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Allgemeine Geschichte: Theorien über den Ursprung der Luren
Geschrieben am Donnerstag, 23. Juli 2009 von rinret

Allgemeine Geschichte

Die Theorien, woher die Luren stammen, gehen in der Wissenschaft weit auseinander. Schon allein der Name weißt verschiedene Nennungen auf.

So gibt Grimes in der Ethnologue folgende Bezeichungen an: Luri, Lurî. Lori. Lurish. Löri, Lüri, Liiy. Ruliy. Der Name an sich soll „begeistert“ oder „begierig“ bedeuten. Laut Anonby, der hierzu einen Luri aus Yasuj befragte, stammt der Name von einem Bergpass, durch dem die Timuriden auf ihren Kriegszug Richtung Persien das erste Mal lurischen Boden betraten. Diese Erzählung weißt auf ursprüngliche Fremdbezeichnung des Namens hin.

Betrachtet man einmal die Sprache der Luren, kommt man auch hier auf keinen gemeinsamen Nenner. Wissenschaftler ordnen Luri zwischen Persisch, Kurdisch und eigener Sprache ein. Oftmals wird Luri als persischer Dialekt bezeichnet, da sich in der Sprache unendlich viele persische Lehnwörter wiederfinden. Ethnologue ordnet Luri dagegen als eigenständige Sprache ein und zählt sie zur südwestiranische Sprachgruppe. Die Sprache an sich ist ebenfalls nochmals untergliedert in Ost- und Westluri, wobei das Bakhtiyari eine besondere Stellung einnimmt. Hier geht Anonby sogar so weit, dass er sich die Frage stellt, ob es sich hier lediglich um Dialekte oder doch drei unterschiedliche Sprachen handelt.

 

Eine andere Untersuchungsmethode wandte die Universität von Shiraz an, die die verschiedenen lurischen Stämme auf genetischer Basis untersuchten. Das Ergebnis brachte eine wichtige Erkenntnis zu Tage. So sind die Bakhtiyari, die schon Anonby als gesondert unter den lurischen Dialekten einordnet genetisch von den anderen Lurischen Gruppen weiter entfernt. Die Forscher der Universität von Shiraz erklärten dies, mit der Möglichkeit, dass die Bakhtiyari sich eventuell mit anderen im Zagros lebenden ethnischen Gruppen vermischt haben können.

 

Betrachten wir das ganze nun mal auf historischer Ebene.

Da die Bronzefunde in Luristan auf eine sehr weit zurückgehende Siedlungsgeschichte hindeuten, sehen einige Wissenschaftler die Luren als „Ureinwohner“ dieser Region, während andere die Luren als eingewanderte Nomaden Innerasiens betrachten.

E.J. Anonby hat während seiner Feldforschung in Luristan eine Geschichte von einem Feyli aufgenommen, die besagt, dass es einst drei Brüder gab, aus deren Nachfahren die Kurden, Luren und Bakhtiyari entstanden. Edmonds hat einen sehr mythischen Ursprungsmythos gehört, der die Luren mit Fabelwesen in Verbindung bringt.

Wie erwähnt sehen einige Wissenschaftler die Luren als nomadische Einwanderer nach Luristan. So existiert die Theorie, dass sie von den Ariern abstammen und von Zentralasien über die kaspische Region nach Luristan einwanderte. Dort assimilierten sie sich mit den ansässigen Völkern wie den Elamiten und später mit den indoiranischen Volksstämmen.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass mit der Islamisierung dieser Regionen arabische Stämme durch Luristan kamen und dort auch ansiedelten. So ist es heute nicht mehr verwunderlich, dass einige Luren behaupten, ursprünglich zu einem arabischen Stamm zu gehören, wobei man dieses Phänomen ebenfalls bei ihren Nachbarn den Kurden findet. Später dann kamen die Turkvölker, Mongolen und Seldjuken in diese Gegend, die ebenfalls ihre Spuren hinterließen. Oftmals wurden während dieser Eroberungskämpfe ganze Volksstämme ausgelöscht. Hinzu kommen viele nomadische Stämme aus verschiedenen Regionen, die mit der Invasion der Mongolen von ihren ursprünglichen Weidegründen herausgerissen wurden und gezwungen waren, neue zu suchen. So siedelten viele Nomaden in Luristan an.

 

Die Mortensens wendeten eine andere Methode an, in dem sie das Nomadentum in Luristan untersuchten. Dabei legten sie ihr Augenmerk auf die Grabsteine im Hulailan Tal in Luristan und verglichen die dort verzeichneten Stammesnamen mit denen der antiken Namen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass das Nomadentum sich wohl erst mit dem Mongolensturm in Luristan entwickelt hat, was auch durch X. de Planthol Ende der 60iger Jahre bestätigt wurde, und die heutigen Stämme in Luristan nicht mit den antiken Stämmen identisch sind. Die Ausnahme bilden lediglich zwei Stämme, die der Dilfan und die Silsileh, deren Ursprung man auf das antike Zeitalter zurückverfolgen kann.

 


Quellen: Anonby: E.J.: Update on Luri: How many languages?. IN: Royal Asiativ Society of GB and Ireland 13.2. Cambridge 2003, S.171-197. Mortensen, I.D. und P. Mortensen: The origin of nomadism in Northern Luristan. IN AIO Vol.II, Gent 1989, S. 929-951 Mortensen, P.: Paleolithic and Epipaleolithic sites in Hulailan Valley, Northern Luristan. IN: Olszewski, Deborah. und Harold Lewis Dibble: The Paleolithic Prehistory of the Zagros-Taurus. Univ. of Pennsylvania 1993; S.159-187 Untersuchungen der Univ. Shiraz durch Dr. Sh. Farjadian. und A. Ghaderi: Iranian Lurs Genetic Diversity: An Anthropological View Based on HLA Class II Profiles. Shiraz. IN: Iran.J.Immunol. Vol. 3 No. 3 Sommer 2006.

Theorien über den Ursprung der Luren

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