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Allgemeine Geschichte: Sencabî (Sincawî, Senjabî)
Geschrieben am Dienstag, 11. März 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Die Sencabi (auch Sincawi, oder Senjabi genannt) gehören zu den yarsanistischen Kurdenstämme der Region Kirmashan und stellen neben den Kelhur(a) die zweitgrößte Konföderation um Kirmashan dar.

Die Sencabi, die einen sprachlich genetischen Ursprung mit der südlichen Gruppe der Kurdenstämme, den Kelhur, aufweisen(b), sehen ihre Wurzeln laut ihrer oralen Erzählungen in Schiraz: „Die Sencabî, die längs der irakisch-iranische Grenze bei Qesra-shirin wohnen und im Sommer in das Becken Mahidesht ziehen, rühmen sich, ein Zweig der Lek´s zu sein. Hier habe Schah Abbas ihren aus Schiraz geholte Vorfahren Wohnsitze angewiesen."(c) M. K. Mokrî, ("Ašayer-e Kord," Yadgar 5/1-2, s. 85) glaubt, dass die Sencabî erst zu Beginn des 20 Jhr. aus Fars in ihrem heutigen Siedlungsgebiet imigriert haben. Tatsächlich erwähnte schon Marco Polo ein Königreich der Shabankara in der Umgebung von Fars(d), von denen man annimmt, dass sie kurdischstämmig waren. Heute finden wir eine Stammeskonföderation namens Shabankara die nordöstlich von den Sencabi beheimatet sind und auch sprachliche Gemeinsamkeiten aufweisen.

Tatsächlich werden die Sencabî ,trotz ihrer heute nicht übersehbaren Größe, von Sheref Xan in seinem Sherefname nicht erwähnt. Bis in die 20iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten die Sencabî eine relativ unbedeutende Rolle unter den Stämmen um Kirmashan und waren anderen Stämmen unterworfen, bis ihr Anführer Qasim Khan, von den Briten gefördert, einen Bund mit dem Oberhäuptern des Qalxanî (Xelkanî) Reshîd Sultanê Qalxanî-Konföderation bildete, und eine Zeit lang gegen den Welatbegî (Waladbagî) Stamm kämpfte, mit denen sie vor Jahrzehnten in Konflikt geraten waren, da diese das Sommerquartier der Sencabî besetzt hatten.
Die Waladbagî dagegen konnten sich ihrerseits auf die Hilfe der mächtigen Kelhur erfreuen. Dieser Konflikt dauert laut McDowall´s, einige Jahre bis ein Teil der Waladbagi unterworfen wurden.
In dieser Epoche, in der die Region seine gegenwärtige ethno-politischen Gestalt annahm, gelang es den Sencabî ihren Einflussbereich auszudehnen und eine Konföderation, die heute noch besteht, aufzubauen.
In der Pahlaviära wurden die Sancabî zum Sesshaftwerden gezwungen, und mussten wie alle anderen Stämmen ihr Nomadenleben aufgeben.

Die Sencabî leben heute in der Provinz Kermanshah, zwischen Hawraman und Mîhadesht, nordöstlich von Kirmashan-Stadt und zerfallen in folgende Zweige (Izady 1992):


Ebbaswend
Elîwend
Allahyarxanî
(Îlahîxanî)
Baxî
Bawan
(oder Bawend vermutlich Abkömmlinge der einstigen Großen Baban-Konföderation.)
Çelawi (Çelebî)
Dataca
Dewletmend
Derhawar
Heqnazarxanî
Celalawend
(Celalwend)
Kelalawend (Kelalwend)
Keka
Hoşrawî
Kolkol
Nêzka
(auch als Tergan bekannt)
Simînwend
Sufî
Surxakî
Surhawend

Alle Sencabî sind ausnahmlos Anhänger der kurdischen Religion Yarsanismus und sprechen die Mundart Sencabî ("die Sprache der Sencabî), die nach ihnen benannt ist. Die Mundart der Sencabî ist ein Mischdialekt aus Kelhurî und Hewramî, jene Dialekte der Yarsan-Kurden(e). Bazil Kikitin „Kürtler" (1 – 2 Verlag Deng) schreibt über die Sencabî: Nur der Name dieses Volkes kann Moslem sein, denn weder halten diese Andacht, noch führen sie Waschungen durch, noch fasten sie, noch unterstützen sie die Mullah’s. Nach meinem Glauben wäre das in den Augen Allah’s und des Propheten eine grosse Gunst, wenn man die alle Lynchen würde".


(a) Siehe: Kelhur

(b) Siehe: Kelhuri

(c) Grothe, Hugo: Bevölkerungselemente Persiens. IN: Orientalisches Archiv 1.1., Leipzig, 1910, S. 18-25

(d) Shabankara, Name eines kurdischen Stammes und des von ihnen bewohnten Gebietes. Ibn al-Athirhat Shawankara; Marco Polo: Sancara. Nach Hamd Allah Mustawfi wurde das Shabankara-Reich von Fars, Kerman und dem persischen Golf begrenzt. Heute bildet es einen Teil von Farsistan; moderne Karten zeigen ein Dorf Shabankara in Fars. (E. I. 1932: S. 258 ff.) Laut Izady gab es eine Assimilation der Shabankaras in Richtung einer großlurischen Gruppe: "Der Prozess ist ein wertvolles lebendes Beispiel der Dynamik, durch die das gesamte Südzagros dauerhaft von den Kurden seit der späten mittelalterlichen Periode verloren worden ist: eine ethnische Metamorphose, die Luren, Celus, Mamasanis und Shabankdras in eine neue ethnische Gruppe umwandelte (die groß - Lurishe Gruppe), und Unabhängiger von den Kurden machte." (Izady 1992; 174 ff.)

(e) Im Süden Kurdistan´s gibt es verschiedene Stämmen, die sog. Mischdialekte sprechen. z. B Der Kakaî Stamm spricht einen Mischdialekt aus Hawramî und Kelhurî, dagegen sprechen die Sencabî einen Mischdialekt, der divers eingeordnet wird, von einigen wird er zum Hawrami gerechnet, von dem anderen wiederum zu Kelhurî. Es gibt auch weitere Stämme, deren Dialekte vom einen oder anderen Dialekt sehr beeinflusst worden sind, zu denen gehören in Germîyan folgende Stämmen: Shêx Bizin, Hemewend, Lek, Zengene etc. in Gûran: Goran, Bajalan, Zend etc. in Hawraman: Sencabî, Jaf, Rostamî etc. die Stämmen sprechen Mischdialekte je nach Gebiet mit welcher Gruppe sie in Kontakt kommen. Mal Soranî mit Hawramî gemischt, mal Hawramî mit Lekî oder Kelhurî usw..

Sencabî (Sincawî, Senjabî)

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