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Kultur: Saharane (Das Sommer-Festival der Kurdistani-Juden)
Geschrieben am Mittwoch, 08. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Kultur

Bis zur großen Auswanderungswelle aus Kurdistan 1950 lebten in Zentralkurdistan1 Schätzungsweise bis zu 25.000 Juden, verstreut auf 200 Dörfer, Kleinstädte und Städte.

Die Geschichte dieser kleinen aber recht effektiven Gemeinschaft geht auf 8. Jh. Chr. zurück.  Der Zeitpunkt ihrer Exilierung ist nicht bekannt; gemäß ihrer eigenen Oralihistorie sind sie die Nachkommen jenen Juden, die zur Zeit der assyrischen Könige von Israel und Judäa ins Exil geschickt wurden, und es besteht die Tendenz unter den Wissenschaftlern, dies als historische Gegebenheit anzusehen, da keine schriftliche Quelle hierzu existieren.

Die Juden in Zentralkurdistan sprachen einen aramäischen Dialekt, ein Relikt aus der talmudischen Epoche, meint Ora Shwartz-Be´eri.2. Derselben Quelle nach sind bei der Juden-Gemeinschaft in Kurdistan trotz ihres Abreißens des Kontaktes zu den frühen Talmudzentren in Babylon, wie Sura und Pumbedita, viele Strukturen entstanden, die charakteristisch für das talmudische Judentum waren.

Während der Parthiarzeit entstand ein selbständiges Königreich in Zentralkurdistan, von dem man heute weiß, dass die Herrscherfamilie sich zu der jüdischen Religion bekannte – ja möglicherweise Vorfahren der Kurdistanî Juden3 sind. Erst im 12. Jh. werden die Juden in Kurdistan auch von den jüdische Reisenden in ihren Reiseberichten erwähnt. In den darauffolgenden Jahrhundert hört man wenig von der jüdischen Gemeinde. Im 16. Jh. entstanden durch die Bemühungen von Rabbi Netaniel Barazani sogar Toraschulen in Kurdistan, die anscheinend trotz der osmanischen Unterdrückung bis ins 19. Jh. existierten4.

Heute leben Schätzungsweise 100.000 jüdische Kurden in Israel. 1950 wanderten fast alle Juden aus Zentralkurdistan aus und ließen sich in Israel nieder, wo heute noch eine Gemeinde kurdischer Juden existiert. Aus dieser Gemeinde entstammten mittlerweile viele bekannte Politiker, Juristen und Akademiker, die der Kultur und Freiheitsbewegung der Kurden großen Sympathie entgegen bringen. Um die kurdische Kultur weiter zu pflegen, entschied das National Commitee der Argon Dutsini Kurdistan bi Israel (Organisation der Kurdistani-Juden in Israel) jährlich ein Festival, unter den Namen Saharane, für die Juden aus Kurdistan in Jerusalem zu veranstalten, dass die Freude und Brüderlichkeit durch Musik, Tanz, Gebet, Modenschauen und Lebensart zum Ausdruck bringt. Es ist ein Open-Air-Festival, dass regelmäßig von 25-30 000 jüdischen Kurden besucht wird, aber auch vom israelischen Staats- und Ministerpräsidenten. 1994 wurde das Festival sogar von israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin eröffnet5. Das Festival wird zwar heute noch gefeiert, doch wird es nicht mehr so viel besucht wie früher, was wahrscheinlich auf die mittlerweile vollständigen Assimilation Kurdistani-Juden in die Kultur der israelischen Juden zurück zuführen ist.

 


1Mit Kurdistanî-Juden bezeichnet die Wissenschaft jene Juden, die einst in Zetralkurdistan beheimatet waren, doch gibt es selbst heute noch zahlenmäßig beträchtliche Juden-Gemeinden in Ostkurdistan, in Kirmaşan, Hemadan und Erdelan (Provinz Kordêstan). Man konsultiere hierzu; Freiherr von Eickstedt, Egon; Türken, Kurden und Iraner seit dem Altertum, Stuttgart 1967, M. R. Izady; The Kurds, Washington 1992, Kapitel: Religion und Hennerbichler, Ferdinand: Die Kurden. Moson Magyaróvár 2004. 

 

2Ora Shwartz-Be´eri; Die Juden Kurdistans, ihre Gold und Silberschmiedekunst, in: Azadi Vol. I. s. 169-179.

 

3Allgemein sind sich die Wissenschaftler darüber einig, dass es sich bei den Aidabenen um ein Königreich der Assyrer handelte, dessen Fürsten aus ökonomisch-politischen Gründen zum Judentum konvertierten; Erstaunlicherweise behauptet Prof. Dr. Izady, dass die Adiabene mit ihrer Hauptstadt Arbela ein kurdisches Königreich gewesen ist, dessen Fürsten zum Judentum konvertierten. Auffällig ist dabei, wie ähnlich der Name Adiabene mit dem der Hadhbani-Kurden (ein alter Kurdenstamm vgl Hazbanî) ist. Die Hadhbani-Kurden, deren Spuren man bis in die frühe Phase unseres Zeitalters um Mosul zurückverfolgen kann, haben nachdem das Königreich der Adiabene untergetaucht ist, die Machtstellung um Mosul übernehmen können. Schon frühe Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass der Name Hadhbani sich von Adiabene herleiten könnte. Izady erklärt es in seinem Buch "The kurds" zu einer festgemachten Sache, dass die Adiabene Kurden waren und spricht von einem kurdischen Königreich der Adiabene.
In den frühen 5. Jahrhundert konvertiert die selbe Familie des kurdischen Fürstenhauses von Adiabene vom Judentum zum Christentum. Die umfangreichen kirchlichen Archive in ihrer Hauptstadt von Arbela (moderne Arbil/Hewlêr), sind wertvolle Quellen für die Geschichte Mittel-Kurdistans, aus der Mitte der Parthiarzeit (ca. 1.
Jh. n. Chr.). Kurdisch Christen, wie ihre jüdischen Vorfahren, verwendeten das Aramäische für ihre Aufzeichnungen und Archive sowie als Kirchensprache (Vgl. Izady: Religion). Dies hat manche Historiker auf die Idee gebracht hat, sie als Aramäer zu betrachten. Doch in der Tat, selbst die altaramäischen Quellen geben über kurdische Christen in Zentralkurdistan Auskunft, welche eben auch die Hadhbani sein könnten.

 

4Vgl. Ora Shwartz-Be´eri, s. 170.

 

5Kameran Karag: Kurdische Juden in Israel, in: Kurdistan Heute, Vol. 10, s. 21-22. 


Saharane (Das Sommer-Festival der Kurdistani-Juden)

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