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Literatur/Sprache: Thomas Bois
Geschrieben am Mittwoch, 17. September 2008 von Baran Ruciyar

Literatur

Thomas Bois, ein französicher Kurdologe und Missionar.



Thomas Bois wurde am 6. Mai 1890 als Sohn einer Familie mit acht Kindern in Dunkerque im Norden Frankreichs geboren. Sehr früh beschließt er Priester zu werden, und im Alter von 19 Jahren tritt er in den Dominikanerordnen ein. Er folgt dort dem normalen Gang der Studien, die dazu beitragen, seinen kritischen Verstand zu entwickeln und diesen in der Geduld erfordernden wissenschaftlichen Arbeit zu verankern.

Bereits 1927 schickt man ihn zu einer Mission nach Mossul in den Irak, wo er Beziehungen mit den Kurden aufnimmt, die er kennen gelernt und denen er seither das Beste seiner selbst widmet. n den Bergen Kurdistans lernt er die kurdische Sprache, die zu seiner Kenntnis des Aramäischen, Arabischen, Englische, Russischen, Italienischen, Griechischen und Lateinischen hinzukommt. Seine vollkommene Beherrschung der kurdischen Sprache erlaubt es ihm, "die Seele der Kurden", ihre Literatur, ihre Geschichte und das gesellschaftlichen Leben dieses stolzen und unbezähmbaren Volkes, unter dem "Pater Thomas" sehr viele treue Freunde zählte, besser zu verstehen.

1932 wird er zum Abt des Kloster von Mar Yacoub ernannt, einer schönen Niederlassung des Dominikanerordens mitten in Kurdistan, in einer wilden und bewegten Landschaft, die nur schwer zugänglich ist. 1936 zieht er in das neue Haus der Dominikaner in Qamishliye und Derbessiye in Syrisch-Kurdistan um. Das raue Klima des hohen Djezire ist eine harte Prüfung für die empfindliche Gesundheit von Pater Bois. Erschöpft muss er gegen seinen Willen Kurdistan verlassen, wo man seine Abreise sehr bedauert. Er lässt sich in Tripolis (Libanon) nieder, später in Beirut, wo er den Emîr Celadet Bedir-Xan und dessen Bruder Kamuran trifft, die beide unermüdlich an der kulturellen Widergeburt der kurdischen Kultur arbeiten. Thomas Bois nimmt an den Aktivitäten glänzender kurdischer und französischer Inte3lektueller teil, die die Zeitschriften Hawar (der Aufruf, 1932-1935; 1941- 1943), Ronahî (Die Klarheit, 1942-1944) und Roja Nû (Der neue Tag, 1943-1946) ins Leben rufen, und in deren Umkreisen intensiv an linguistischen, soziologischen, historischen und literarischen Studien gearbeitet wird, die über die Möglichkeit des (Nord-)Kurdischen als moderner Literatursprache Aufschluss geben. Die damals geknüpfte Freundschaftsbande wurde niemals schwächer. Er sieht mit dem Emir Kamuran Bedir-Xan noch einmal die kurdischen Übersetzungen der Sprüche Salomans (1947-1949), des Johannes Evangeliums (1951) und des Lukasevangeliums (1953) durch, die er für die Bibelgesellschaft angeliefert hatte.

Die erste Studie von Thomas Bois erscheint in Roja Nû (Beyrauth, 1945); sie ist dem großen dichter Cegerxwin gewidmet. In der gleichen Zeitschrift erscheinen nacheinander: Le Djebel Sindjar au début du XIXé siécle (Sep. 1945), La Citadelle des Khurs (Okt. 1945), L´âme des Kurdes á la lumiére de leur folklore (Dt. Übersetzung: Yekta Geylanî, kurdische Volksdichtung, 1985 Bonn).

 

Die Schrift markiert den beginn einer reichen und fruchtbaren Produktion auf einem Gebiet, das in Frankreich und Europa fast unbekannt war. Ebenfalls in den Cahiers de le´est erscheint 1946 seine Arbeit über die Yézidis et luer culte des morts. Unter dem Pseudonym "Lucien Rambout" erscheint 11947 in Paris in den Edition du Cherf les Kurdes et le Droit, des textes, des faits, ein grundlegendes Werk, das entscheidend das Kurdenproblem in der öffentlichen Meinung Europas aufwarf.

Im August 1950 wird Pater Bois der Mission von Mossul als Vorsteher zugewiesen. Noch einmal ist seine Gesundheit den Anforderungen nicht gewachsen, und er muss nach Beirut zurückkehren. Er macht sich an seine Forschungen und erweist sich als einer der bedeutendsten Kurdologen seiner Generation. er publiziert nacheinander in der Zeitschrift Al-Machriq, mehrere Artikel über die Kurden. Und darauf folgen weitere Beiträge bezüglich der kurdischen Kultur und Geschichte in verschiedenen Enzyklopädien. Die Übersetzung seines monomentalen Werkes "les Kurdes" erscheint 1966 unter dem englischen Titel "The Kurds" in Beirut.

1965 verliess er dem Orient und kam nach Paris, wo er sich bereit erklärte, Vorlesungen am Institut National des Langues et Civilisations Orients zuhalten, wo er mit seinem Unterricht Erfolg und eine breite Ausstrahlung genoss.

Die Redaktoren der Enzyklopädie des Islam baten ihn, den 1926 erschienen brühmten Artikel Kurdes et Kurdistan von Vladimir Minorsky, dem Vater der modernen Kurdologie zu aktualisieren. Der neue Artikel, ein historisches und soziologisches Denkmal, erscheint nach seinem Tod in der neuen Ausgabe der Encyclopedie de L´Islam, Band 5, Auflage 1985-86, Paris, 1981, pp. 441-448.

Nach einem Leben harter Arbeit stirbt dieser sehr bescheidene Mönch in der Nacht vom 4. auf den 5. September 1975 in einer Pariser Klinik an Herzversagen. Beispielhaft durch seine Ausdauer und seine Liebe zum kurdischen Volk, hinterlässt Pater Thomas Bois ein reiches und nützliches Werk.  

 

 

 


 

Quelle: J. Blau: Wer war Pater Thomas Bois? in: L´âme des Kurdes á la lumiére de leur folklore (Dt. Übersetzung: Yekta Geylanî, kurdische Volksdichtung, 1985 Bonn).

Thomas Bois

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