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Geographie/Demographie: Sinti/Roma in Kurdistan und Luristan
Geschrieben am Freitag, 03. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Geographie

1. Zur Begriffserklärung der Sinti und Roma und Kurdistan

 

Die letzten freien Menschen - Die Sinti und Roma sind ein nomadisches Volk, welches ursprünglich aus Indien stammte. Im Laufe der Zeit wanderten sie immer weiter Richtung Westen, wo manche Gruppen unter ihnen auch in den verschiedenen durchwanderte Regionen verblieben. Die Sinti und Roma sind nicht Angehörige eines einzigen Landes, sondern sie haben sich beinahe über die ganze Welt verbreitet. In allen Ländern Europas bilden sie eine ethnische Minderheit, weil sie eine eigene Sprache und Kultur haben. Sie gehören meist aber auch zur sozialen Minderheit, da  sie in ihren Lebensweisen und Werthaltungen Unterschiede zur Mehrheitsbevölkerung aufweisen und weil sie meist auch wirtschaftlich und sozial benachteiligt sind. Ihr Sprache ist mit dem Sanskrit eng verwandt und weist Gemeinsamkeiten mit der zentral- und nordwestindischen Sprachgruppe auf(1)



2. Zusammenhang zwischen Kurden und den Roma und Sinti

 

Verschiedene Quellen geben immer wieder die gleiche Geschichte an, wie heute verschiedene Volksgruppen auf kurdischem Gebiet, die man mit den Roma in Verbindung bringt, dorthin kamen. Zu diesen Gruppen gehören zum Beispiel die Luti, Qeriçi, Motreb, Mirtib, Luli, Lom, Dom oder auch in manchen Theorien die Luren.

Fakt ist, dass die Roma aus Indien kamen und nach Persien einwanderten. Wann das geschah, und wie lange sie blieben, und was sie hinterließen ist leider nicht erforscht, da die Roma keine schriftliche Historie aufweisen können.

Es gibt aber drei alte schriftliche Quellen, die sich damit befassten:
Die erste Quelle stammt aus dem Jahr 961 unserer Zeit von dem arabischen Historiker Hamza al-Isfahani. Er berichtet über den Schah Bahram V. Gur (420-438 u.Z.), der 12.000 Sänger vom indischen König für sein Land bat, da es im eigenen Reich an diesen mangelte. Diese Musiker verteilte Bahram Gur im ganzen Land und sie assimilierten sich dort und gründeten auch Familien mit den Einheimischen.
Die 2. Quelle stammt von Firdausi, der 10.000 Musiker in seinem Shahnameh erwähnt. Fardausi geht sogar soweit, dass er die Einwanderer als Luri
(2) bezeichnet. Er erzählt über sie eine interessante Geschichte: Nachdem die Luri in Persien ankamen, soll der Schah jedem von ihnen einen Ochsen, einen Esel und Saatgut geschenkt haben, dass sie sich ansiedeln konnten. Die Luri aber hätten alles verspeist und kehrten ein Jahr später zum Shah zurück. Der war natürlich sehr erbost und schickte sie sodann in die Verbannung. Dies sei der Grund dafür, dass die Luri heute noch als Nomaden durchs Land ziehen.
Die 3. Quelle stammt aus dem Jahr 1020, also nur 9 Jahre danach. Der Historiker Al-Talibi, nahm in seinem Werk „Die Geschichte der Persischen Könige“ einen persischen Text, den er ins Arabische übersetzte, mit auf. Dort wird ebenso von den Luri berichtet, die als Musiker von Indien nach Persien kamen. Der einzige Unterschied, der hier besteht ist, dass Al-Talibi nur von 4000 Luren spricht.
Diese Berichte passen auch sehr gut in die damaligen geschichtlichen Ereignisse in Indien. Zwischen 415 und 500 u.Z. fielen die „weißen Hunnen“ in Indien ein und so könnte man eine Wanderung dort ansässiger Völker gut erklären. Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass die nomadische Luren und die Roma ähnliche Lebensweisen haben und damit auch verwechselt werden können. Eine klare Aussage kann es also nicht geben. Außerdem muss man anführen, dass die Sprache der heutigen Roma und die Sprache der Luren sehr unterschiedlich ist und man schwer eine Verwandtschaft herstellen kann
(3).

 

Die Relation zwischen den Kurden und den Roma und Sinti wird auch von Minorsky in der E.I(4) in seinem Aufsatz über die Angehörigen dieses Volkes in Kurdistan Persien(5) und Aserbaidschan(6) ziemlich detailliert behandelt und wirft einige Hypothesen auf.

 Ein vermutliches Bündnis zwischen den Luli(7) und den Kurden geht auf das 13. Jh. zurück, wo die ersten Dynastien der Kurden in Luristan(8) und im heutigen irakisch-iranischen Grenzgebiet entstanden sind. Dabei sollen die Luli den kurdischen Lokaldynastien der Luri Kucik und die der Luri Bozurg (oder auch Fedlewiden oder Hazarhaspiden genannt) Rückrat geboten haben und wichtige Partner gewesen sein, bevor sie von den Kurden plötzlich angegriffen und vertrieben wurden. Weiterhin argumentiert Minorsky damit, die Früchte dieses einstigen Bündnisses in der heutigen kurdischen Ethnogenese wiedergefunden zu haben. Seine Argumente beziehen sich vor allem auf die Stammesstruktur der Kurden. "Ein kurdischer Stamm im Nordirak trägt den vielsagenden Namen Sindî (Sindîyan)." schreibt Minorsky, damit weißt Herr Minorsky vermutlich auf eine wohlmöglichen Abstammung dieses Kurdenstammes von den Sinti hin.

 Dieser Hinweis von Minorsky erweist sich durch eine Behauptung von den kurdischen Historiker Şerefxane Cizîrî(9), der der Ansicht ist, dass die in dem kurdischen Nationalepos Mem û Zin(10) in Cizre erwähnten Musiker ebenfalls Roma und Sinti waren, und da Cizre unweit von den Siedlungsgebieten des Sindistammes liegt, mehr als nur eine bloße Theorie.

 In der Kurdenchronik(11) von dem Fürsten von Bitlis, Şeref Khan wird folgendes über die Fürsten des Kurdikan Stammes, ein Kurdenstamm in der Türkei und Nordirak, gesagt; die Fürsten seien im eigentlichen von dem Stamm der Zirkan, doch ihre Mutter soll eine "Zigeunerin" gewesen sein, weswegen sie von den anderen nicht gern gesehen wurden. Diese Tatsache findet man heute noch, zwar etwas phantasievoller, in einer Erzählung der Kurden in Mardin, wieder.

 Ein weiterer kurdischer Stamm im heutigen Luristan trägt ebenfalls einen Namen, der fast mit der persischen Bezeichnung der Roma und Sinti (Çîngene/Tschiingene(12)) identisch ist. Dieser auch in dem oben erwähnten Werk von Şeref Khan beschriebener Stamm heißt Chegînî oder Chîgînî. Bedlisi (S. I. 189) und Eskandar meinen (I, S. 141; Üb. Wohlschmeckend, I, S. 227), es ist ein kurdischer Stamm - jedoch schlug O. Mann (S. Xxiv) vor, dass der Name Cheginî mit der Bezeichnung für Zigeuner zusammenhängen konnte, Chîngina (woher Feld tsigane, Ger. Zigeuner, usw..) und interessanter Weise unterstreicht Rabino (1928, S. 77), dass die Zigeuner von Astarabad, eine Stadt in Luristan, häufig als Chigini benannt werden.

Seltsamerweise trägt ein benachbarter Stamm mit den Chiginî einen ebenfalls auf "Zigeuener(13)" hindeutenden Namen. Dieser Stamm wird Zengene oder Zangana genannt. In Sherefnama werden sie unter den drei großen Hauptstämmen der Kurden in Persien genannt, sprich zu den Gūran und sollen in der Gegend um Kermanshah wohnen. Einer der Statthalter der Gūran war von diesem Stamm. Charmoy, der erste Übersetze des Sherefname ins Russische dagegen zählt sie zu den Sinti und Roma, wegen ihrer Namensähnlichkeit „tsiganes“ und sieht ihren Ursprung in Indien, die nach Persien einwanderten und sich im 5. Jahrhundert in Kermashâh niederließen.

Des weiteren existierte bis zum Beginn des 20 Jh. unter den Kurden eine geheime den Yeziden ähnlichen Sekte, die ihren Namen vom arabischen Wort für Sonne, Shams, hatte. Die Shemsî (Sonnenanbeter), deren Existenz auch in westlichen Quellen bestätigt wird, behaupteten aus Indien zu stammen und verehrten die Kuh als heiliges Tier sowie andere Tiere.

Doch all diese Beispiele geben keine Abbildung von einer Gesamtdarstellung in Bezug auf die Relation zwischen den Kurden und den Sinti und Roma ab. Sachdienlich wäre auch die Erwähnung eines uralten Brauchs der Kurden, wo die Geschichte der Wandermusiker unter den Kurden auf Jahrhunderte zurückgeht. Die kurdischen Wandermusiker werden zuweilen auch mit den Sinti und Roma gleichgestellt, obwohl sie nur Kurdisch sprechen die Shagari, so der Name der kurdischen Wandermusiker, sind in ihrer Interpretation und in ihrem Entertainment mitSinti und Roma beinah identisch.

 

 

3. Volksstämme auf kurdischem Boden mit eventuellem Sinti/Roma-Ursprung

 

3.1.Die Süzmani oder Dom, Dûman

 

Im zentralen Kurdistan um Kirkuk und Altun-Köprü werden die Sinti und Roma Süzmani genannt, und sprechen hauptsächlich kurdisch. Laut Minorsky gaben sie sich vor ca. 100 Jahren noch als DÜMAN=DOM aus, der bekannte Name einer unteren Kaste in Indien, aus dem der bekannte Name der Zigeuner "Dom=Rom"a entstanden ist.

Der Kurde Prof. Izady 91;81 erwähnt einen Stamm im zentralen Kurdistan, der den Namen Dûma (Dûman) führt, wobei es sich hier wahrscheinlich um den von Minorsky erwähnten Stamm der Roma handelt,. der in diesen Prozess jetzt vollständig kurdisiert und sesshaft geworden ist.

Die schon 1856 von Newbold gesammelten Sprachproben von einem Düman (in ihrer eigentlichen Sprache) aus Altun-Koprî, ist voller kurdischer Wörter: Kêwir "Stein", Xoy "Salz", Lawik "Knabe" usw. Die sprachliche Assimilation der Düman Richtung kurdischer Sprache scheint im 17. oder 18. Jahrhundert seinen Lauf genommen zu haben und im letzten Jahrhundert wurde es vollendet. Gegenwärtig sind die Düman eines von gewöhnlichen Kurdenstämme, die Kurdisch sprechen und von ihrer Status her als Kurden gelten.

Einige Gruppen der Dom, sind in den kurdische Provinzen in der Türkei, in Batman, Mardin und Hakkari zu finden. Die Dom in den oben erwähnten Provinzen sprechen einen Dialekt, der mit dem der Roma nicht identisch ist und  sogar große Unterschieden aufweist. Die Sprache der Dom wird Domari genannt und ist vom Aussterben bedroht, da die meisten Dom in Hakkari, Mardin und Batman mittlerweile nur noch den Kurmanci-Dialekt des Kurdischen sprechen(14).

Das Schicksal dieses Volkes in Kurdistan ist, wie das der Roma in Europa, denn die Dom werden von den Kurden als Menschen zweiter Klasse angesehen. Einem Bericht von Bianet zufolge leiden die meisten Dom darunter, von der Gesellschaft ausgeschlossen leben zu müssen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich durch musizieren und Feldarbeiten. Die kurdische Freiheitsbewegung brachte neue Verhältnisse in der Dom-Gesellschaft, da viele Dörfer von den türkischen Militärs geleert wurden, emigrierten auch die Dom in die Städte. Gequetscht ins harte Leben der Slums, versuchen die Dom heute in Nusaybin, Batman und Hakkari zu leben. 

 

3.2 Die Qereçî oder Aşik

 

Die Qereçî, so werden die Roma/Sinti in Aserbaidschan und Nordkurdistan genannt. Der Name Qerechî kommt Minorsky (E.I: Lûlî) zufolge aus dem Chagtaî-Türkischem und bedeutet; Wächter, treuer Diener. Aşik dagegen kommt aus dem turkmenischen und bedeutet „Wandermusiker“. Das ist eine Art Alternativbezeichnung für Qereçî, da meist Qereçî im Sinne von „Zigeuner“ gebraucht wird.

Die Qereçî in Kurdistan sind auch vor allem Wandermusiker. Traditionell spielen diese Wandermusiker die Musik, die ihre einheimischen Auftraggeber sich wünschen, und zwar mit den Instrumenten, die in der jeweiligen Region am beliebtesten sind. Sie spielen Kemençe in Mardin, Baglama/Tenbûr in Tunceli und Geige in Erdelan. So sind die Qereçî in der Region Mardin, wo Kemençe den musikalischen Rhythmus bestimmt, exzellente Kemençespieler, die auf keiner Hochzeit fehlen dürfen. Auch sprachlich sind die Qereçî bekanntlich, wie ihre Volksleute in Europa, äußerst anpassungsfähig und sprechen je nachdem mit welcher Gruppe sie in Berührung kommen, lokalkurdische Dialekte. In Norddêrsim(15) und Siverek sprechen sie neben ihrer Sprache fließend Kirmanckî, in Torê, Şîkak, Botan usw. Kurmancî, in Soran, Erdelan usw. fließend Soranî(16). Traditionell behaupten manche Qereçî auch Mitglieder der lokalen Kurdenstämmen zu sein und beanspruchen die kurdische Identität für sich.

 Die Geschichte dieses Volkes und ihrer traditionellen Stellung innerhalb der kurdischen Gesellschaft, bedingt durch kulturellen Austausch, scheint eine lange Vergangenheit aufzuweisen. In einigen altkurdischen Liedern, gewidmet dem Mîr von Hakkarî aus dem 15. Jh., werden die Qereçî erwähnt(17).

 Mal werden sie im negativen Sinne erwähnt, mal im positiven Sinne. Zwei kurdische Sprichwörter besagen:

Keyna qereçî xatunî nêbena, bibojî pizey ci mird nêbeno – aus ein Mädchen der Qereçî kann nie eine Ehefrau werden, da sie nie satt wird (aus Siwerek) oder Jina qereçî xatun nabe – aus einer Qereçî Frau kann niemals eine „Dame“ werden. (aus Bahdînan) 

In vielen kurdischen Märchen und Legenden dagegen werden öfters, mutige und weise Qereçî erwähnt. 

 

 

3.3. Die Luti

 

Die Luti sind eine Volksgruppe im Iran, die vorwiegend im Gebiet von Luristan und Bakhtaran leben(18). Die Luti werden im Iran auf etwa zwei bis dreitausend Menschen geschätzt, wobei etwa 1000 von ihnen in Luristan ansässig sind. Die meisten von ihnen leben auf dem Land und nur sehr wenige in den Städten, in der Hauptstadt, der Provinz Lorestan=Luristan Khurramabad leben nur 50 bis 100 dieser Volksgruppe(19). Die Luti sind meist bilingual und sprechen Luri und Farsi. Wie bereits erwähnt, stirbt ihre Sprache aus, so konnten die Luti schon 1975 nur noch einzelne Wörter in ihrer Sprache nennen. Ihr Sprache selbst wird Lutiyuna (Sprache der Luti) oder auch Darvisi genannt. Die wenig gesammelten Beispiele lassen erkennen, dass Luti keine nahe Verwandtschaft mit dem geographisch benachbarten Luri aufweist.
Es gibt Thesen, die das Luti zu den indischen Sprachen zählen und das Volk, wahrscheinlich auch wegen ihrer Lebensweise, zu den im Iran lebenden Roma. Die dürftige Ausbeute linguistischer Beispiele geben dieser These allerdings kein klares Fundament.

 Auch Ethnologue gruppiert die Sprache der Luti zu Domari oder auch Mittelromani genannt, das zur iranischen und zentralindischen Sprachgruppe gehört oder auch zentrales Sinti. Engverwandt sind damit Punjabi und Rajastani, was in Pakistan und Indien gesprochen wird. Gruppen von Domari-Sprecher findet man in im vorderen Orient, aber auch Indien, Pakistan, Afghanistan aber auch im Kaukasus, Usbekistan und sogar im Norden vom Sudan(20).

 

 Hier einige Beispiele:

Deutsch | Luri | Farsi | Luti | Romani im Iran
Hund | sag | sag | sanuta | sanafta
Auge | tiya | çeshm | nahur | nahur
Pferd | asb | asb | goura | ghora
Ochse | gow | gov | tirang | tirang
Brot | nu | nan | mana | mana
Mann | peya | mard | mones | mones
Tochter | doxtar | doxtar | dontaz | dontaz
Bruder | brar | brather | bri
Mutter | da | mather | daghes
Vater | bowa | padar | baghes
Sohn, Junge | kor | pesar | kala
gut | xo | xob | dax | xabeh
Führer| kexa | kadxoda | gowari
Nacht | show | shab | rad | lail (arabisch)
Schlagen | ab-za | ae-zan | batavar | taburdan

 

Ihre Einnahmequellen kommen vor allem aus dem Musizieren und dem Betteln. Als Musiker sind sie berühmt aber auch gefürchtet, denn die Luti sind für ihre satirischen Lieder bekannt. So geben die Nachbarn den Luti gutwillig Geld und Geschenke, da sie Angst haben, Hauptperson ihrer satirischen Lieder zu werden.

Wohl vor allem durch ihre Lebensweise gelten die Luti als Ausgestoßene in der Gesellschaft. Deshalb ist es für sie undenkbar eine Verbindung mit einem benachbarten Volk einzugehen, wohl vor allem aus diesem Grund sind die Luti endogam. Sie leben in monogamer aber auch polygamer Beziehung.

 

 

3.4. Die Motreb

 

Eine weitere Gruppe, die zu den Roma auf kurdischem Gebiet gehören, sind die Motreb. Der Name kommt vom arabischen Mirtib, was wiederum „Musiker“ zu bedeuten hat.

Der Mythos erzählt, dass die Motreb die Nachfahren von Ka und Li , einem Geschwisterpaar sind. Aus diesem Grund werden sie auch manchmal Kawali genannt. Die Luren bezeichnen die Motreb als „Unreine“, da sie manchmal auch Schweinefleisch essen sollen. Deshalb vermeiden sie jede Berührung mit ihnen(21).
Schon von je her haben die Motreb weder Grund und Boden noch große Herden besessen. Geld oder Nahrung erhalten sie, in dem sie auf den Lurischen Festen, wie zum Beispiel Hochzeit oder Beschneidungszeremonie, musizieren, bei den Erntearbeiten helfen oder andere niedrige Arbeiten verrichten. Zum Beispiel in Teşkan, wo die Şiravand
(22) leben, sind die Motreb die einzigen, die dort Instrumente spielen, da die anderen keine Instrumente berühren dürfen.
Bei den Motreb kann man zwei Gruppen unterscheiden – eine seminomadische und eine sesshafte Gruppe. Da auch hier die Nomaden in der Gesellschaft die unterste Stufe einnehmen, erhofften sich die Motreb vor allem einen Aufstieg in der Gesellschaft als sie das Nomadentum aufgaben. Oftmals sind sie total assimiliert und lehnen es auch selbst ab, als Motreb bezeichnet zu werden. Diese Assimilation geht sogar so weit, dass manche von ihnen nie wieder Musikinstrumente berühren oder gar musizieren. Es kann vorkommen, dass in einer Familie Musiker und Mitglieder, die dem Musizieren abschwuren, zusammen leben. Das Geld, was dann die Musiker auf den Festen verdienten wird aber zu gleichen Teilen in der Familie verteilt.
 

 



(1)Verdorfer M., UNBEKANNTES VOLK SINTI UND ROMA, Texte zum Kennenlernen
(2)Die Gruppe der Roma-Sinti in Balutschistan. Doch, sprechen diese in Balutschistan nicht Romani sondern einen Balutusche Dialekt, der ebenfalls Luri gemeint wird, aber ihre Kultur und Lebensweise entspricht, die der Roma und nicht den sesshaften Balutschi Stämme.

(4)Siehe Artikel Luli von Minorsky IN: Enzyklopeadie des Islam.

 (5)Mit Persien sind die heutige Gebiete um Teheran und Fars im Zentraliran gemeint.

 (6)Mit Aserbaidschan ist nicht wie vermutet die heutige Republik "Aserbaidschan" gemeint, sondern die Region im nördlichen Iran, deren Name in der medischen Terminologie verwurzelt ist, und "das Land des Feuers" bedeutet. Die Region besteht aus Nordwestpersien, Autonome Republik Nachtchivan und den südlichen Teilen der heutigen Republik Aserbaidschan.

 (7)So werden die meisten Roma und Sinti im Iran genannt. Der Name soll angeblich mit Luri in Verbindung stehen. Siehe dazu F. 1, 3

 (8)Luristan = Das Land der Luren, dieser Terminus bezeichnet heute die iranische Provinzen, Lorestan, Tschahār Mahāl und Bachtiyārī, Kohkiluyeh und Buyer Ahmad sowie Teile von Chuzistan, Fars und Isfahan. Es ist die Heimat der Lurstämmen. Obgleich die Luren ursprünglich zu den Kurden gehörten, wurden diese spätestens im 16. Jahrhundert durch den Persern Assimiliert. Ihre Sprache Luri, heute ein Dialektcluster, ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem deutschen Orientalist Oskar Mann (Siehe Oskar Mann, Mundarten der Lur-Stämmen 1910) untersucht wurden, dabei stellte er die „tiefergehende Scheidung“ von Kurdisch und Lurisch, und die sprachliche Anneigung der Luren zu den Persern, fest.

 (9)Siehe Cizirî, Tarih ve Uygarlik, Istanbul 1997.

 (10)Ehmedê Xanî (Ahmad-i Chani), Autor des kurdischen Epos Mam u Zin (Mam o Zin) genannt nach seinem Stamm „Xanī“ ist 1651, in der Provinz Hakkarī (Cholêmerg) Geboren. Er zog mit seiner Familie nach Dogubeyazit (Bazīd), wo er 1706 starb. Seit dem Beginn des 20.Jahrhunuderts wird Ehmedê Xanî´s „Mem u Zin“, als kurdisches Nationalepos, sein Verfasser als frührer kurdischer Nationalist gerühmt. Vgl. Yayla Mönch-Bucak und Martin Strohmeier, Die Kurden...

 (11)Dieses Werk heißt Scharafname (Kurdisch: Şerefname) und ist 1597 von den oben erwähnten Fürsten verfasst worden. Siehe: Izady, M.R. 2005: The Sharafnama. Or the history of Kurdish nation 1597.Costa Mesa, California

 (12)Çîngene bedeutet, auch wenn es mit höchster Wahrscheinlichkeit denselben etymologisch Wurzeln, wie dem Deutschen „Zigeuner“ hat, im eigentlichen nur „Musiker“, doch wird Çîngene im Sinne von Zigeuner verwendet. In der Sprachgebrauch der Kurden verwendet man jedoch Chîngene Synonym mit Qereçî. „...mit diesem Namen verbinden sich viele Klischeevorstellungen, Zigeunermusik, der spanische Flamenco, die virtuose Geigenmusik ungarischer Zigeuner und die Romantik am flackernden Lagerfeuer. Schwerwiegender sind Vorstellungen und Beschuldigungen, die auch heute noch oft bedenkenlos geäußert werden: Die Zigeuner sind Landstreicher, sie sind schmutzig, sie betteln, sie stehlen und sie betrügen...“ www.zigeuner.de (letzter Besuch am 16. 02. 08). In Kurdistan verbindet man mit ZigeunerInnen, Bettler, Diebe, Musiker und Mysteriöse Menschen die Menschen ermorden und Kinder verschleppen.

 (13)Zigeuner [vermutlich aus byzantinisch-griechisch athinganoi »Unberührbare« oder aus lateinisch cingari bzw. arabisch samkeri »Blechschmied«], auch Sinti und Roma, im deutschen Sprachraum vorherrschende Gesamtbezeichnung für fast weltweit verbreitete, in Europa v. a. in den Balkanländern (mit zum Teil bis 10 % der jeweiligen Gesamtbevölkerung) beheimatete Minderheitsgruppen. – Zahlenangaben zu den Zigeunern schwanken aufgrund umstrittener Zugehörigkeitskriterien stark (weltweit etwa 2–20 Mio.). – Von einigen Gruppen wird die Bezeichnung Zigeuner (und ihre Entsprechungen in anderen Sprachen wie englisch Gypsies, französisch Tsiganes, spanisch Gitanos, rumänisch Ţigan, ungarisch Cigány, russisch Cigan) als diskriminierend abgelehnt, weil sie ein soziales Gefälle zum Ausdruck bringt. (Enzyklopädie Brockhaus, Stichwort: ZIGEUNER)

 14)Emine Özcan, 03.12.2007 auf: http://www.bianet.org/ 

 (15)Laut einer Reportage von 23-07-2001 Özgür Politika bekennen sich die Qerecî in Dêrsim wie die Lokale kurdische Bevölkerung zum Alevitentum

 (16)Wobei ein Freund von mir, ein jüdischer Kurde aus Sine, behauptete, dass die Qereçî in Ûrmîye und Sine nicht den lokalen kurdischen Dialekt sondern das Lekî bzw. Feylî sprechen, welcher weiter südlich von dieser Region gesprochen wird. Dies wiederum steht mit der Kultur der Qereçî im Widerspruch. Es könnte sich aber bei ihnen tatsächlich um traditionelle kurdische Wandermusiker der Şargar handeln.

 (17)LOKMAN TURGUT, Cembelî fils du prince de Hekkarî, Online Publikationen des Seminars für Iranistik an der Georg-August-Universität Göttingen 2002.

 (18)Amanolahi, S. und E. Norbeck: The Luti, an outcaste group of Iran. IN: Rice University studies 1975, S. 1-12

 (19)Daten stammen aus dem Jahre 1975. S. F. 14

 (20)http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=rmt

 (21)Nadjmabadi, Ş. R.: Die Şiravand in West-Loristan. Doktorarbeit an der Univ. Heidelberg. 1975; S. 84ff


Sinti/Roma in Kurdistan und Luristan

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