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Allgemeine Geschichte: Über die philologische Entwicklung des Begriffes »Kurd«
Geschrieben am Donnerstag, 23. Juli 2009 von Baran Ruciyar

Allgemeine Geschichte

Die Begriffe »Kurdistan« und »Kurd« waren häufig Gegenstand philologischer Untersuchungen. Ein Teil der Historiker nahm deren Ergebnisse zur Grundlage für ihre Auffassungen über den Ursprung der Kurden, ohne die anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu berücksichtigen.

Die philologischen Untersuchungen sind für uns von Bedeutung für die Auswertung altertümlicher Quellen und dienen auch zur Erforschung der geschichtlichen Entwicklung. Allein von der philologischen Seite her kann jedoch keine wissenschaftlich fundierte Auffassung über den Ursprung der Kurden entwickelt werden.

Die älteste uns bekannte Quelle, in der die Bezeichnung »Qarda« zum ersten Mal auftaucht, sind sumerische Tontafeln aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Wir finden dort die Formulierung »Land der Kar-da« oder »Land der Qarda«. So wurde das Gebiet von »Su« bezeichnet, das sich südlich des Van-Sees befindet.

Nöldecke behauptet, dass uns die Bezeichnung »Kardu« zum ersten Mal beim Zuge der Zehntausend begegnet.

Driver vermutet eine Beziehung zwischen der vorher genannten Form »Kar-da« und »Qur-ti-e« oder »Kur-ti-e«. Die Kur-ti-e lebten im Gebirge westlich des Van-Sees. Heute noch ist die Gebirgsgegend um den Van-See von Kurden bewohnt.
Er vergleicht »Kurd« mit dem persischen Wort »Gurd« (Held) und identifiziert beide Begriffe.

Durch folgende Untersuchungen der Bildung von »Kardu« will Driver beweisen, dass die Bezeichnung »Karduchen« und »Guti« oder »Gutu« nicht gleichzusetzen sind.

Die im ersten Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. vorhandenen Formen in der griechischen Literatur und in den lateinischen Quellen stellt Driver folgendermaßen zusammen:

Im 1. Jh. v. Chr.:
Cordueni Gordyene
Gordyaeus und Gordyaeä

Im 1. Jh. n. Chr.:
Gordyeni und Gordyene Cordueni
Gordyaeus Kordyaei Cordiaei(?)

Im 2. Jh. n. Chr.:
Gordyene Gordyaeus Korduene Kardynus

Im 4. Jh. n. Chr.:
Kardüeni Cardueni Kordyaei

Im 5. Jh. n. Chr.:
Cardueni oder Cordueni Corduena
Cordyena Kardueni

Bei patristischen Autoren:

Kardyens Cordulia

Formen in der Veröffentlichung von Barhebraus:
Qardü, Kardü, Qardawa'ye, Qurdäye, Kurdäye

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Nach der Trennung der Termini »Karduchen« und »Guti« bzw. »Gutu« setzt nun Driver das aus dem Altsyrischen stammende »qardawäye« mit »Karduchen« in Verbindung.

Die Stadt Jezirat-ibn-Umar, die Hauptstadt von Qardu, ist heute Siedlungsgebiet der Kurden. Qardu und seine Bewohner Qardawaye werden im Alten Testament erwähnt. Man findet dort die Bezeichnung »Land Ararat«(Kurdistan).

Ebenfalls im Talmud wird das Land von Qardü erwähnt, wo Abraham sieben Jahre lang gelebt haben soll.

Driver untersucht die Beziehungen zwischen Qardü und Karduchen:
Gäzartä d'Qardü, Gäzartä d'Qardwithä, Gäzartä d'Qardawäye

»Qardawäye« hat eine altsyrische Pluralendung. Es besitzt Ähnlichkeit mit »Kärduch« und »Gordiae«. Die hebräische Form mit Pluralendung lautet »Qardewäyin«.

Richtig scheint uns die Schlussfolgerung Drivers zu sein, dass folgende Begriffe auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind:

Qarda (oder Karda), Karduchi, Gortochi (und Gordi), Kardakes und Cyrtii, Gordyaei, Cordueni, Qardu und Qarda, Qardawäye, Qurdäye, Kartawäye und Kurdayyä.

M. Hartmann und Nöldecke vertreten die Ansicht, daß »Cyrtii« und »Karduchen« nicht identisch sind.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass in der Literatur vier Hauptformen zu finden sind:

1.Karduch(en)
2. Cyrtii
3. Karda
4. Guti

Mit Sicherheit können wir sagen, dass mit diesen vier Begriffen, die sich im wesentlichen nur durch die Pluralendung unterscheiden, die Altkurden gemeint sind. Die unterschiedlichen Namen kamen dadurch zustande, dass es mehrere Siedlungsgebiete gab, die voneinander isoliert waren.

Bei der Entstehung der Vielzahl der Bezeichnungen spielte wesentlich die Tatsache eine Rolle, dass Geschichtsschreiber verschiedener Länder und Sprachen aller Jahrhunderte sich mit dem Volk der Kurden beschäftigten.
Hauptsächlich unterscheiden sich die- Begriffe durch die Pluralendungen.

Im gegenwärtigen Sprachgebrauch können wir das an einer Reihe von Beispielen noch beweisen:

Al-Akräd (arab.)
Kürtler (türk.)
Kurdän (persisch)
The Kurds (engl.)
Die Kurden (deutsch)
Kurdwi (russ.)

Wenn heute diese verschiedenen Formen existieren, ist es nicht verwunderlich, dass in der Vergangenheit für den gleichen Begriff ebenfalls mehrere Formen entstanden waren.

 

 


Quelle: Zuhdi al Dahoodi 1987: Die Kurden. Frankfurt/M.


Über die philologische Entwicklung des Begriffes »Kurd«

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