden sich vor allem auf lexikalischer Eben von qesîde und beyt, da sie verhältnismäßig weniger arabische, persische und türkische Lehnwörter beinhalten. Ihre Sprache und ihr Inhalt weisen laut Kreyenbroek auf eine frühe Entstehung der Texte. Außerdem offenbaren sie die religiöse Terminologie des Ezidentums. R. Zîlan hat einige Termini der Eziden aufgelistet, die nur in den qewl vorkommen.

Die qewl sind sehr einfach gereimt und sind in der Regel zwischen 20 bis 60 Strophen lang.

Die Themen der qewl sind (1) Ethik, (2) die Geschichte des Glaubens und der Gemeinschaft, (3) Eschatologie, (4) Tod, Trauer, Trost, (5) Wunder von Heiligen, (6) mythische Themen, die von der Sufi-Tradition inspiriert sind, (7) Geschichten aus der jüdisch-christlichen und islamischen Tradition und (8) die ezidische Kosmogonie (vgl. Kreyenbroek). Dulz erwähnt in diesem Zusammenhang drei qewl, die eine umfassende Beschreibung der ezidischen Kosmogonie beinhalten: Qewlê zebûnê meksûr, Qewlê afirîna dinyayê und Qewlê Şêxubekir, dem nach sei Gott der Schöpfer des Universums, welches er aus einer Perle, die alle Elemente enthielt, erschaffen habe.

Laut Turgut (s. 217) ist der Begriff unter den Kurden in Botan auch verbreitet. Er hat seinerseits keine förmliche Diskrepanzen zur hiesigen engverwandten Gattung Serhatî feststellen können, aber sehr wohl inhaltliche, denn die qewl, die er gesammelt hat sind ganz profaner Art, thematisieren u.a. die Stammesgeschichte eines ehemaligen ezidischen Stammes (Kica). Den Gebrauch des Begriffes führt er auf den früheren Ezidismus dieses Stammes zurück.


Quellen: Turgut, Lokman: Mündliche Literatur der Kurden in den Regionen Botan und Hekarî, Berlin 2011. Dulz, Irene: Die Yeziden im Irak: Zwischen"modelldorf" und Flucht, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2001. Zîlan, Reso: Peyvên die qewlên Êzîdiyan de, in: Kurmancî 41. Kreyenbroek, Ph.:Qawl, in: EnIr.


Qewl

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