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Die türkischen Pläne für die Zerstörung der kurdischen Befreiungsbewegung

Geschrieben am 20. November 2007

Seit Tagen können wir die Meldungen in den Medien verfolgen, dass die Grenzüberschreitungen der Türken Richtung Südkurdistan durch Wegschauen der südkurdischen Regierung akzeptiert werden.

Nach der Istanbul-Konferenz wurde den Türken also ein Handlungsspielraum eingeräumt, so dass sie Grenzoperationen auf südkurdischem Boden durchführen können, große Militäroperationen in Südkurdistan jedoch ausbleiben sollen. Talabani ging vor einer Woche sogar so weit, einen Angriff seitens der Türkei auf südkurdischem Gebiet „so gut wie sicher“ zu bezeichnen.
Während die großen Herren auf beiden Seiten über einen Dialog erfreut waren, sind die Leidentragenden hier allerdings wieder die kleinen Bauern, die sich an der Grenzregion angesiedelt hatten und auf ein friedliches Leben nun endlich hofften. Seitdem kann man immer wieder türkische Kampfjets beobachten, die in kurdisches Gebiet eindringen und sogar Dörfer bombardieren, ohne dass große Empörung seitens der Regierung in Hewlêr zu hören ist.
Der nächste Schritt seitens der Südkurden war dann das Verhören von Grenzbewohnern über die PKK und das Absperren des Gebietes für die internationale Presse. Die Dorfbewohner wurden von den Peshmerga- Einheiten angewiesen, den Guerilla-Einheiten der PKK keine Lebensmittel mehr zukommen zu lassen, um ihnen die Versorgungskette abzuschneiden.

Währenddessen wandelt sich die türkische CHP mit Deniz Baykal zu einer fragwürdigen Haltung. Noch vor dem Wahlkampf waren die Kurden im Irak ein Tabuthema und lediglich Unterstützer von Terroristen. Nun hat die Partei ihre Position sonderbarerweise völlig geändert und zeigt den Südkurden ihr freundliches Gesicht. Man fordert sie höflich auf, sich von der PKK zu distanzieren, denn das wäre nicht gut für die Politik der Südkurden und als Gegenleistung bietet man Hilfe im Aufbau an.
Die Hintergründe dürften klar sein, zu viele türkische Unternehmen verdienen schon lange ihr Geld in Südkurdistan und die AKP hatte es für undenkbar gehalten, sich während der Irak-Konferenz nur mit einem Politiker aus Südkurdistan abzugeben, auch hier will sich die CHP wohl von der Opposition wenigstens scheinbar abgrenzen.
Scheinbar bleibt aber auch die offizielle Stellungnahme der Türkei, warum man militärische Operationen durchführen will. Offiziell ist die PKK der Grund, den Barzani auch dankend angenommen hat. Inoffiziell jedoch will sich die türkische Regierung auf keinem Fall mit der PKK zufrieden geben, ihr strebt höheres vor – das Ölvorkommen in Kurdistan und dabei ist das erwartete Kerkûk-Referendum den Türken ebenso ein Dorn im Auge.
Um die Akzeptanz der türkischen Bevölkerung für einen Krieg zu erhalten, machte bereits schon seit Monaten der Generalstabschef Y. Büyükanit über die Medien die Massen mobil und sendete seine terroristischen Organisationen wie die JITEM aus, um in Kurdistan für Unruhe zu sorgen und die Medien mit angeblichen PKK Greueltaten zu füttern. Als die religiösgerichtete AKP zögerte nach Südkurdistan einzumarschieren, wetterte er von der offiziellen türkischen Militärhomepage gegen die Partei, dass das Militär sie im Auge behalten werde.
Wer damals zu den Parlamentswahlen genau hinhörte, konnte dieses Ziel auch schon bei den Parteien heraushören, die national-rassistische MHP sagte es sogar offen: „Unsere Grenzen sind die von Atatürk, aber wenn Kerkûk uns gehören würde, wäre das schon sehr schön.“
Welches Spiel die Türkei spielen möchte, ist wohl den meisten klar. Die Frage ist aber, welches Spiel spielt derzeit Barzani? Will er den Türken nur den Wind aus den Segeln nehmen oder hat er höheres vor?
Nun die PKK ist erst mal auf die Forderungen beider Seiten eingegangen und hat einen Dialog angeboten. Nachdem Erdogan öffentlich über die PKK verlauten ließ: „Entweder für die Berge oder für die Politik in der Stadt entscheiden“, bot die PKK eine Diskussionsplattform an, die brisante Situation und die Zukunft der Kurden im Dialog zu lösen. Ein Dialog mit der PKK stößt allerdings wieder den rechten und mitte-rechts Parteien sowie dem Militär sauer auf. Für sie gelten immer noch die Parolen: Ein Land, ein Volk, eine Flagge, eine Ideologie!
Wie das Militär auf die PKK reagiert, konnte man am Beispiel der acht durch die PKK gefangenen Soldaten feststellen, die bei ihrer Freilassung gleich wieder hinter Gitter kamen. Soldaten die keinen Heldentod für ihr Land sterben, gelten unter türkischen Militäraugen als Verräter. Wie sollen diese Generäle dann ein Gespräch mit der PKK billigen?

Fakt ist: Es ist klar was die Türkei will. Die AKP will das Militär beschäftigen, dass sie sich weniger mit der Politik der Regierung im eigenen Land abgeben. Das Militär zusammen mit den Oppositionsparteien will Kerkûk.

Nun aber was will Barzani? Einen Bruderkrieg wie Mitte der 90iger Jahre brauchen die Kurden nicht mehr. Es schien überwunden zu sein.
In den Augen der Türkei scheint die Lage klar. Schon einmal hat es geklappt, Kurden gegen Kurden auszuspielen und genau das versuchen, allem voran die CHP, wieder. Als Brücke zu den Südkurden dient hier die USA, denen es an einer Beruhigung der Lage natürlich von Vorteil wäre, da die Situation im gesamten Irak nicht gerade erfolgsversprechend ist. Eine Eskalation im Norden würde die USA im Irak endgültig aus der Bahn werfen auch in den Augen der amerikanischen Bevölkerung – und die Präsidentschaftswahlen nähern sich in den USA.
Im Gegensatz zur iranischen PJAK, die der USA noch gegen das Iran Regime nützlich sein kann, können sie die linksgerichtete PKK nicht gebrauchen, da so wie so schon ein Dialog mit dem Natopartner Türkei besteht. So könnte man für eine ruhige Lage und für die offizielle Beruhigung der Gemüter seitens ihres türkischen Natopartners die PKK opfern.
Hoffen wir alle mal, dass Barzani auf dieses Spiel nicht eingeht und seine Brüder in den Bergen nicht zu Opferlämmern macht.

Publiziert am: Donnerstag, 20. März 2008 (5360 mal gelesen)
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